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Döbeln: Zustellerin soll Pakete unterschlagen haben

Mehrere Pakete sind nicht bei den Empfängern angekommen. Der Verbleib ist nicht geklärt.

Eine 27-Jährige aus Roßwein soll Pakete unterschlagen haben. Das Amtsgericht konnte ihr das nicht nachweisen.
Eine 27-Jährige aus Roßwein soll Pakete unterschlagen haben. Das Amtsgericht konnte ihr das nicht nachweisen. © Symbolfoto: dpa

Roßwein/Leisnig/Döbeln. Die 27-jährige Angeklagte ist sichtlich aufgeregt, als die Staatsanwältin im Döbelner Amtsgericht die Anklage vorliest. Fünfmal soll sie über einen Zeitraum von etwa neun Monaten, in dem sie bei einem für den Hermes-Versand tätigen Transportunternehmen in Leisnig gearbeitet hat, Pakete nicht an die Adressaten in Döbeln und Hartha zugestellt haben.

Die Pakete habe sie stattdessen an einem unbekannten Ort abgelegt oder den Inhalt für sich behalten, hieß es weiter. Dabei handelte es sich um Lieferungen von Bekleidung, wie Pullis, Hosen, Jacken sowie Schuhe und eine Handtasche. Geliefert wurden sie von Anbietern wie About You, Sport-Scheck, QVC-Handel und Creation L.

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Die Kunden erhielten alle eine Benachrichtigung, dass ihr Paket zugestellt worden sei. Bekommen haben sie allerdings nichts, sagten sie als Zeugen übereinstimmend aus. Das Geld sei ihnen inzwischen von den Online-Händlern zurückerstattet worden oder aber sie mussten den Rechnungsbetrag gar nicht erst überweisen.

Der Chef muss für den Schaden aufkommen

So glimpflich kommt allerdings der Zustelldienst nicht davon. Da nachgewiesen werden konnte, dass die Pakete im Depot des Zustelldienstes eingegangen sind, wurde der Chef von den Händlern zur Begleichung des Schadens aufgefordert.

„Die Zusteller haben alle eine Nummer, die bei der Verteilung der Pakete im Depot gescannt wird. Bei der Angeklagten hat es mehrmals Unregelmäßigkeiten gegeben“, sagte der Chef aus. Deshalb habe er ihr schließlich gekündigt. Die Rechnungsbeträge in Höhe von insgesamt rund 972 Euro wollte er sich nun von der Angeklagten zurückholen.

Fehler beim Scannen sind möglich

Die Sendungen würden im Depot grob sortiert, gescannt und dann auf die einzelnen Boten verteilt und von ihnen erneut gescannt. Fehler könnten dabei passieren, räumte der Transport-Unternehmer ein. „Es kann sein, dass mal ein Paket durchrutscht oder ein anderer Zusteller das Paket auf dem Auto hat. Das können wir dann manuell nachbessern“, sagte er.

 Erst bei der Übergabe des Paketes an den Kunden, die er mit seiner Unterschrift bestätigt, gelte die Sendung als zugestellt. Die Zeugen konnten die Unterschriften auf den Zustellnachweisen allerdings nicht als ihre identifizieren.

Drei der fünf Zeugen sagten aus, dass bei ihnen bislang ausschließlich Männer Hermes-Pakete zugestellt hätten. Bei einer Döbelnerin hatte sich sogar noch männlicher Zusteller gemeldet und gesagt, dass er sicher sei, das Paket einem Nachbarn übergeben zu haben. Die Zustellnummer war aber die der Angeklagten. Eine andere Zeugin sagte, dass sie mit der Roßweinerin zur Schule gegangen sei, sie aber keinen Kontakt mehr haben. Auch eines ihrer Pakete kam nicht an.

Verdacht hat sich nicht erhärtet

Alle diese Umstände führten schließlich dazu, dass die Staatsanwältin auf Freispruch plädierte. „Der Verdacht, dass sie die Pakete nicht zugestellt und die Unterschriften gefälscht hat, konnte sich hier nicht erhärten“, sagte sie. Auch die Aussage des früheren Chefs der Angeklagten habe dazu nicht beigetragen können. Überdies sei es nicht ganz ungewöhnlich, dass Pakete verschwinden. „Manchmal werden sie ja auch vor der Tür abgelegt.“

Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich hat dem nicht viel hinzuzufügen. „Bei der Zustellfirma ging wohl einiges drunter und drüber“, sagte er. Er gab zudem zu bedenken, dass seine Mandantin während ihrer Anstellung etwa 20.000 Pakete ordnungsgemäß geliefert habe.

Diese Ansicht vertrat auch Richter Janko Ehrlich. „Die Tournachweise mit den Zustellernummern sind wohl unzuverlässig.“ Und zur Angeklagten sagte er: „Sie würden ja sozusagen die Katze im Sack klauen.“ Es sei unwahrscheinlich, dass jemand Pakete mit Bekleidung unterschlägt, „zum einen, weil man nicht weiß, ob einem die Kleidung überhaupt passt und gefällt und zum anderen, weil der Verkauf über das Internet eher mühsam ist.“

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