merken
PLUS Döbeln

Roßweiner wünschen sich Drogeriemarkt

Das Einzelhandelskonzept bescheinigt der Stadt genügend Kaufkraft. Lebensmittel kaufen die Einwohner auch in Roßwein. Vieles andere aber außerhalb.

Seit der Besitzer des Nahversorgungszentrums an der Haßlauer Straße gewechselt hat, hat sich zumindest von außen einiges getan. Der Komplex hat einen neuen Anstrich und neue Beleuchtung erhalten.
Seit der Besitzer des Nahversorgungszentrums an der Haßlauer Straße gewechselt hat, hat sich zumindest von außen einiges getan. Der Komplex hat einen neuen Anstrich und neue Beleuchtung erhalten. © Lars Halbauer

Roßwein. Ein Drogeriemarkt steht ganz oben auf der Wunschliste der Roßweiner. Seit der Schließung der Schlecker-Filiale fehlt den Einwohnern dieses Angebot sehr. Das wird bei der Diskussion der Stadträte über den Entwurf des Einzelhandelskonzepts abermals deutlich.

Welche Einkaufsmärkte oder Händler mit welchem Sortiment könnten sich wo ansiedeln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das 85 Seiten umfassende Konzept, dessen Entwurf den Stadträten am Donnerstagabend erläutert wurde. Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) hat es erstellt. 

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

„Wir benötigen es vor allem für die Beantragung von Fördermitteln für den Stadtumbau, beispielsweise im Bereich Geschäftsstraßenmanagement“, erklärte Michael Klöden, der in der Stadtverwaltung unter anderem für Gebäude und Liegenschaften zuständig ist.

Die GMA hat unter anderem den Ist-Stand des Einzelhandelsangebotes in Roßwein erfasst und bewertet. „In der Grundversorgung mit Nahrungs- und Genussmitteln ist die Stadt danach mit den Discountern Netto, Penny und Lidl sowie dem sogenannten Nahversorgungszentrum an der Haßlauer Straße relativ gut aufgestellt. 

„Bei allem anderen ist noch Luft nach oben“, erklärte Dr. Eddi Donat von der GMA. Anlalysiert hat die GMA auch die Kaufkraftströme in Roßwein. Danach fließen rund 47 Prozent der Kaufkraft unter anderem nach Döbeln, Waldheim und Dresden ab.

Genügend Lebensmittelmärkte in Roßwein da

Grundsätzlich möglich sei die Ansiedlung eines Drogeriemarktes in Roßwein, erklärte Donat. Denn gerade in diesem Bereich schätzt die GMA die Versorgung als unterdurchschnittlich ein. Der Bedarf an Drogeriewaren werde lediglich durch Angebote in den Discountern und Supermärkten gedeckt, heißt es.

Empfohlen wird die Bestandssicherung der vorhandenen Einrichtungen zur Nah- und Grundversorgung, sprich der vorhandenen Lebensmittelmärkte. Die Modernisierung von Einrichtungen mit Nachholbedarf sei zu prüfen. 

Das wäre laut Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) unter anderem beim Nahversorgungszentrum an der Hasslauer Straße der Fall. Das in den 1990er-Jahren gebaute Objekt, in dem zurzeit Edeka, KiK und Tedi ihre Filialen haben, ist 2019 von dem englischen Besitzer an einen deutschen Eigentümer verkauft worden. 

Seither habe sich zumindest mit einem neuen Außenanstrich und neuer Beleuchtung etwas getan. Konkrete Pläne für eine Erweiterung oder Modernisierung gebe es derzeit aber nicht, sagte er bereits im Vorfeld der Stadtratssitzung.

Bekleidungsangebot fehlt

Als unterdurchschnittlich schätzt die GMA die Versorgung im Bereich Bekleidung, Schuhe und Sport ein. Empfohlen wird hier die Ansiedlung neuer und der Ausbau vorhandener Anbieter. Unklar blieb für einige Stadträte, wie das gelingen soll. 

„Es wird wieder einmal deutlich, dass alles das fehlt, was in den letzten Jahren geschlossen worden ist“, sagte Jens Tamke (AfD). Christian Senftleben erklärte schon fast resigniert: „Ich wäre froh, wenn sich neue Händler ansiedeln würden, aber es wird nichts passieren. Das ist das Traurige.“

Eddi Donat appellierte an den Weitblick der Stadträte. „Wir wissen heute noch nicht, was in drei oder vier Jahren sein wird“, sagte er. Mit dem Einzelhandelskonzept stehe potenziellen Investoren aber ein Papier zur Verfügung, das ihnen in die Hand gegeben werden kann und ihnen alle bestehenden Möglichkeiten einer Ansiedlung offenlegt.

Mühlstraße schreckt Investoren ab

Schließlich stimmten die Stadträte dem Entwurf des Einzelhandelskonzepts mit drei Stimmenthaltungen zu. Der Entwurf wird nun öffentlich ausgelegt und die Träger öffentliche Belange, wie zum Beispiel der Industrie- und Handelskammer (IHK) beteiligt. 

Nach Auswertung der Stellungnahmen, erfolgt die Beschlussfassung im Stadtrat. „Es bringt uns nicht heute oder morgen neue Händler nach Roßwein, aber es ist ein Nachweis darüber, welcher Handel in der Stadt stattfinden kann“, sagte der Bürgermeister.

Dass die Möglichkeiten der Ansiedlung eines größeren Geschäftes im Stadtzentrum so gut wie ausgeschlossen ist, ärgere auch ihn. Schon jahrelang habe sich die Kommune Gedanken darüber gemacht, einen Handelsmagnet in die Innenstadt zu bekommen. 

Unter anderem sei schon einmal mit dem vom Markt aus gesehen linksseitigen Bereich der Mühlstraße geliebäugelt worden. Wegen des großen Gefälles von zwölf Metern bis hin zur Gerbergasse schrecke dies aber die Investoren ab.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln