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Erdbeer-Ernte in Sachsen startet

Trotz spätem Auftakt könnte es 2021 eine gute Ernte im Freistaat geben. Dennoch sorgen sich die sächsischen Obstbauern.

Alaine Masur, die bei der Obstland Dürrweitzschen AG für die Direktvermarktung zuständig ist, mit den ersten Erdbeeren der Saison.
Alaine Masur, die bei der Obstland Dürrweitzschen AG für die Direktvermarktung zuständig ist, mit den ersten Erdbeeren der Saison. © Lars Halbauer

Dürrweitzschen/Sachsen. Wer Erdbeeren mag, muss sich in diesem Jahr etwas länger als gewöhnlich gedulden, ehe er die ersten aromatischen Früchte aus der Region probieren kann. Auf den Feldern der Ablaßer Obstgarten GmbH ist am Mittwoch im Beisein von Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther die Erdbeersaison 2021 eröffnet worden. „Ein angenehmer Termin“, gab der Politiker zu.

Der verspätete Start in diesem Jahr ist dem relativ langen Winter geschuldet. „Deshalb beginnt die Saison auch erst langsam“, sagte Matthias Wedler, der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Sächsisches Obst. Wer jetzt auf die Selbstpflückfelder komme und nur rote Früchte erwarte, der werde enttäuscht.

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Er rechne mit dem Beginn der Haupternte in etwa anderthalb Wochen. Dann steige auch der Tagesertrag. Wedler geht davon aus, dass das Kilo Erdbeeren jetzt in der Vorsaison im Handel zwischen sechs bis sieben Euro kostet, sechs Euro in der Hauptzeit. Wer selbst pflücken geht, kann mit einem Kilopreis von drei bis vier Euro rechnen.

Sachsen zahlt keine Corona-Zuschüsse für Erntehelfer

Insgesamt könnte es ein gutes Ertragsjahr werden – sofern es keine längeren Regenperioden gibt, keine Wetterkapriolen wie Hagel und auch mal höhere Temperaturen in der Nacht. Im vergangenen Jahr wurden in Sachsen rund 2.500 Tonnen Erdbeeren geerntet. Die Anbaufläche betrug 450 Hektar.

Laut Wedler sei es außerdem wichtig, dass der Einsatz der Erntehelfer klappt. Bislang sehe das gut aus. Wie im ersten Corona-Jahr müssten weiterhin viele Dinge auch bei der Unterbringung der Leute beachtet werden. Diese Mehrkosten tragen in den meisten Bundesländern die Obstbauern selbst, nur in Brandenburg unterstützt das Land die Obstproduzenten mit einem Zuschuss von 150 Euro pro Saisonarbeitskraft.

Für Sachsen kommt das aus Sicht des Ministers nicht infrage. Dieser Zuschuss sei aus Sicht der Landwirte nachvollziehbar. Aber: „Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch leistbar. Das sprengt den finanziellen Rahmen.“

Wer nicht selbst aufs Feld möchte und die roten Beeren pflücken, der kann sie in den Hofläden, an Straßenverkaufsständen, in ausgewählten Baumärkten sowie an Wochenmarktständen erwerben.
Wer nicht selbst aufs Feld möchte und die roten Beeren pflücken, der kann sie in den Hofläden, an Straßenverkaufsständen, in ausgewählten Baumärkten sowie an Wochenmarktständen erwerben. © Lars Halbauer
Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther hat sich am Mittwoch nicht nur von der Qualität der sächsischen Erdbeeren in diesem Jahr überzeugt, sondern sich auch die Sorgen und Nöte der Obstauern angehört.
Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther hat sich am Mittwoch nicht nur von der Qualität der sächsischen Erdbeeren in diesem Jahr überzeugt, sondern sich auch die Sorgen und Nöte der Obstauern angehört. © Lars Halbauer
Auch Sophie Rost, Marketing-Leiterin bei der Obstland Dürrweitzschen AG, freut sich über die ersten roten, süßen Früchte in diesem Jahr..
Auch Sophie Rost, Marketing-Leiterin bei der Obstland Dürrweitzschen AG, freut sich über die ersten roten, süßen Früchte in diesem Jahr.. © Lars Halbauer

Etwas anders sieht es mit der Unterstützung des Landes bezüglich des geschützten Anbaus aus. So bezeichnet werden Flächen unter Folie, Glas oder Vlies. Dafür bedarf es im Freistaat laut sächsischer Bauordnung „eines fachlichen Nachweises über die Statik von Folientunneln“, sagte Matthias Wedler. Das Unternehmen, in dem er tätig ist, habe auf vier Hektar Fläche den geschützten Anbau etablieren wollen. „Wegen der enormen Bürokratie haben wir es wieder sein lassen“, sagte er.

In diesem Punkt stellte Günther eine Anpassung der Landesbauordnung in Aussicht. Das wiederum käme auch der politischen Zielsetzung entgegen, die ökologische Vielfalt zu fördern. Dazu gibt es dem Minister zufolge ein neues Projekt.

Woher kommt, was wir essen?

Mehr regionale Produkte anzubauen und in den Märkten vor Ort anzubieten, das ist auch im Sinne von Torsten Krawczyk, dem Vorsitzenden des Sächsischen Landesbauernverbandes.

Wie der Westewitzer schilderte, hatte die deutsche Bevölkerung schon Anfang Mai so viel Obst verbraucht, wie im gesamten Jahr im Land angebaut wird. Alles, was danach auf den Tischen landet, müsse eingeführt werden. Das sei nicht immer gut für die Ökobilanz und für den Geschmack.

Krawczyk appellierte an die Verbraucher, das eigene Kaufverhalten kritisch zu betrachten: Wer schaut wirklich, woher Obst und Gemüse kommen?

Der Druck auf die Erzeuger ist groß

Damit die Bauern mehr Regionales liefern können, wonach die Kunden in Märkten auch immer häufiger fragen würden, müssen die Landwirte ihre Produkte schützen. Durch Hagelnetze, überdachten Obstanbau und anderes mehr, sagte der Vize-Chef des Landesverbandes Sächsisches Obst. Das sei ein Problem, häufig auch eines der Kosten.

Als ein anderes stellte Wedler die unterschiedlichen Mindestlöhne in Europa dar: In Polen arbeiteten Erntehelfer für drei Euro die Stunde, in Spanien für sechs Euro. Das erkläre, weshalb Früchte aus diesen Ländern trotz verhältnismäßig langer Transportwege häufig günstiger angeboten werden können, als die Erdbeeren vom Nachbarfeld.

Die Verkaufsstände von Sachsenobst befinden sich in der Region:

  • - an der S44 zwischen Leisnig und Minkwitz,
  • - an der S31 auf dem Mitfahrerparkplatz Bockelwitz,
  • - im Toom-Markt in Döbeln,

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In den Hofläden in Leisnig, Ablaß und Dürrweitzschen gibt es die Erdbeeren frisch vom Feld genauso wie an den Wochenmarktständen von Sachsenobst.

www.sachsenobst.de

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