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Aus für AL-KO Dämpfungstechnik

Mit mehr als 90 Mitarbeitern und großen Plänen war das Unternehmen 2014 von Hartha nach Seifersbach gezogen. Dort ist nun zum Jahresende Schluss.

Die AL-KO Dämpfungstechnik zog 2014 von Hartha nach Seifersbach. Nun gab es für die Mitarbeiter eine bittere Nachricht: Das Werk wird geschlossen.
Die AL-KO Dämpfungstechnik zog 2014 von Hartha nach Seifersbach. Nun gab es für die Mitarbeiter eine bittere Nachricht: Das Werk wird geschlossen. © Archiv/André Braun

Hartha/Rossau. Am Dienstagnachmittag hat Geschäftsführer Gerhard Rank den Beschäftigten der AL-KO Dämpfungstechnik GmbH in Seifersbach die bittere Nachricht überbracht: Zum Jahresende wird das Unternehmen, das zur AL-KO Fahrzeugtechnik mit Hauptsitz in Kötz (AL-KO Vehicle Technology Group) gehört, geschlossen.

In einer Mitteilung heißt es dazu: Die AL-KO Vehicle Technology Group plane nun eine strategische Neuausrichtung des gesamten Geschäftsfeldes Dämpfungstechnik. Im Zuge dessen wolle der global agierende Technologiekonzern den Standort in Rossau/Seifersbach schließen.

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Bis zum Abschluss der Restrukturierung wird die Produktion in der Einrichtung mit den bestehenden 65 Mitarbeitern fortgesetzt. Alle Produkte sollen weiter hergestellt werden, „bis mit den jeweiligen Kunden eine Lösung für eine Umstellung oder Auslaufsteuerung abgestimmt wurde.“

„Die Mitarbeiter waren für die Leistung des Standorts ein wichtiger Faktor. Daher ist uns viel daran gelegen, dass die Veränderungen und die Umsetzung der geplanten Personalmaßnahmen sozialverträglich erfolgen“, erklären die Geschäftsführer der AL-KO Dämpfungstechnik GmbH Gerhard Rank und Gero Neumeier.

Betriebsrat sucht Rechtsbeistand

Viele der 65 Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten bei AL-KO und schon vordem im Stoßdämpferwerk Hartha beschäftigt gewesen.

Auch Betriebsratsvorsitzender Henry Görlitz. „Bestürzt, sprachlos“, beschreibt er die Reaktion der Beschäftigten. „Vor allem, weil die Entscheidung so überraschend kam.“

Er habe versucht, der Belegschaft zu erklären, dass sich der Betriebsrat als erstes einen Rechtsbeistand sucht, der die fachliche Beratung übernimmt. Es werde ein Rechtsanwalt ausgewählt, „der das Vertrauen des Betriebsrates und der Belegschaft genießt“.

Dieser solle bei der Verhandlung eines Interessensausgleichs und Sozialplanes unterstützen. „Wir wollen im Interesse der Belegschaft das bestmögliche Ergebnis erzielen.“

Große Versprechen vor Umzug, jetzt Schließung

Der Betriebsratschef sieht keine Chance, die Schließung zu verhindern. „Man könnte sie durch verschiedene Aktionen hinauszögern, wollen aber lieber für die Mitarbeiter Brücken bauen, damit sie nicht von heute auf morgen ins Nichts fallen“, so Görlitz.

Aufgrund der Altersstruktur seien die Erfordernisse sehr unterschiedlich, für Jüngere wie Ältere müsse die passende Lösung gefunden werden.

Wichtig sei, dass Kündigungen erst nach Abschluss des Interessenausgleichs und Sozialplans ausgesprochen würden: „Wann auch immer dies sein mag.“

Im Jahr 2013 hatte die AL-KO den Bereich Anhängevorrichtungen samt der 58 Mitarbeiter an den amerikanisch-australischen Mischkonzern TriMas (heute Horizon Global) abgestoßen. Er war nicht mehr rentabel, hieß es damals. TriMas beanspruchte jedoch beinahe das gesamte Areal des Harthaer Firmengeländes, sodass die AL-KO Dämpfungstechnik GmbH von Hartha mit damals noch 94 Mitarbeitern nach Seifersbach umzog.

