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Spezialfolien aus Döbeln weltweit gefragt

Die Firma Kurz Typofol hat zwei neue Chefs. Katja Meißner und Ivo Kionka verraten ihre Pläne für das Döbelner Unternehmen.

Katja Meißner und Ivo Kionka sind die neuen Chefs bei Kurz Typofol in Döbeln.
Katja Meißner und Ivo Kionka sind die neuen Chefs bei Kurz Typofol in Döbeln. © Dietmar Thomas

Döbeln. Wer hat es nicht schon einmal gesucht – das kleingedruckte Haltbarkeitsdatum auf Verpackungen von Lebensmitteln oder auf Tablettenverpackungen. Gedruckt wird es meist mit Thermotransferfolie, die in der Kurz Typofol GmbH in Döbeln hergestellt wird. Kunststofffolien in verschiedenen Größen werden hier mit Lacken beschichtet, die von den Mitarbeitern des Unternehmens selbst produziert werden.

„Im Jahr stellt das Unternehmen etwa 100 Millionen Quadratmeter Thermotransferfolie her. Künftig sollen es noch mehr werden“, sagte Ivo Kionka. Er und Katja Meißner haben im Februar die Geschäftsführung des weltweit agierenden Unternehmens übernommen.

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Folien aus Döbeln müssen seewasserbständig sein

Die Nachfrage nach Thermotransferfolien sei während des Lockdowns massiv gestiegen, weil zum Beispiel viel mehr Lebensmittel in Verpackungen und mehr Medikamente verkauft worden seien. Auch zum Bedrucken der Corona-Selbsttests werden Thermotransferfolien benötigt. Hinzu kommen Nachfragen aus dem Onlinehandel, der ebenfalls seine Waren etikettieren muss.

„Da unsere Produkte in allen Bereichen der Industrie eingesetzt werden, in denen Etiketten notwendig sind, werden die Folien entsprechend dem Verwendungszweck beschichtet“, so Ivo Kionka. Es gebe einen großen Unterschied, ob eine Tablettenverpackung oder ein Ölfass ein Etikett bekomme.

Die Qualitäten seien deshalb je nach Einsatz und Forderung der Kunden sehr unterschiedlich. Sie müssen wischfest, zum Teil seewasserbeständig, fälschungssicher, temperaturbeständig oder resistent gegen Umwelteinflüsse sein.

Nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch ökologisch

„Unserer Thermotransferfolien werden unter anderem in der Lebensmittel- und auch in der Automobilindustrie zum Kennzeichnen von Teilen verwendet“, sagte der Geschäftsführer. Deshalb sei es unter anderem ein wichtiger und richtiger Schritt, dass im Werk in Döbeln ein Labor eingerichtet wird. So können die Zusammensetzungen der Materialien getestet und die Produkte gleich auf kurzem Weg vor Ort überprüft werden.

Der Vorteil der Thermotransferfolie gegenüber anderen Druckverfahren ist die Geschwindigkeit, mit der gedruckt werden kann. Als Beispiel nennt Kionka die Folie von Zigarettenstangen, die ein Etikett bekommen. Die Geschwindigkeit könne mit dem Auge fast nicht erfasst werden. Möglich machen das ein spezieller Drucker, das Etikettenmaterial und die Thermotransferfolie.

Dem Unternehmen liegt viel daran, dass nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch ökologisch sauber gearbeitet wird. Deshalb steht auf dem Betriebsgelände eine thermische Nachverbrennungsanlage. Die Abgase aus der Produktion werden verbrannt und die dabei entstehende Wärme wieder für die Produktion benötigt.

Stärkster Absatzmarkt: Deutschland und EU

Am Standort sind 90 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit sind es in der Leonard Kurz Stiftung & Co. KG 5.500. Weil die Nachfrage nach den Produkten steigt, der Markt dafür wächst und das Unternehmen einen weltweiten Produktaufbau plant, um seinen Marktanteil zu erweitern, werden für das Döbelner Werk Fachkräfte gesucht.

In der Produktion kann das Problem zurzeit über lokale Zeitarbeitsfirmen gelöst werden. Dringend gebraucht werden IT-Fachkräfte für die Entwicklungs- und Anwendungstechnik.

Seit kurzen gibt es ein neues Angebot für Kunden: Schleifenbänder nach Wunsch.
Seit kurzen gibt es ein neues Angebot für Kunden: Schleifenbänder nach Wunsch. © Dietmar Thomas
Michael Schulz arbeitet in der Döbelner Firma an der Umrollschneidmaschine.
Michael Schulz arbeitet in der Döbelner Firma an der Umrollschneidmaschine. © Dietmar Thomas
Die Firma Kurz Typofol in Döbeln existiert seit 30 Jahren. Nun gibt es neue Geschäftsführer.
Die Firma Kurz Typofol in Döbeln existiert seit 30 Jahren. Nun gibt es neue Geschäftsführer. © Dietmar Thomas

„Wir wollen das mittelständische Unternehmen in die Zukunft führen. Dafür benötigen wir entsprechendes Fachpersonal, auch im Einkauf und im Vertrieb“, so Katja Meißner. Da weltweit agiert wird und die Firma exportorientiert ist, seien neben einer guten fachlichen Ausbildung auch entsprechend Englisch-Sprachkenntnisse in Wort und Schrift notwendig. Schon das Bewerbungsgespräch werde in Teilen in Englisch geführt.

