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Zu schneller Start in den Förderschulen

Mitarbeiter des DRK testen Schüler und Lehrer. Doch andere Vorgaben sind nur schwer umsetzbar.

Die Schüler der Klasse 9b, die bald Abschlussprüfungen absolvieren müssen, lernen schon länger wieder an der Schlossbergschule in Döbeln. Den Informatikunterricht hält Dirk Polster.
Die Schüler der Klasse 9b, die bald Abschlussprüfungen absolvieren müssen, lernen schon länger wieder an der Schlossbergschule in Döbeln. Den Informatikunterricht hält Dirk Polster. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Sie freuen sich, dass die Mädchen und Jungen ab Mittwoch wieder zurück in den Klassenzimmern sind. Darin sind sich die Schulleiter und Lehrer der Förderschulen in der Region Döbeln einig. Es gibt jedoch ein großes „Aber“.

Schlossbergschule Döbeln: Bis Ostern erfolgt eine Leistungsanalyse

„Die Kurzfristigkeit hat uns kalt erwischt“, sagt Dagmar Dettke, Schulleiterin der Schlossbergschule Döbeln. Am Mittwoch vergangener Woche hieß es noch, dass die Schüler vor den Osterferien zum Präsenzunterricht zurückkehren. Ab Donnerstagabend hatten die Schulen plötzlich nur noch fünf Tage Vorbereitungszeit, zu denen auch noch ein Wochenende gehörte.

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In der Schlossbergschule besteht zudem ein weiteres Problem. Ausgerechnet jetzt hat sich eine Lehrerin im privaten Bereich mit Corona infiziert. Deshalb sind auch drei weitere Lehrkräfte und eine kleine Gruppe von Neuntklässlern in Quarantäne. „Wenn niemand mehr ausfällt, können wir den Neustart gerade so stemmen“, meint die Schulleiterin.

Jedoch nicht in vollem Umfang. Die achte Klasse werde zeitversetzt unterrichtet. Die eine Hälfte in den ersten beiden Schulstunden, die andere Hälfte in der dritten und vierten Stunde. Für die jeweils anderen beiden Stunden erhalten die Schüler Aufgaben.

Die Klassen sollen in kleinen Gruppen von maximal zehn Schülern unterrichtet werden. So die Vorgabe. „Die Politik geht von falschen Voraussetzungen aus“, meint Dagmar Dettke. „Die Klassen sind randvoll.“ In der Oberstufe seien es zwischen 15 und 18 Schüler. Zudem sei das Lehrerzimmer viel zu klein.

Unklarheit bei Selbsttests

In der nächsten Zeit bleibe voraussichtlich einiges auf der Strecke. Und manche Vorgabe widerspreche sich. So sollen die Schüler in festen Gruppen mit festen Bezugspersonen in festen Räumen unterrichtet werden. Sie dürfen aber auch zum Fachunterricht in die Fachkabinette.

Bis Ostern werde eine Leistungsanalyse der Mädchen und Jungen erfolgen, die auch die Gelegenheit bekommen sollen, über ihre Probleme zu sprechen. Schrittweise werde parallel mit dem Fachunterricht begonnen. „Ob wir dann nach Ostern mit dem regulären Stundenplan weitermachen, wissen wir heute noch nicht“, so die Schulleiterin.

Zurückgerudert ist die Politik inzwischen bei den Coronatests. Ursprünglich sollten die ab der fünften Klasse erfolgen. Jetzt sind sie ab der siebten Klasse vorgesehen. Am Freitagfrüh werden dazu Mitarbeiter des DRK Döbeln-Hainichen die Schule besuchen. „Am Mittwoch wäre der Test noch gar nicht möglich gewesen, weil uns die Einverständniserklärung der Eltern fehlt, die wir den Kindern erst am Mittwoch mitgeben können“, sagt Dagmar Dettke.

In dieser Woche sind die Tests freiwillig. Verpflichtend werden sie mit den Selbsttests, die die Lehrer zweimal und die Schüler einmal pro Woche durchführen müssen. Allerdings ist noch unklar, wann und woher die Tests kommen und um welche Art es sich handelt.

Um die Schüler bei den Tests unterstützen zu können, wollte Dagmar Dettke beim DRK einen entsprechenden Kurs belegen. Als sie beim Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) nach der Finanzierung fragte, erfuhr sie, dass sie aus Gründen der Versicherung Schüler nicht testen dürfe.

Regenbogenschule Döbeln: Ein neuer Stundenplan zum Neustart

Nach dem Unterricht der Unterstufe und der Kinder in der Notbetreuung hat Heike Becker, die Leiterin der Regenbogenschule Döbeln, einen komplett neuen Stundenplan erstellt. Die Schüler werden mit dem Fahrdienst gebracht und Klassenweise von einer festen Bezugsperson unterrichtet.

Auch die Fachlehrer wurden einzelnen Klassen zugeteilt. Da es in der Schule keine Hortbetreuung gibt, bleiben die Schüler bis zum Nachmittag in den Gruppen zusammen. „Wir sind glücklich, dass kein Kollege krank ist“, meint Heike Becker.

