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Roßwein: Schmiedewerker sind kampfbereit

Die 110 Mitarbeiter wollen die Schließung des Werks nicht einfach hinnehmen. Auch die Gewerkschaft hat sich eingeschaltet.

Das Roßweiner Werk des Frauenthal-Konzerns soll zum Jahresende geschlossen werden. Das wollen die Mitarbeiter aber nicht kampflos hinnehmen.
Das Roßweiner Werk des Frauenthal-Konzerns soll zum Jahresende geschlossen werden. Das wollen die Mitarbeiter aber nicht kampflos hinnehmen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Schmiedewerker sind kampferprobt. Sie haben bereits vier Insolvenzen überstanden. „Wir werden es nicht zulassen, dass die Tür eines 110 Jahre alten Traditionsunternehmens einfach so zugeschlossen wird“, sagt Betriebsrat Hans-Joachim Porst.

Anfang des Monats war den 110 Beschäftigten des früheren Schmiedewerkes mitgeteilt worden, dass die heutige Frauenthal Powertrain GmbH zum 31. Dezember geschlossen werden soll (Sächsische.de berichtete). Inzwischen sei der Sozialplan fast fertig. „Aber damit geben wir uns nicht zufrieden“, so Porst.

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1,2 Millionen Euro Abfindung

Rund 1,2 Millionen Euro seien für die Abfindung der Mitarbeiter vorgesehen. Das reiche nicht. Denn es müsse dabei auch unterschieden werden, ob jemand fünf oder mehr als 30 Jahre in dem Unternehmen gearbeitet hat. „Wir wollen den Leuten einen ordentlichen Abgang verschaffen“, so Porst. „Wir sind kampfbereit.“

Das habe auch eine außerordentliche Versammlung in der vergangenen Woche gezeigt. Bei dem Treffen mit der IG Metall seien fast hundert Prozent der Beschäftigten anwesend gewesen, nicht nur jene, die gewerkschaftlich organisiert sind. Dort habe der Betriebsrat das Mandat an die IG Metall abgegeben. Sie werde die weiteren Verhandlungen mit der Geschäftsleitung führen.

An Schließung in Roßwein ist nicht zu rütteln

Zwischenzeitlich hat sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) während seines Besuchs in Österreich mit den Vorständen und Geschäftsführern in der Konzernzentrale von Frauenthal in Wien getroffen. „Der Termin war bereits vor den aktuellen Schließungsplänen vereinbart, nun aber umso wichtiger“, erklärt Jens Jungmann, Pressesprecher des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.

Das Unternehmen habe offengelegt, wie stark das Volumen der Produktion in Roßwein in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei. Inzwischen rechne sich das Werk nicht mehr. Bauteile für Verbrennungsmotoren würden auch in Zukunft immer weniger Absatz finden. Die Transformation in der Automobilindustrie treffe das Werk hart, Schmiedearbeiten würden in der bisherigen Art nicht mehr benötigt.

„An der Entscheidung, dass das Werk schließt, gibt es seitens der Firma aber kein Rütteln. Es ist deren unternehmerische Entscheidung. Ich verstehe, dass sich der Standort in Roßwein nicht halten lässt, wenn man dort ein Produkt fertigt, das nicht länger zukunftsfähig ist“, erklärte Wirtschaftsminister Martin Dulig nach dem Gespräch in Wien.

Regionale Firmen haben Interesse an Personal

Frauenthal habe dem Minister gegenüber noch einmal das Versprechen gegeben, im Sinne der Mitarbeiter Sozialplanverhandlungen mit Gewerkschaft und Betriebsrat zu führen. Geschäftsführer Amit Bedi habe erklärt, welche Anstrengungen Frauenthal in den kommenden Tagen und Wochen unternehmen werde, um die hochqualifizierten und motivierten Mitarbeiter des Werkes an andere Unternehmen in der Region zu vermitteln. Er mache sich dies zur persönlichen Aufgabe.

Am 22. September sind im Roßweiner Werk Bewerbungsgespräche mit einer Firma aus Großenhain geplant. Sie könnte 15 Beschäftigten einen neuen Arbeitsplatz bieten. Bisher hätten sich aber lediglich vier Mitarbeiter für ein solches Gespräch angemeldet. „Nach Bekanntwerden der Schließungspläne in Roßwein haben sich auch das Fliesenwerk in Leisnig und die Firma Horizon Global Germany aus Hartha gemeldet, die Interesse an Personal hätten“, so Betriebsrat Porst.

Freistaat bietet Unterstützung an

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Minister Dulig habe Frauenthal ausführlich Unterstützungsmöglichkeiten des Freistaates angeboten, wenn das Unternehmen am Standort Roßwein eine andere Art von Produktion oder unternehmerischer Tätigkeit planen sollte. „Die Firma versicherte, den Standort in Roßwein nicht aufgeben zu wollen, allerdings sei die Fortführung der bisherigen Produktion nicht möglich“, erklärt Jens Jungmann, Pressesprecher des Ministeriums. Frauenthal wolle die Unterstützungsangebote prüfen und sich in den kommenden Tagen mit der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) in Verbindung setzen.

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