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Döbeln: Fördermillion für sichere Wasserstofftanks

Das KVB hat mit Partnern Forschungsgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro bekommen. Es geht um eine Zukunftstechnologie.

Von Sylvia Jentzsch
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Der Geschäftsführer des Institutes für Konstruktion und Verbundbauweisen Markus Mütsch mit einem Wasserstoffdruckbehälter der älteren Generation.
Der Geschäftsführer des Institutes für Konstruktion und Verbundbauweisen Markus Mütsch mit einem Wasserstoffdruckbehälter der älteren Generation. © Sylvia Jentzsch

Großweitzschen/Döbeln. Das Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen gGmbH (KVB) hat die Ausschreibung für ein weiteres Projekt gewonnen. Damit legt das Institut, das zurzeit noch im Döbelner Gewerbegebiet „Am Fuchsloch“ ansässig ist, einen weiteren Baustein für die Zukunft.

Immerhin gab es für den „Selbsttragenden Liner“ 1,5 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium. 600.000 Euro davon ist Forschungsgeld für das KVB. Die restlichen 900.000 Euro gehen an die Partner.

Zu ihnen gehört die Cotesa GmbH im Döbelner Gewerbegebiet „Am Fuchsloch“ , das Planungsbüro Realize Engineering Dresden GmbH und die IMA Dresden GmbH.

Leistungsfähigkeit steigern

„Zielstellung des Projektes ist es, die Leistungsfähigkeit von Wasserstoffdruckbehältern nochmals deutlich zu steigern“, so Geschäftsführer Markus Mütsch. Bisher seien die Behälter, in denen Wasserstoff gelagert werden kann, aus Kunststoff, der mit Faserverbundwerkstoffen ummantelt wurde.

Künftig sollen die Behälter komplett aus Faserverbundwerkstoffen hergestellt werden. „Sie sind dann nicht nur leichter und beständiger, sondern halten auch einen höheren Druck aus. Damit kann mehr Wasserstoff in einem Behälter gelagert werden“, erklärte Markus Mütsch.

Dass KVB Forschungsgeld für dieses Projekt erhalte, komme nicht einfach so. Zunächst habe das Institut Partner gesucht. „Dabei haben wir Wert darauf gelegt, dass sie alle aus Sachsen kommen“, so der Geschäftsführer. Anschließend habe sich das Konsortium beworben und eine Projektskizze eingereicht. Fachleute haben dann entschieden, dass das Forschungsgeld nach Sachsen fließt.

„Man muss langfristig planen, Ziele haben und auch Neues wagen“, so die Devise von Markus Mütsch. Er habe vor sechs Jahren mit drei Mitarbeitern begonnen, das Institut in Mochau neu aufzubauen. Nach und nach ist es gewachsen, in der Zahl der Mitarbeiter, in der Größe der Aufträge und an Bekanntheitsgrad.

„Jetzt sind wir gefragt. Nicht nur bei den Firmen und Forschungsprojekten, sondern auch bei jungen Ingenieuren, die hier eine Zukunft haben“, sagte der Geschäftsführer. Allerdings wünsche er sich, dass nicht nur Interessenten aus Leipzig und Dresden an seine Tür klopfen, sondern junge Leute aus der Region, die auch am Standort bleiben.

Fachleute aus der Region gesucht

Um neue Fachleute für das KVB auszubilden, gibt es eine Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Riesa. Hier können die künftigen Ingenieure die Grundlagen und beim KVB die Praxis lernen. Diese Zusammenarbeit will das Institut weiter ausbauen. Und da hat es einiges zu bieten. Denn es wird vorwiegend geforscht und entwickelt.

„Wenn ein Teil in Serie produziert wird, ist das Spannendste für die Ingenieure vorbei. Wir bieten dagegen viele Technologien und einen großen Bastelkeller an“, sagte Mütsch. Es werden Bauteile für verschiedene Branchen entwickelt. Den Schwerpunkt bildet der Maschinenbau. Es wird aber auch für die Luftfahrt, die Schifffahrt oder an der Weiterentwicklung von Sportgeräten geforscht. „Was wir zu bieten haben, ist für junge Leute hochinteressant“, so der Geschäftsführer. Zurzeit sucht er einen Zerspanungstechniker.

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Gearbeitet wird vorrangig mit Glas- und Kohlefaserverbundwerkstoffen. Diese werden für die Herstellung von Bauteilen für Maschinen, Rohre, Ringe oder für Gehäuse von Pumpen und Motoren verwendet.

Das KVB arbeitet an verschiedenen Forschungsprojekten. Dazu gehört auch, wie die leichten, sehr harten und fast unzerstörbaren Verbundwerkstoffe recycelt werden können.

Umzug im ersten Quartal geplant

Der Sitz der KVB ist künftig im Mockritzer Gewerbegebiet. Zurzeit wird das Gebäude von ehemals Takata, später Joyson Systems um- und ausgebaut. Das ist notwendig, weil die Firma wachsen will und dafür mehr Platz benötigt. Der Gesellschafter des KVB hat das Gebäude gekauft und lässt es jetzt für die Zwecke des Unternehmens sanieren und optimieren – ein Technologiepark soll entstehen.

Das künftige Domizil von KVB bietet viermal so viel Platz wie der bisherige Standort. Nicht nur die KVB wird in Mockritz einziehen, sondern auch die LiCoMo, die Prototypen und Serien fertigt. Bei ihr sind zurzeit vier Mitarbeiter beschäftigt. Doch auch sie soll wachsen, um die Aufträge von Unternehmen erfüllen zu können. Dabei setzt Mütsch auf Nischenprodukte.

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„Wir können nicht in grenzenlosen Stückzahlen fertigen, aber wir können genau die Produkte aus Verbundwerkstoffen herstellen, die manche Firmen brauchen. Dafür haben wir die Technologie und die Maschinen“, so Mütsch. Seit in den Internetauftritt von LoCoMo investiert worden sei, gebe es viele Anfragen.

Bis zum Einzug in das Gebäude im Mockritzer Gewerbegebiet gibt es noch eine Menge Arbeit. Das Gebäude, das Mitte der 1990er- Jahre gebaut wurde, muss zum Teil saniert und die Räume den Erfordernissen von KVB angepasst werden. „Das Dach ist dicht, aber wir mussten die Dämmung darunter komplett herausnehmen. Sie war teilweise verfault“, so KVB-Geschäftsführer Markus Mütsch. Das Gebäude ist komplett eingerüstet.

Im Obergeschoss und im Erdgeschoss, in dem Bereich, in dem sich früher Labore befanden, entstehen Büroräume. Dafür waren Trockenbauarbeiten notwendig. Außerdem wird ein zweiter Fluchtweg angebaut.

Geschäftsführer Markus Mütsch vor dem neuen Domizil im Mockritzer Gewerbegebiet.
Geschäftsführer Markus Mütsch vor dem neuen Domizil im Mockritzer Gewerbegebiet. © Archiv/Dietmar Thomas

Grünpflanzen mit viel Nutzen

Ums Haus sollen an Elementen Kletterpflanzen emporwachsen. „Die grünen Wände werden dafür sorgen, dass sich die Fassade nicht so sehr aufheizt. Sie sind eine optische Aufwertung und bringen ein gutes Raumklima. „Auch hier gehen wir innovative Wege“ so Mütsch. Am Um- und Ausbau sind regionale Firmen, die ihren Sitz zwischen Dresden und Leipzig haben, beteiligt.

Nachdem das Bauanzeigeverfahren problemlos die Ämter passiert hatte, konnte mit den Arbeiten im Juli begonnen werden (DA berichtete). „Allerdings werden wir unser Ziel, Ende des Jahres umzuziehen und im Januar 2022 mit der Produktion zu beginnen, nicht erreichen. Dafür gibt es viele Gründe. Dazu gehören bisher nicht entdeckte Mängel, unterbrochene Lieferketten für Material und das große Auftragsvolumen der einzelnen Handwerksbetriebe“, so Mütsch.

Er ist trotz der Verzögerungen zuversichtlich, dass KVB im ersten Quartal umziehen kann. Der Gesellschafter investiert etwa ein bis zwei Millionen Euro in das Projekt. Allerdings ist das Geld nicht nur für den Umbau, sondern auch für die Erweiterung des Maschinenparks gedacht. Zurzeit arbeiten beim KVB 20 Mitarbeiter, die meisten sind Ingenieure.

Vor sechs Jahren gegründet

Die KVB gGmbH ist erst seit 2015 in Döbeln. 2017 wurde aus der KVB gGmbH die LiCoMo GmbH quasi als Start-up ausgegründet. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will Mütsch das Thema Leichtbau aus Faserverbundwerkstoffen in der Region weiter pushen.

Was in Mochau beziehungsweise künftig in Mockritz hergestellt wird, sei absolutes Hightech. Zielstellung ist es, Bauteile serienreif zu entwickeln, diese dann in der LiCoMo GmbH herzustellen und zu vermarkten. „Da haben wir aber noch Luft nach oben“, sagte Mütsch.