Die Erfahrung, die sie mit den Kindern der Unterstufe gemacht hat, erwartet die Schulleiterin auch für alle, die nun wiederkommen: „Die Schüler sind sehr individuell. Bei den einen ist es, als wären sie nie weggewesen. Andere müssen sich erst wieder an gewisse Regeln gewöhnen.“

Die Einverständniserklärung für den Coronatest haben die Kinder bereits vor Weihnachten mit nach Hause genommen. „Und das war gut so“, meint Heike Becker. In der Hoffnung, dass die Kinder das Formular alle dabei haben, kommt das DRK gleich am ersten Schultag zum Testen.

Als spannend bezeichnet die Schulleiterin, wie es mit den Selbsttests weitergeht. Auch hier steht die Frage: Welche Tests kommen wann, woher? Heike Becker hofft, dass die Schüler mit Unterstützung der Lehrer in der Lage sind, diese Tests auch wirklich selbst durchzuführen.

Lernförderschule Waldheim: Tests müssen beim Lasub abgeholt werden

„Wir können nicht nachvollziehen, weshalb wir das Wechselmodell nicht anwenden dürfen“, sagt Heiko Felgener, Schulleiter der Lernförderschule Waldheim. Die Schule habe kleine Räume. Nur in der ersten und zweiten Klasse seien so wenige Schüler, dass sie in den vergangenen Wochen im Klassenverband unterrichtet wurden.

Die dritte und vierte Klasse wurden jeweils in zwei feste Gruppen geteilt. „Wir haben Laufwege festgelegt und es gab getrennte Hofpausen. Das Hygienekonzept wurde akribisch umgesetzt und hat funktioniert. Und jetzt wird wieder alles über den Haufen geworfen“, sagt Felgener.

Denn in den höheren Klassen lernen zwischen 12 bis 16 Schüler. Räumlich ist eine Trennung nicht möglich. Der Schulleiter hätte sich ein wenig mehr Zeit bis zur Öffnung der Förderschulen und eine Strategie gewünscht, die nachvollziehbarer ist. Die Klassen werden erst einmal vier Stunden pro Tag unterrichtet. „Wir warten die Ergebnisse ab und entscheiden dann weiter“, sagt der Schulleiter.

Auch in Waldheim testet das DRK am Mittwoch die Siebt- bis Neuntklässler. Allerdings musste die Schule die Tests selbst beim Lasub in Chemnitz abholen. Netterweise habe der Hausmeister einer anderen Schule den Waldheimern ihre Tests gleich mitgebracht, so Felgener. In Bezug auf die Selbsttests ist er, wie alle anderen, im Moment noch ratlos.

Lernförderschule „Albert Schweitzer“ Roßwein: Noch viele Fragen offen

„Wir arbeiten schon lange nicht mehr nach dem Stundenplan. Nur bei einem Wechselmodell hätten wir ihn beibehalten“, erklärt Andrea Gründel, Schulleiterin der Lernförderschule „Albert Schweitzer“ in Roßwein. Deutsch, Mathematik und Englisch gehören zu den Fächern, die jetzt vorwiegend unterrichtet werden. Denn in ihnen erfolgen später Prüfungen. Dies sei auch mit den Elternvertretern abgesprochen.

Die Zimmer in Roßwein sind verhältnismäßig klein und, außer in der ersten Klasse, gehören zu jeder anderen mehr als die vorgegebenen zehn Schüler. In den unteren Stufen werde es Klassenleiterunterricht geben. „In den großen Klassen wechselt der Lehrer durch den Fachunterricht auch mal“, meint die Schulleiterin.

Der Neustart sei mit einer „unwahrscheinlichen Planung“ in extrem kurzer Zeit verbunden gewesen. Das betrifft nicht nur den Unterricht. Viele Kinder werden aufgrund ihres Wohnortes oder eines ärztlichen Gutachtens mit Taxen gebracht und wieder abgeholt. „Das sind viele Touren. Die müssen koordiniert werden“, so Andrea Gründel. Zudem werden die Hofpausen gestaffelt, ebenso wie das Mittagessen, und die Aufsichten der Lehrer anders geplant.

„Es gibt noch viele offenen Fragen“, meint Andrea Gründel. Das DRK teste am Mittwoch. Die Einwilligung der Eltern habe die Schule bereits vor einigen Wochen abgefragt, die Erklärung dazu aber auch auf die Schulhomepage gestellt. In Bezug auf die Selbsttests gibt es auch in der Roßweiner Förderschule ein großes Fragezeichen.

Diagnostik auf der Strecke geblieben

Das steht auch in Bezug auf die sogenannte Diagnostik. Einige Lehrer haben die Ausbildung, Kinder zu überprüfen, die möglicherweise eine Lernschwäche haben. Dazu müssen sie diese Kinder über einen längeren Zeitraum beobachten und ein Gutachten schreiben, in dem festgestellt wird, ob das Kind einen Förderschwerpunkt hat oder nicht. „Wir haben aufgrund des Lockdowns viele Diagnostikanmeldungen. Die müssen alle abgearbeitet werden“, erklärt die Schulleiterin.

In allen Lernförderschulen herrscht eine gewisse Unsicherheit. Die Vorgaben der Politik sind teilweise zu unkonkret. „Man weiß nicht, ob man das, was man macht, auch richtig macht“, meint einer der Schulleiter. Positiv: In allen Schulen ist ein großer Teil der Lehrer bereits zum ersten Mal geimpft oder hat einen Termin für diese Impfung. Denn die Pädagogen stehen seit der letzten Änderung mit auf der Prioritätenliste für die Immunisierung.

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