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Neue Perspektive für Schmiedewerker

Das Roßweiner Werk von Frauenthal Powertrain wird zum 31. Dezember geschlossen. Jetzt interessieren sich andere Firmen für die Mitarbeiter.

Die Frauenthal Powertrain GmbH in Roßwein soll zum 31. Dezember 2020 geschlossen werden.
Die Frauenthal Powertrain GmbH in Roßwein soll zum 31. Dezember 2020 geschlossen werden. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Gesenk- und Freiformschmiede aus Großenhain ist das erste Unternehmen, das den Roßweiner Schmiedewerkern einen Bewerber-Tag angeboten hat.

„Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und der Region Roßwein bewusst. Aus diesem Grund sind wir zurzeit auf der Suche nach Partnern, um unseren Mitarbeiter eine neue Job-Perspektive außerhalb von Frauenthal geben zu können“, erklärt Geschäftsführer Amit Bedi in einer Pressemitteilung.

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Mit der Gesenk- und Freiformschmiede sei ein erstes Unternehmen gefunden worden, das auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern sei. „Ich habe über die geplante Werksschließung in der Zeitung gelesen und sofort Kontakt zu den Kollegen von Frauenthal aufgenommen,“ so Wolfgang Pradella, Geschäftsführer und Inhaber der Großenhainer Gesenk- und Freiformschmiede. „Es ist  eine gute Gelegenheit, uns vorzustellen und innerhalb kurzer Zeit potenzielle neue Mitarbeiter kennenzulernen.“

Auf der Suche nach weiteren Firmen

Insgesamt habe es 16 Bewerber gegeben. Weitere Gespräche sollen folgen. „Es ist eine unkomplizierte Gelegenheit, sich vorzustellen und die ungewöhnliche Situation von Vorstellungsgesprächen einzuüben, denn dies haben wir alle jahrelang nicht mehr gemacht“, habe ein Teilnehmer erklärt. Insgesamt gehen in Roßwein 110 Jobs verloren. 

Das Unternehmen Frauenthal Powertrain sei auch weiterhin auf der Suche nach potenziellen neuen Unternehmen für die Mitarbeiter, heißt es in der Presseerklärung. Weitere Bewerber-Tage sollen folgen. Parallel sei ein erstes Sondierungsgespräch mit dem Betriebsrat und der IG-Metall erfolgt, um die weiteren Verhandlungen für die geplante Werksschließung zum 31. Dezember zu organisieren. 

Erst zu Beginn der Woche hatten die Mitarbeiter des ehemaligen Schmiedewerkes mit einer Aktion vor den Toren des Unternehmens auf ihre Situation aufmerksam gemacht.  Dabei wurden sie von der IG Metall unterstützt.

Sachsens Staatsregierung soll sich einmischen

Inzwischen schaltet sich auch die Politik ein. Die Staatsregierung setze sich medienwirksam für den MAN-Standort in Plauen ein. Die Regierung dürfe aber auch zur geplanten Schließung von Frauenthal in Roßwein nicht schweigen, meint die mittelsächsische Abgeordnete der Linksfraktion, Marika Tändler-Walenta.

„Mit der Schließung verlöre die Region einen wichtigen Standort. Und es gäbe einen neuen Fall auf der langen Liste jener ostdeutschen Betriebe, die Profitinteressen zum Opfer gefallen sind", so Tändler-Walenta.

Laut Aussagen der Beschäftigten ist der Betrieb seit der Übernahme durch Frauenthal nur auf Verschleiß gefahren worden, um möglichst viel Profit zu erwirtschaften. Die Frauenthal-Gruppe habe im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatz von 393 Millionen Euro erzielt. Die Staatsregierung sollte sich einmischen und den Kontakt mit den Eigentümern suchen, um die Schließung vielleicht doch noch abzuwenden.

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"Ich stehe jedenfalls hinter der Forderung der Belegschaft nach einem fairen Sozialplan. Dieser sollte nicht nur Abfindungen garantieren, sondern auch die Vermittlung von Beschäftigten in andere Unternehmen gewährleisten“, so die Abgeordnete.

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