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„Unser stärkster Absatzmarkt sind Deutschland und die Europäische Union, aber unsere Produkte sind auch in China oder Brasilien gefragt. Deshalb ist eine saubere Kommunikation in Englisch bei uns unabdingbar“, so die Geschäftsführerin.

Damit sich junge Leute für das Unternehmen interessieren und sich die notwendigen Voraussetzungen aneignen, will sich Kurz Typofol noch mehr in der Öffentlichkeit als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Das ist ein Ziel der neuen Geschäftsleitung, die das Unternehmen zukunftsfähig gestalten will. Dass dieses Ziel realistisch ist, wissen die beiden Geschäftsführer, da beide schon mehr als 15 Jahre bei Kurz Typofol arbeiten.

Geschäftsleitung muss aus der Region kommen

Katja Meißner (40) hat die Leitung des Geschäftsfeldes Einkauf und allgemeine Verwaltung übernommen. Sie stammt aus der Region Dresden und ist Diplombetriebswirtin (BA).

Begonnen hat sie 2005 im Döbelner Unternehmen als Sachbearbeiterin Einkauf, war verantwortlich für den Zoll und den Versand, übernahm die Teamleitung und später die Leitung der Abteilung Einkauf und Versand.

Ivo Kionka (44) ist als Geschäftsführer für den Vertrieb und die Kundenbetreuung zuständig, hat bisher als Teamleiter und Verkaufsleiter gearbeitet und ist ebenfalls Diplombetriebswirt. „Es ist ein Novum, dass die Geschäftsleitung von Mitarbeitern übernommen wird, die nicht aus der Region kommen. Damit gehen die Inhaber der Firma, die Gebrüder Kurz, neue Wege“, sagte Katja Meißner.

Weil der ehemalige Geschäftsführer in den Ruhestand gegangen ist, seien die Inhaber mit der Bitte an sie herangetreten, sich um die Stelle zu bewerben. „Wir bekommen von dem familiengeführten Unternehmen eine gute Unterstützung“, so die neue Geschäftsleitung.

Neues Produkt: Schleifenbänder nach Kundenwunsch

In der Vergangenheit stellte sich das Unternehmen unter anderem auf Berufsausbildungsmessen vor, arbeitet im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft mit und hat auch Interessierte zur Woche der offenen Unternehmen empfangen. Ausgebildet werden Lacklaboranten.

Sie erhalten ihre Ausbildung im Verbund der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe in Dresden. Voraussetzung für diesen interessanten und anspruchsvollen Beruf sind unter anderem gute Noten in Chemie, Physik und Mathematik sowie handwerkliches Geschick und technisches Verständnis.

Die Lehre dauert 3,5 Jahre. Neu ist, dass auch im dualen Studium Wirtschaftsinformatiker ausgebildet werden. Schon jetzt werden sie benötigt. Wir wollen die Informationstechnik nutzen, um die Produktion und die Verwaltung effizienter zu gestalten“, sagte Katja Meißner.

Neue Ideen sind im Unternehmen immer gefragt. So gibt es jetzt als sogenanntes „Nebenprodukt“ eine Schleifenfee. Mithilfe eines kleinen Druckers, einer App, dem entsprechenden Schleifenband und der farbigen Thermotransferfolie können Schleifenbänder entsprechend Kundenwunsch ohne Wartezeit bedruckt und damit sehr vielfältig gestaltet werden. Jedes Schleifenband wird so zu einem Unikat.

30 Jahre Typofol

Die Firma Typofol Döbeln mit Sitz an der Sörmitzer Straße 6/7 ist im Jahr 1984 entstanden. Ihren Ursprung hat sie im Betrieb Typodruck Döbeln, zu dem mehrere kleine Druckereien und eine Betriebseinheit, die gummiertes Papier herstellte, gehörte. Rund 25 Mitarbeiter produzierten damals die vom Institut Manfred von Ardenne Dresden entwickelten Heißprägefolien.

Nach der Wende gab es mit der Übernahme des Betriebes durch die Leonhard Kurz OHG in Fürth am 1. Januar 1991 für die Mitarbeiter von Typodruck einen Neustart.

Durch den Zusammenschluss mit der weltweit anerkannten Kurz Gruppe im Jahre 1991, konnte das Döbelner Unternehmen seine internationale Ausrichtung weiter ausbauen.

Um die Verbindung zur KURZ Gruppe auch nach außen sichtbar zu machen, firmiert die Typofol Döbeln GmbH seit Mitte 2003 als Kurz Typofol GmbH.

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