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Döbelner schreibt Geschichte

Trotz Seitenstechen gewinnt Martin Schulz Paralympics-Gold. Der Triathlet aus Döbeln denkt im Triumph an einen Kollegen.

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© dpa

Von Thomas Niklaus

Döbeln. In der Stunde seines größten Triumphes dachte Martin Schulz mit Tränen in den Augen an seinen todkranken Kollegen Markus Häusling. „Markus, das ist auch für dich. Er wäre auch gerne hier gewesen. Die Gedanken waren bei ihm“, sagte der 26 Jahre alte Triathlet, der seine familiären Wurzeln in Döbeln hat und Ehrenmitglied des Schwimmvereins 05 ist. Der in Leipzig lebende Vielseitigkeits-Spezialist war sichtlich berührt, nachdem ihm mit Gold bei der Triathlon-Premiere im paralympischen Sport Historisches gelungen war.

Gut gelaufen. Martin Schulz verließ das Wasser als Vierter.
Gut gelaufen. Martin Schulz verließ das Wasser als Vierter. © Kay Nietfeld/dpa
Megaschwerer Lauf. Der Döbelner siegt mit Seitenstechen.
Megaschwerer Lauf. Der Döbelner siegt mit Seitenstechen. © Kay Nietfeld/dpa
Auf dem Rad lieferte der Sachse das Rennen seines Lebens.
Auf dem Rad lieferte der Sachse das Rennen seines Lebens. © Kay Nietfeld/dpa

Häusling hätte in Rio ebenfalls starten sollen, doch für den 45-Jährigen geht es nach der Diagnose ALS nur noch darum, überhaupt am Leben zu bleiben. Deshalb freute sich Schulz nach dem Rennen seines Lebens besonders über die Gratulation per SMS von seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen. Nach Rio will der Paralympicssieger seinen Ex-Gefährten besuchen: „Ich werde ihm die Medaille zeigen. Da steckt auch ein Stück Markus mit drin.“

Es war der Tag großer Emotionen. Schulz konnte sein Glück kaum fassen, als er völlig erschöpft hinter der Ziellinie zusammengebrochen war. „Das war immer mein Traum, das ist unbeschreiblich, ich werde noch Wochen dafür brauchen, um das zu realisieren. Unglaublich“, sagte Schulz. In 1:02:37 Stunden triumphierte der dreimalige Weltmeister im Sprint der Klasse PT4 über 750 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen vor dem Kanadier Daniel Stefan (1:03:05).

Währendessen freute sich in Döbeln Schulz-Vater Christian Heil. „Man kann darauf nur stolz sein, dass sich Martin für den ganzen Aufwand, für die Entbehrungen mit diesem Titel belohnt hat“, sagte er dem Döbelner Anzeiger. „Als er im Ziel war, hatte ich schon feuchte Augen, da muss man sich nichts vormachen.“ Und auch Martins erste Trainerin Simone Jentzsch zeigte sich sichtlich gerührt: „Ich hatte ihm vorm Start beste Wünsche geschickt und danach natürlich auch.“ Dabei hatte die Vereinsvorsitzende des SV 05 Döbeln ein komisches Gefühl. Wohl auch, weil im Vorjahr ein Radschaden den Weltmeistertitel gekostet hatte. Umso mehr freute sie sich, dass es geklappt hat und so wünscht sie ihm nun noch ein paar schöne Tage in Rio.

Die haben für den Sachsen mit einem triumphalen Empfang im deutschen Haus bereits begonnen. Dort genoss Schulz einen Caipirinha. Er hätte in den vergangenen Jahren „sportlich alles geopfert“ und sei „manchmal unmöglich“ gewesen. „Und ich hoffe, dass ich das wieder ausgleichen kann. Ich nehme mir jetzt auf jeden Fall ganz viel Zeit für alle, die mich irgendwie unterstützt haben“, sagte Schulz, dem von Geburt an der linke Unterarm fehlt. Auf den Hinweis, dass die Caipirinhas im deutschen Haus sehr stark sein sollen, antwortete er übrigens: „Ich habe eine Sonnenbrille dabei. Alles okay!“

Das Schwimmen, das er in Rio als Vierter beendete, sei gut gelaufen, „das Radfahren war Bombe, aber das Laufen war megaschwer. Da war ich am Limit. Ich hatte brutales Seitenstechen“, so Schulz. Am Ende habe er nur noch gedacht, „wenn du das jetzt noch aus der Hand gibst, dann beißt du dir in den Arsch.“ Musste er nicht. Wie es nun für ihn weitergeht, ließ der Sport- und Fitnesskaufmann noch offen. „Der Sport ist extrem aufwendig. Da geht nur ganz oder gar nicht“, sagte er. Tokio 2020 wäre „eine Option, aber das kann ich mir gerade gar nicht vorstellen“. (DA/dwe/fk)