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Wo Schnitzel und Soljanka die Renner waren

Steffi Georgi muss ihren Imbiss im Waldheimer Gewerbegebiet aufgeben. Dieser Schritt fällt ihr alles andere als leicht.

Ihren Imbiss an der Landsberger Straße im Waldheimer Gewerbegebiet hat Steffi Georgi für immer zugeschlossen. In der ehemaligen Autowaschanlage hatte sie nach deren Umbau 19 Jahre lang die Gäste mit Speisen und Getränken verwöhnt.
Ihren Imbiss an der Landsberger Straße im Waldheimer Gewerbegebiet hat Steffi Georgi für immer zugeschlossen. In der ehemaligen Autowaschanlage hatte sie nach deren Umbau 19 Jahre lang die Gäste mit Speisen und Getränken verwöhnt. © Dietmar Thomas

Waldheim. Es sind vor allem gesundheitliche Gründe, die die Harthaerin dazu zwingen, die Reißleine zu ziehen. Insgesamt 19 Jahre hat sie den Imbiss an der Landsberger Straße im Waldheimer Gewerbegebiet bewirtschaftet und zahllose Kunden mit Essen versorgt. „Immer mit einem starken Team im Rücken, auf das ich mich jederzeit verlassen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar“, so Steffi Georgi.

Jetzt muss sie das alles aufgeben. Zum 30. Juni ist endgültig Schluss. Die 62-Jährige leidet an Multipler Sklerose. Ein Vollzeit-Job sei nicht mehr drin, sagt sie. Hinzu kam am ersten Tag dieses Jahres ein Schicksalsschlag: Steffi Georgis Ehemann starb an einer Corona-Infektion. „Er hatte mehrere Vorerkrankungen. Aber das macht es nicht leichter“, so Steffi Georgi.

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Ihren Imbiss in Waldheim musste sie bereits Anfang November vergangenen Jahres schließen. „Wegen Corona durften wir wie alle Gaststätten keine Gäste mehr bewirten. Die Außengastronomie oder Essen zum Mitnehmen anzubieten, hätte sich nicht gelohnt“, sagt die 62-Jährige.

Gekocht wurde in Waldheim nach Omas Rezept

Es sind aber trotzdem nur gute Erinnerungen, die Steffi Georgi mitnimmt, auch wenn die ersten beiden Jahre als Imbissbetreiberin in Waldheim für sie nicht einfach waren. Das Angebot musste sich erst herumsprechen. Schließlich habe sie die Stammkunden mit ihrer Hausmannskost überzeugen können. Und auch die zahlreiche Laufkundschaft ließ es sich in dem Imbiss gerne schmecken.

„Es gab täglich ein anderes Mittagsangebot nach Omas oder Opas Rezept“, so die 62-Jährige, die seit vielen Jahren in Hartha wohnt. Aber auch das sogenannte Standardangebot, das quasi jederzeit verfügbar war, war bei den Kunden gefragt.

Spaghetti, Kartoffel- oder Nudelsalat, Kartoffeln, Beefsteak, Roster, Rauchwurst oder Jägerschnitzel gehörten dazu. „Besonders beliebt waren die selbst gekochte Soljanka oder Schnitzel mit zwei Spiegeleiern auf Brot“, erzählt Steffi Georgi. Dienstags war immer Eintopftag. Da habe sie auch des Öfteren mal Flecke gekocht. „Darauf haben sich die Kunden immer sehr gefreut“, erzählt sie.

Imbiss in der Waschanlage entstanden

Angefangen hatte alles, als die Firma Endress & Hauser im Gewerbegebiet ihre Produktionsstätte errichtete. „Ich habe damals mit dem Imbisswagen etwa ein halbes Jahr die Arbeiter mit Essen versorgt“, so Steffi Georgi. Dann musste sie den Standort verlassen und schaute sich nach etwas Neuem um.

Schließlich hatte sie die Idee, den Imbisswagen in eine ehemalige Autowaschanlage einzubauen. „Das haben wir dann auch so umgesetzt. Die bürokratischen Hürden waren immens, aber auch das haben wir gemeistert“, so die Harthaerin.

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Sie richtete insgesamt 25 Sitzplätze im Innenbereich ein. Und auch die überdachte Sommerterrasse wurde von den Gästen gerne genutzt. Eine Besonderheit war nicht nur der Imbiss in der Autowaschanlage, sondern auch die Dekoration darin. „Wir haben viel DDR-Deko gehabt, etwa eine FDJ-Fahne oder typisches DDR-Geschirr“, so die 62-Jährige. „Viele Gäste fanden das lustig.“

"Ein Los im Kloß" als Gewinnspiel

Gern denkt sie auch noch an die vielen Preisausschreiben zurück, die sie mit ihrem Team organisiert hat. „Zu Ostern und Weihnachten gab es immer eine große Tombola mit vielen Preisen. „Die habe ich selber gekauft, aber auch große Unterstützung von Sponsoren bekommen“, sagt sie.

Auch die Aktion „Ein Los im Kloß“ sei bei den Gästen gut angekommen, bei der in jedem Kloßgericht ein Zettel mit einer Losnummer oder manchmal auch einer Niete versteckt war.

Die Gastronomie hat Steffi Georgi von der Pike auf gelernt. Die gebürtige Erzgebirgerin absolvierte in Oberwiesenthal eine Ausbildung zur Kellnerin, später zur Köchin. In die Region kam sie mit ihrem Ehemann, weil das Paar in der Region eine Gaststätte übernehmen wollte.

Der Plan ging nicht auf. In Hartha geblieben sind sie trotzdem. Von 1993 bis 2008 bewirtschaftete Steffi Georgi die Gartengaststätte „Erholung“ in Hartha, im Volksmund „Gurke“ genannt.

In der Gastronomie wird es für die 62-Jährige auch weitergehen. Die Hände in den Schoß legen, das ist nichts für Steffi Georgi. Und so werden die Gäste sie demnächst im Harthaer Schlemmerstübchen wiedersehen, wo sie stundenweise tätig sein wird.

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