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Warum es in Hartha keinen Motor aus dem Katalog gibt

Seit 1990 hat sich bei der Spat GmbH in Hartha vieles geändert: neuer Chef, neuer Standort und vor allem speziellere Wünsche.

Roland Kühnel (links) hat die Firma Spezialantriebstechnik aus Hartha vor drei Jahren an Jörg Salzbrenner abgegeben.
Roland Kühnel (links) hat die Firma Spezialantriebstechnik aus Hartha vor drei Jahren an Jörg Salzbrenner abgegeben. © Dietmar Thomas

Hartha. Die Corona-Pandemie hat einiges durcheinander gebracht, auch das 30-jährige Firmenjubiläum der Spezialantriebstechnik (Spat) GmbH aus Hartha. Doch in diesem Jahr gibt es zumindest zum 31-Jährigen ein kleines Fest.

Denn feiern und stolz sein, kann die Firma auf einiges. 2018 übergab der ehemalige Geschäftsführer Roland Kühnel die Leitung an den jüngeren und bereits seit 2013 angestellten Jörg Salzbrenner ab. Er bringt das kleine Unternehmen mit insgesamt 13 Mitarbeitern weiter voran und behält nicht nur alte Antriebe im Blick, sondern geht auch immer mehr mit dem digitalen Wandel, wie er erzählt.

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Die Firma Spat stellt seit 1990 elektrische Kleinantriebe auf speziellen Kundenwunsch her, die später in Maschinen verbaut werden. Vor allem die Textil-, Lebensmittel- oder Medizinbranche beliefert das Harthaer Unternehmen.

„Auch weiterhin haben wir keinen Katalog, in denen sich die Interessenten Antriebe aussuchen können, sondern wir gehen gezielt auf die Probleme der Kunden ein“, erklärt Geschäftsführer Jörg Salzbrenner. „Wir produzieren vor allem kleinere bis mittlere Mengen in Serie. Manchmal fertigen wir aber auch nur spezielle Einzelteile.“

Mehrere Monate Entwicklungsarbeit

Dafür braucht die Firma vor allem Spezialisten in der Entwicklung, die sich in die Abläufe der Maschinen eindenken können. „Derzeit stellen wir beispielsweise einen Motor für einen großen Backofen her, der später in einem Lebensmittelgeschäft laufen soll. Da gilt es beispielsweise auf die hohe Temperatur einzugehen“, erklärt Salzbrenner.

Deshalb dauere es bei einigen Lösungen auch ein halbes oder ein ganzes Jahr, bis sie tatsächlich eingesetzt werden können. Fakt sei jedoch, dass alle Teile 100-prozentig laufen und deshalb vor Herausgabe auch exakt geprüft werden müssen. Das übernehmen in der Spat GmbH teilweise auch automatisierte Maschinen.

Detlef Wagner prüft eine Leiterplatte und schaut sich diese unter einem speziellen Mikroskop an.
Detlef Wagner prüft eine Leiterplatte und schaut sich diese unter einem speziellen Mikroskop an. © Dietmar Thomas
Annett Malditz ist in der Produktion eine Montagemitarbeiterin. Sie klebt einzelne Teile an.
Annett Malditz ist in der Produktion eine Montagemitarbeiterin. Sie klebt einzelne Teile an. © Dietmar Thomas
Kleinere Motoren sind die Erzeugnisse, die die Spat GmbH ausliefert.
Kleinere Motoren sind die Erzeugnisse, die die Spat GmbH ausliefert. © Dietmar Thomas

Einige Motorenwünsche, so erzählen Ex-Chef Roland Kühnel und der jetzige Chef Jörg Salzbrenner, gibt es bereits seit 20 Jahren. „Einige Unternehmen wollen jedes Jahr genau das gleiche Ergebnis haben, was manchmal gar nicht mehr so einfach ist, weil Bauteile unter Umständen nicht mehr hergestellt werden.“

Dann müsse die Entwicklungsabteilung einen Antrieb erarbeiten, der zwar im Ergebnis das gleiche macht, aber im Innenleben anders zusammengesetzt wird.

Nachwuchsförderung soll starten

Insgesamt ist Jörg Salzbrenner zufrieden mit der derzeitigen Situation. Natürlich bereiten auch die Corona-Pandemie-Nachwirkungen wie die Lieferschwierigkeiten von einzelnen Bauteilen kleinere Probleme, aber allgemein sei die Firma auf einem guten weg, meint der 42-jährige Harthaer.

Ähnlich sieht das auch der 30 Jahre ältere Roland Kühnel. Heute sei er sehr froh, die Führung vor drei Jahren abgegeben zu haben. „Wir haben schon lange eng zusammengearbeitet. Ich bin froh, dass wir intern eine Nachfolge gefunden haben und immer noch ein selbstständiges Unternehmen sind“, so der 72-Jährige.

Denn auch die Übernahme durch eine größere Firma stand bereits zur Debatte, wurde letztlich jedoch abgewehrt. Zwar habe die Firma seit der Krise 2008 knapp zehn Mitarbeiter verloren, doch neue Arbeitsplätze sollen nun geschaffen werden.

Salzbrenner zufolge soll ab Herbst erstmals eine Ausbildungsstelle entstehen und besetzt werden. Auch Betriebspraktika sollen angeboten werden. „Auch wir sind gezwungen, endlich mehr auf die Nachwuchsförderung zu setzen“, sagt der Geschäftsführer. „Vor allem einen Softwareentwickler und Elektroniker suchen wir.“

Außerdem steht die Firma Spat vor einer Erweiterung. Zwar sei keine Erweiterung des Hauses geplant, aber die obere Etage soll für die Zukunft saniert werden. „Dann hätten wir für die Entwicklung und die Produktion mehr Platz“, so Jörg Salzbrenner.

Harthaer Firma mit Tradition

  • Seit 1930 ist Hartha in Sachsen Standort der Entwicklung und Produktion von elektrischen Kleinantrieben.
  • 1990 entstand aus dieser Tradition die Spat - Spezialantriebstechnik GmbH im Harthaer Gewerbegebiet.
  • Erster Firmensitz war im Hinterhof der ehemaligen Hausschuhwerke an der Nordstraße. Im Jahr 2001 entstand das Produktions- und Verwaltungsgebäude im Gewerbegebiet.
  • Das Unternehmen profilierte sich international als Spezialist für dezentrale intelligente Kleinantriebe.
  • Im Unternehmen arbeiten zurzeit 13 Mitarbeiter, größtenteils in der Entwicklung.

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