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Batterien aus Döbeln sollen Schiffe antreiben

Blackstone Technology aus dem Ortsteil Mochau bereitet die Serienproduktion von Batterien vor. Auch die EU unterstützt das Vorhaben.

Holger Gritzka, Geschäftsführer von Blackstone Technology, steht vor der Fertigungshalle im Gewerbegebiet Am Fuchsloch, das zwischenzeitlich von der Firma Cotesa genutzt worden war. Im Herbst 2020 ist Blackstone eingezogen.
Holger Gritzka, Geschäftsführer von Blackstone Technology, steht vor der Fertigungshalle im Gewerbegebiet Am Fuchsloch, das zwischenzeitlich von der Firma Cotesa genutzt worden war. Im Herbst 2020 ist Blackstone eingezogen. © Jens Hoyer

Döbeln. Der Nutzerwechsel ist jetzt auch optisch vollzogen. An der Fassade des Industriekomplexes im Gewerbegebiet Am Fuchsloch, an dem noch vor zwei Monaten der Schriftzug „Cotesa“ hing, ist jetzt ein neues Firmenloge montiert: Blackstone Technology.

Im November hatte die Firma in Döbeln den Betrieb aufgenommen. Allerdings noch sehr bescheiden. Geschäftsführer Holger Gritzka (53) holt die Besucher selbst am Eingang ab. Im Foyer stehen noch die Glasvitrinen mit Plastikteilen des Vorvor-Nutzers, der Firma Stemke Kunststofftechnik.

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Produktion in Mochau soll im Sommer starten

Die Hallen sind derzeit noch leer. Aber im Hintergrund wird intensiv an den Vorbereitungen zur Aufnahme der Produktion modernster 3D gedruckter Batterien gearbeitet. „Wir haben uns erst mal eingerichtet, Möbel, Maschinen und Anlagen bestellt“, sagte Gritzka.

Im Juni, so der Geschäftsführer, kommen die Maschinen. Einen Monat später werden die Mitarbeiter mit dem Anfahren beginnen. Im Sommer soll die Produktion starten. Am Standort Döbeln arbeiten derzeit vier Mitarbeiter, sagte Gritzka.

Zehn Entwickler sind beim Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen mit dem Projekt beschäftigt. „Weitere acht Kollegen arbeiten für uns in der Schweiz. In der Prozess- und Produktentwicklung sind wir weit fortgeschritten“, sagte Gritzka.

Fördergeld von der Europäischen Union

Auch mit der Finanzierung sieht es gut aus. Blackstone und seine Partner in der Forschung bekommen Fördergelder der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse. Auch die EU wird das Projekt mit zwei Millionen Euro unterstützen.

Am Dienstag hat die Mutterfirma Blackstone Resources zudem bekannt gegeben, dass sie eine Zusage für ein sogenanntes Wandeldarlehn in Höhe von 20 Millionen Schweizer Franken hat, das für die Pläne zur Massenproduktion der neuen Generation von 3D-gedruckten Feststoffbatterien und für andere Investitionen verwendet werden soll.

Die ersten Batterien aus Mochau werden keine Autos, sondern Schiffe antreiben, sagte Gritzka. „Die Anwendungen auf diesem Gebiet sind vielfältig. Los geht es bei Fähren, die zwischendurch geladen werden. Eine zweite Anwendung sind hybride Antriebe bei Schiffen.

Es ist auch eine reine Bordstromversorgung denkbar. Bisher müssen die Schiffe im Hafen immer die Motoren laufen lassen“, sagte Gritzka. Auch ein Hersteller von Elektrobussen und einer Firma für Elektromotorräder hätten Interesse an der Lieferung von Batterien angemeldet.

38 Mitarbeiter im nächsten Jahr

Im Juni werden zehn Mitarbeiter an den Vorbereitungen für die Produktion arbeiten. Alles Ingenieure, die das Aufbauen der Anlagen und das Anlaufen der Produktion steuern. Im Sommer kommenden Jahres wird das Werk mit 38 Mitarbeitern arbeiten.

Eineinhalb Jahre hatte Blackstone und das Fraunhofer-Institut in Bremen an der Projektvorbereitung gearbeitet, sagte Gritzka. „Es ist wichtig, dass wir uns in Europa dieses Themas annehmen und nicht warten, bis die Chinesen kommen und hier Fabriken bauen. Es kommt darauf an, dass wir federführend sind.“

Das neue Verfahren, die Elektroden der Batterien zu drucken, bringe eine Menge Vorteile. Die Batterien können nicht nur mehr Energie speichern. Sie sind zudem auch noch billiger und bei der Herstellung werde weniger Energie verbraucht. Die verwendeten Lösungsmittel seien nicht umweltschädlich, weil sie auf Wasser basieren. Und durch das Drucken der Elektroden entstehe weniger Abfall, zählte Gritzka auf.

Batterien aus Natrium statt Lithium

Das neue Verfahren sei auch bei anderen Batterietechnologien anwendbar und äußerst flexibel. Sehr interessant sei das für Batterien auf Natrium-Basis. „Die Verfügbarkeit des Rohstoffs ist um ein vielfaches höher und Natrium bringt gegenüber Lithium technische Vorteile, wie etwa die bessere Haltbarkeit. Wir sind bei der Entwicklung solcher Batterien auf einem guten Weg. Anfang nächsten Jahres soll es die ersten Prototypen geben“, sagte Gritzka.

Die Firma Blackstone hatte lange nach einem Standort gesucht, an dem sie die neue Technologie zur Batterieherstellung in die Serienproduktion überführen kann. „Es ist ein Glücksgriff, dass alles so gut passt. Der Standort ist auch ideal gelegen“, sagte der Geschäftsführer. An der Immobilien seien keine Veränderungen nötig. Rein- oder Trockenräume wie bei anderen Hochtechnologien brauche man nicht.

Gritzka, der an der TU Dresden Elektro- und Nachrichtentechnik studiert hat, ist seit 2008 in der Batteriebranche, hatte bei Li-Tec in Kamenz gearbeitet und bei Thyssen-Krupp im Maschinenbau für Batteriehersteller Erfahrungen gesammelt. Mit Partnern gründete er die Firma Terra-E, aus der er Ende 2018 ausgestiegen war. Deren Technologie zur Herstellung von Batterien habe mittlerweile Tesla gekauft, so Gritzka.

Die Mutterfirma Blackstone Resources ist eine Schweizer Holding. Sie konzentriert sich auf die Batterietechnologie und den Batteriemetallmarkt und hat ein Forschungsprogramm zu neuen Batterietechnologien für Festkörperbatterien und deren Herstellungsverfahren gestartet.

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