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Domkeller öffnet wieder

Pächter Karsten Müller hat in Meißens älteste Gaststätte kräftig investiert.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Eigentlich ist das nicht zu glauben. Aber Wirt Karsten Müller hat schon ganz andere Sachen gestemmt. Am Sonnabend, dem 11. März, soll sich die Baustelle Domkeller über den Dächern Meißens wieder in ein gemütliches Restaurant verwandelt haben. „Da werden einfach zwei Nachtschichten eingelegt“, sagt der Bauherr. Meint er das jetzt ernst? Oder sagt er das im Scherz?

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Müller steht mitten in der Domklause. Durch die Butzenscheiben fällt der Blick direkt auf die dunkle Sandsteinfassade des ehrwürdigen Gotteshauses gegenüber. Die Klause ist komplett ausgeräumt und doch lässt sich erahnen, wie es hier einmal aussehen wird. Holzbänke ziehen sich an den Wänden entlang. Über der Vertäfelung sind lateinische Spruchbänder auf den Putz gemalt, winden sich mittelalterliche Ornamente. Das kupferne Innenleben der Zapfanlage blinkt auf dem Tresen. Dahinter bildet ein Fries aus historischen Fliesen einen neuen Blickfang. Der Stil erinnert insgesamt an den ebenfalls von Müller betriebenen Ratskeller.

Seit rund 20 Jahren haben er und seine Frau den Domkeller vom Hochstift gepachtet. Deshalb sei es jetzt an der Zeit gewesen, die Traditionsgaststätte einmal gründlich auf Vordermann zu bringen. Die Unternehmerfamilie griff dabei auf bereits beim Ratskeller-Umbau bewährte Handwerker zurück. Bekannte Namen aus der Region finden sich darunter. „In den ersten Jahren nach der Wende gab es noch nicht diese Möglichkeiten, die wir jetzt haben“, sagt Müller. Die Gaststätte entwickelte sich etappenweise. Hier kam etwas dazu, dann wieder dort. Künftig soll alles wie aus einem Guss wirken. Rund 100 000 Euro sind dafür geflossen.

„Vorsicht, nicht stolpern.“ Der Hausherr zeigt warnend auf große Werkzeugkisten. Aus der Domklause geht es durch den Flur nach hinten in das Domherrenzimmer. Heizkörper im Durchgang sorgen dafür, dass Mitarbeiter und Gäste künftig im Winter keinen Klimawechsel mehr mitmachen müssen.

Bei den Domherren bietet sich ein ähnliches Bild wie nach vorn hinaus. Eine Handwerkerin setzt gerade die letzten Pinselstriche. Mit einem Inneneinrichter wird beraten, wo welche Lampen Licht spenden dürfen. In der Vertäfelung sind sechs Felder ausgespart. Hier sollen handgemalte Porträts von sechs bedeutenden Meißner Domherren Platz finden. Die Recherche dazu wurde Müller zufolge gemeinsam mit dem Hochstift betrieben. Der Name Domkeller ist schließlich kein Fantasiebegriff. Mit seiner historisch verbürgten Geburtsurkunde als Domschenke von 1470 ist das Restaurant die älteste noch bewirtschaftete Gaststätte Meißens. Die ersten Porzelliner, später auch der Romantiker Ludwig Richter und nicht zuletzt die Zöglinge der nahen Fürstenschule kehrten hier ein.

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Wirt Müller tritt durch die Terrassentür auf den Balkon des Hauses. Was für drinnen gilt, gilt ebenso für draußen. Von extra eingepassten Bänken werden die Gäste künftig den Blick über die Stadt genießen können. Bei allen diesen Neuerungen, eine Sache bleibt unverändert, verspricht der Hausherr. Die Küche wird sich weiter auf sächsische Spezialitäten wie Sauerbraten und Quarkkeulchen konzentrieren.