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Verrückte Upcycling-Idee: Hochbeet aus Baugerüsten

Dirk Eckart und Walter Stuber bezeichnen sich selbst als „verrückte Unternehmer“. Etwas abgedreht klingt auch das aktuelle Projekt der Roßweiner.

Der Garten am Haus der Stubers ist ein grünes Refugium. Um dort Gemüse anzubauen, muss sich Burgunda Stuber nicht einmal bücken. Ihr Hochbeet besteht aus nicht mehr auf Baustellen verwendbaren Gerüstteilen. Dieses Modell gibt es jetzt auch zu kaufen.
Der Garten am Haus der Stubers ist ein grünes Refugium. Um dort Gemüse anzubauen, muss sich Burgunda Stuber nicht einmal bücken. Ihr Hochbeet besteht aus nicht mehr auf Baustellen verwendbaren Gerüstteilen. Dieses Modell gibt es jetzt auch zu kaufen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Wer denkt, dass nur Hochbeete aus (Paletten-)Holz nachhaltig sein können, den belehren Dirk Eckart und Walter Stuber, die Chefs der Gemeinhardt Service GmbH aus Roßwein, gern eines Besseren. Denn sie bieten jetzt ein Hochbeet aus Gerüst-Stahl an. Burgunda Stuber (60) gärtnert schon bald 20 Jahre in solch einem „Teil“ und ist total zufrieden.

Die Löcher und Ritzen, die sich in den Seitenelementen befinden, wirken auf den einen oder anderen zunächst befremdlich. Da könnte ja Erde rausfallen, so die ersten Überlegungen. Doch tatsächlich geht bei der Stahleinhausung wenig daneben. Das zumindest ist die Erfahrung von Burgunda Stuber.

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Allerdings wächst bei ihr die eine oder andere Pflanze durch die Löcher. Das stört sie nicht. Im Gegenteil. „Ich finde die zusätzliche Begrünung toll“, sagt die Leisnigerin. Denn in ihrem Garten muss nicht alles akkurat und nach Maßband wachsen und gedeihen.

Dieses Beet ist nicht kleinzukriegen

Das Hochbeet der Spezialgerüstbauer besteht – wie nicht anders zu erwarten – aus ausrangierten Gerüstteilen. „Wir sind ein von Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziertes Unternehmen“, sagt Geschäftsführer Eckart. „Uns ist es wichtig, Dinge nicht einfach wegzuwerfen.“

Genauso sieht es auch mit den Gerüstteilen aus, die die Spezialgerüstbauer nicht mehr im täglichen Geschäft nutzen. „Diese einfach im Schrott zu entsorgen, ist viel zu schade“, so Eckart. „Qualitätsgerüste – in unserem Fall von der Firma Layher – sind aus unkaputtbarem Stahl gefertigt. Deshalb haben wir uns eine besondere Form des Upcyclings überlegt“, sagt der Geschäftsmann.

Upcycling liegt gerade genauso im Trend wie das Gärtnern. Denn nach der Philosophie, nicht alles gleich wegzuschmeißen, sondern auch mal zweckentfremdet weiterzunutzen, handeln in der deutschen Wegwerfgesellschaft immer mehr Menschen beinahe aller Generationen.

„Neu“ sieht das Hochbeet aus Gerüst-Stahl so aus wie auf diesem Foto.
„Neu“ sieht das Hochbeet aus Gerüst-Stahl so aus wie auf diesem Foto. © Paul Hucher

Und das Gärtnern ist mit der Pandemie auf die Hitliste der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen zurückgekehrt. Denn wo anders konnten sich Familien während des Lockdowns unbeschwert bewegen und zugleich noch gesundes Obst und Gemüse anbauen? Das fällt mit Hochbeeten unumstritten leichter. Rückenschmerzen nach der Gartenarbeit im Gemüsebeet kennt Burgunda Stuber so gut wie gar nicht.

Das in Leisnig über Jahre erprobte Hochbeet bieten die Roßweiner Gerüstbauer nun als Standard-Ausführung in 2,85 Metern Länge, 1,33 Metern Breite und knapp einem Meter Höhe an. Die Kosten liegen bereits im vierstelligen Bereich, wobei fast ein Fünftel der kalkulierten Kosten auf Verpackung und Versand entfällt.

Auch als Komposteinfassung gut geeignet

Bei Kunden aus der Region könnte der Versandanteil schmelzen. „Da würden wir es unter Umständen selbst vorbeibringen“, stellt Geschäftsführer Walter Stuber in Aussicht. Auch andere Beetmaße stellen die Gerüstbauer auf Wunsch her.

Dass diese Art Beet angesichts des eingesetzten Stahls etwas schwerer ist als Modelle aus Holz oder Plastik, ist nicht von der Hand zu weisen. Dafür soll die Montage Dirk Eckart zufolge relativ leicht sei. Zwei Personen könnten den Aufbau mühelos in 20 bis 30 Minuten bewältigen. Als Werkzeug genügten zwei Schraubenschlüssel.

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Und noch einen Vorteil gibt es nach den Worten des Geschäftsführers: „Der Stahl ist verzinkt und somit noch mindestens 30 Jahre verwendbar, wenn nicht sogar länger. Mit unseren besonderen Hochbeeten werden Hobbygärtner also sehr lange Freude haben.“

Nachhaltigkeit ist bei den Gemeinhardts ein wichtiges Thema: „Die Zukunft wartet – und wir helfen mit, dass es eine gute Zukunft wird“, so die Chefs des Roßweiner Gerüstbaubetriebes. In diesem Sinne kommt auch bei Familie Stuber der anfallende Bio-Müll nicht in die Tonne, sondern auf Komposthaufen. Die ähneln dem Hochbeet und sind in der Übergangszeit, also wenn der Kompost „reift“, auch durchaus mit Kartoffeln, Gurken oder Zucchini-Pflanzen bestückt.

Das Wirtschaftsmodell

  • Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist eine 2010 von Österreich, Bayern und Südtirol aus gestartete Wirtschaftsreformbewegung.
  • Sie möchte das Wirtschaften grundlegend auf das demokratisch definierte Gemeinwohl ausrichten.
  • Sie stellt als Wirtschaftsmodell das Gemeinwohl, Kooperation und Gemeinwesen in den Vordergrund.
  • Auch Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind Werte der Gemeinwohl-Ökonomie. Quelle: Wikipedia

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