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Wie aus Konkurrenten Partner werden

Zufällig begegnen sich zwei Seifen-Händler aus Marbach und Mittweida mit ähnlichem Angebot. Während der Corona-Pandemie kreieren sie gemeinsam ein Produkt.

Madlen Seigerschmidt von der Firma „Essskulptur und Seifenstück“ in Mittweida kommt oft zu Daniel Zimmermann in die Firma „Frische erleben“ nach Marbach. Dort stellen sie gemeinsam Naturseife her.
Madlen Seigerschmidt von der Firma „Essskulptur und Seifenstück“ in Mittweida kommt oft zu Daniel Zimmermann in die Firma „Frische erleben“ nach Marbach. Dort stellen sie gemeinsam Naturseife her. © Dietmar Thomas

Marbach/Mittweida. Sie kannten sich nicht und standen sich plötzlich als Händler auf dem Bauernmarkt in Klosterbuch gegenüber – mit fast demselben Sortiment: die Firma „Frische erleben“ aus Marbach mit Seifen in vielen Farben und Formen und die Firma „Essskulptur und Seifenstück“ aus Mittweida mit geschnitzten Seifen.

Eine Zeit lang hätten sie sich nicht aus den Augen gelassen, beobachtet, was der Andere tut. „Man denkt, man ist der Platzhirsch auf dem Markt und dann steht gegenüber die Konkurrenz“, sagt Daniel Zimmermann von „Frische erleben“.

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Heute lacht er über diese erste Begegnung. „Ich bin dann irgendwann auf ihn zugegangen, wollte seine Seife ausprobieren. Beim nächsten Mal hat er ein Testpaket mitgebracht“, ergänzt Madlen Seigerschmidt, Inhaberin der Firma „Essskulptur“. Und von den Marbacher Seifen sei sie fasziniert gewesen.

Inzwischen sind aus den scheinbaren Konkurrenten Geschäftspartner und Freunde geworden. Die halbrunde Seife zum Schnitzen bezieht Madlen Seigerschmidt jetzt über Daniel Zimmermann aus Lettland. Anfangs entstand aus den Rohlingen nur eine Rose. „Inzwischen sind es über 50 Blumenmotive“, sagt die 47-Jährige. Sie nennt sie Gute-Laune-Seife und verspricht zwölf Monate Duft.

Naturseife aus Marbach mit Ölen aus Gadewitz

Während der Pandemie, „in der wir viel Zeit hatten“, ist eine neue Idee entstanden. Die Mittweidaerin hat gemeinsam mit dem Marbacher eine Naturseife kreiert, die bei „Frische erleben“ hergestellt wird.

In der Seife sind fünf Öle verarbeitet. „Das Sonnenblumen-, Raps- und Mohnöl kommt aus der Ölmühle Gadewitz, das Olivenöl aus Griechenland und das Kokosöl von einem Kleinbauern in Indonesien“, erklärt Zimmermann.

Zu Letzterem hat er über Nicolas Sihombing von Kaffee Batavia in Döbeln Kontakt geknüpft und den Bauern auch selbst besucht, um sich die Herstellung des Öls vor Ort anzusehen. Das Kokosöl werde auch gemeinsam mit dem Kaffee aus Indonesien geliefert.

Bisher gibt es die Naturseife mit zwei Motiven: dem Wasserturm in Mittweida (Foto) und Maskottchen Karlo.
Bisher gibt es die Naturseife mit zwei Motiven: dem Wasserturm in Mittweida (Foto) und Maskottchen Karlo. © Dietmar Thomas

Für die Herstellung der Seife kommt Madlen Seigerschmidt regelmäßig nach Marbach. Mit Vor- und Nachbereitung entstehen in rund drei Stunden 110 Stück Seife. „Sie werden kaltgerührt, sodass die Inhaltsstoffe zu hundert Prozent erhalten bleiben“, erklärt Zimmermann.

Die Seifen sind dann aber noch nicht verkaufsfertig. Sie sind sehr weich und müssen noch sechs Wochen lagern. In dieser Zeit verpasst ihnen Madlen Seigerschmidt ganz spezielle Stempel. Der eine zeigt den Wasserturm in Mittweida, der andere Karlo, das Maskottchen des Mittelsachsenshops im Internet, in dem die beiden Firmen ihre Produkte ebenfalls anbieten.

Aus "talentfrei" wird gefragte Food-Artistin

Die Motive zieren dieselbe Art Seife. Zwei weitere sind in Vorbereitung. Die Rezeptur befindet sich bereits zur Genehmigung im Labor. „In Deutschland muss alles zertifiziert werden“, so Zimmermann. Und deshalb wird es noch eine Weile dauern, bis die Seife auf den Markt kommt.

Denn das Labor hat sein Veto eingelegt. In der Mischung ist die Konzentration des Citrats zu hoch. Die beiden Seifenhersteller müssen nachbessern. Diese Seife mit dem Duft von Lemongras bekommt die Burg Kriebstein als Motiv und soll auch dort angeboten werden. Zudem sei noch eine Fliederseife mit einem Zschopaublick geplant.

Aus halbrunden Seifen werden verschiedene Blumenmotive geschnitzt.
Aus halbrunden Seifen werden verschiedene Blumenmotive geschnitzt. © Uwe Meinhold

Dass sie einmal mit Seife erfolgreich sein würde, hätte Madlen Seigerschmidt vor einigen Jahren noch nicht einmal geahnt. Aus der Gastronomie kommend, habe sie nach der Geburt des dritten Kindes nach einer beruflichen Alternative gesucht.

Im Internet sei sie auf das das Schnitzen von Obst und Gemüse gestoßen. „Ich habe mein letztes Geld zusammengekratzt und beim Weltmeister im Gemüse- und Früchteschnitzen Xiang Wang in Sangerhausen einen Kurs belegt.

Die Abschiedsworte des Meisters hätten gelautet: „Du bist talentfrei.“ Ihrem Mann habe sie gesagt, das Schnitzen habe Zukunft, sie müsse aber noch etwas trainieren. Das habe sie getan und sei heute bei größeren Veranstaltungen eine gefragte Food-Artistin.

Zweitjob im Corona-Impfzentrum

Auf den regionalen Märkten sei ihre geschnitzten Melonen damals Ladenhüter gewesen. Deshalb habe sie einen Versuch mit Seife unternommen. Das habe funktioniert.

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Heute stehen die Marbacher und Mittweidaer Firma nur noch auf der Insel Frauenhain gemeinsam auf dem Markt. Ansonsten unterstützen sie sich gegenseitig. Im Schloss Klaffenbach biete Madlen Seigerschmidt zum Beispiel die Seife von Daniel Zimmermann mit an.

Eine Pause gönnt sich die Mittweidaerin kaum. Vier Tage pro Woche steht sie im eigenen Laden, auf Märkten oder gibt Schnitzkurse. An den restlichen drei Tagen arbeitet sie im Impfzentrum.

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