Personalabbau und neue Struktur

Ihnen wurde der Umzug an den etwa 20 Kilometer entfernten Standort unter anderem mit dem Einsatz von Werkbussen erleichtert. Gerhard Rank sah im Umzug damals die Chance zur Neustrukturierung und effektivere Gestaltung der Produktion.

AL-KO-Sprecher Thomas Lützel versprach seinerzeit „vielversprechende Projekte für weiteres Wachstum mit den Dämpfungselementen aus Sachsen“. Sogar über Investitionen wie den Neubau von Produktionshallen wurde gesprochen.

Allerdings war auch damals schon klar, dass wegen der Verlagerung der Stoßdämpferproduktion in die Werke des Geschäftsbereichs Dämpfungstechnik nach Spanien und China und des Umzugs weniger Personal gebraucht würde.

„Dafür wurden sozialverträgliche Lösungen etwa durch die Rente mit 63 oder Alterszeitverträge gefunden“, so Betriebsrat Henry Görlitz. Betriebsbedingte Kündigungen hatte es nicht gegeben.

Die AL-KO Dämpfungstechnik konzentrierte sich auf die Produktion von Einrohrdämpfern und Gasfedern unter anderem für die Fahrzeugtechnik und Luftfahrtindustrie.

Fusion mit Dexter Axle zu Dexko Global

Laut Betriebsrat Görlitz hielt der damals verhaltene Optimismus auch an, als das Familienunternehmen AL-KO Kober im Jahr 2015 den kompletten Bereich Fahrzeugtechnik abspaltete und diesen mit dem amerikanischen Achsenhersteller Dexter Axle unter dem Dach von DexKo Global zur AL-KO Fahrzeugtechnik (AL-KO Vehicle Technology Group) fusionierte.

Deren geschäftsführender Vorstand Harald Hiller hatte für 2021 gegenüber der Augsburger Allgemeinen einen Konzernumsatz von 2 Milliarden US-Dollar mit weltweit 6.000 Mitarbeitern prognostiziert.

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„Wir hatten oft schwierige Situationen, konnten aber auch immer Lösungen zugunsten der Beschäftigten finden.“ Betriebsratsvorsitzender Henry Görlitz sagt auf Anfrage weiter, dass man hätte auf den deutschen Vorstand bauen können, die Entscheidung zur Schließung wohl zu Lasten der Amerikaner ginge.

Es habe den Anschein gehabt, dass seit der Fusion mit Dexter Axle der sächsische Standort zur Disposition gestanden hätte.

Lange Tradition und gute Chancen nach der Wende

Den Grundstein für die Stoßdämpferproduktion legte Fabrikant Reinsch, der Textilbedarf herstellte. Er ließ das frühere Werk 3 der Firma Müller 1948 sanieren und Stoßdämpfer produzieren und reparieren. Am 1. Juli 1950 ging der Betrieb in Volkseigentum über, nachdem Reinsch die Firma Ende 1948 verlassen hatte.

Angegliedert wurde am 1. November die Karosserie- und Wagenfabrik Emil Faust. Das Stoßdämpferwerk beschäftigte 340 Mitarbeiter. Der Betrieb wurde modernisiert, erhielt Speiseraum und weitere soziale Einrichtungen.

Zum Ende der DDR waren etwa 600 Mitarbeiter beschäftigt, die u.a. 78 Stoßdämpfertypen auch in das westliche Ausland lieferten. Am 7. August 1990 wurde aus dem VEB Stoßdämpferwerk Hartha die IFA–Stoßdämpfer GmbH.

Geschäftliche Beziehungen zur AL-KO Kober-Gruppe im bayrischen Kötz führten am 1. Januar 1992 zum Verkauf des Harthaer Betriebs an die Alois Kober GmbH. Besonderes Engagement bewies der Gesellschafter und Vorstandschef Kurt Kober: Der Konzern investierte in Hartha, die Belegschaft wuchs auf bis zu 220 Mitarbeiter und das Unternehmen unterstützte Stadt und Vereine.

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