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Politik

Donald Trump gibt den Staatsmann

Trotz viel Kritik inszeniert US-Präsident Donald Trump eine Militärshow zum Unabhängigkeitstag in Washington, ruft aber in seiner Rede zur Einheit auf.

Während der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag spricht US-Präsident Donald Trump vor dem Lincoln Memorial. © Alex Brandon/AP/dpa

Von Juliane Schäuble

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Trump kapert den Unabhängigkeitstag

Der US-Präsident hat sich von einer Militärparade in Paris beeindrucken lassen. Nun soll der 4. Juli ähnlich martialisch werden - entgegen der US-Tradition.

Die Inszenierung klappt. Kurz bevor Donald Trump unter Marschklängen die Bühne betritt, Hand in Hand mit seiner Ehefrau Melania, fliegt eine der beiden Boeing 747 im Tiefflug über das Lincoln Memorial, die zur "Airforce One" werden, wenn der US-Präsident an Bord ist. Stundenlang hat es zuvor geregnet, wer früh da war, um sich einen Platz zu sichern, ist von oben bis unten durchnässt. An anderer Stelle im Zentrum von Washington mussten Feiernde wegen gefährlicher Blitze in Sicherheit gebracht werden.

Aber jetzt ist es fast trocken, die Show zum 4. Juli kann wie geplant beginnen. Und Donald Trump bekommt endlich seine lang ersehnte Militärschau, die er seit dem Tag in seine Hauptstadt holen wollte, als er den französischen Nationalfeiertag im Herzen von Paris miterlebt hat. Das ist zwei Jahre her. Es hat ein bisschen gedauert, da seine Pläne auf großen Widerstand gestoßen sind, unter anderem bei der Stadtverwaltung von Washington. Und die Schau fällt auch deutlich bescheidener als ihr Vorbild aus Frankreich aus. Aber Trump ist zufrieden.

Da steht er nun hinter einer schusssicheren Glaswand, an der die Regentropfen hinunterlaufen. Eingerahmt von zwei Panzern, tut Trump einerseits das, was viele im Vorfeld kritisiert haben: Er hält eine Rede zum Unabhängigkeitstag, etwas, was fast kein US-Präsident zuvor getan hat. Sie haben es dem amerikanischen Volk selbst überlassen, den Geburtstag ihrer Nation mit Picknick und Feuerwerk zu feiern, patriotisch zwar, aber so ganz und gar un(partei-)politisch.

Aber Trump wäre nicht Trump, würde er nicht alles anders als seine Vorgänger machen wollen, nicht umsonst nennt man ihn den "Disruptor in Chief". Kritiker warfen ihm vor, die Feierlichkeiten zu politisieren, auch, weil das Weiße Haus einen großen VIP-Bereich vor dem Lincoln Memorial einrichten ließ, zu dem lediglich Trump-Anhänger Zugang bekamen.

Von der Gründervätern zur US-Flagge auf dem Mars

Aber überraschenderweise hält der Präsident an diesem Abend eine Rede, wie man sie von ihm so gar nicht gewohnt ist: eine staatsmännische. Er, der sonst keine Gelegenheit auslässt, auf die oppositionellen Demokraten und die Medien zu schimpfen, ruft sein Land zur Einheit auf, sagt: "Wir sind ein Volk, das einen Traum und ein großartiges Schicksal verfolgt. Wir alle teilen dieselben Helden, dasselbe Zuhause, dasselbe Herz, und wir sind alle von demselben allmächtigen Gott geschaffen worden."

Seine 50-minütige Ansprache gerät zu einer Geschichtsstunde in Sachen amerikanischer Einzigartigkeit. Nicht besonders originell, aber auch nicht zum Aufregen. Er erzählt von den Gründervätern, den Pionieren und Kriegshelden, genauso wie den Vorkämpferinnen für das Frauenwahlrecht und den Ikonen der Bürgerrechtsbewegung wie Martin Luther King. Und kündigt an, dass "eines Tages" die amerikanische Flagge auch auf den Mars gepflanzt werde. "Wir werden nie vergessen, dass wir Amerikaner sind und dass die Zukunft uns gehört." Donald Trump, so die dahinterliegende Botschaft, ist Teil dieser großartigen Geschichte.

Trump liebt alles Militärische

Als Teil der Inszenierung fliegen nacheinander Flugzeuge und Helikopter des Marine Corps, der Army, der Navy und der Blue Angels über die mehreren zehntausend Menschen, die sich entlang des Reflecting Pool und vor dem Lincoln Memorial trotz des Wetters versammelt haben. Trump kündigt sie stets mit langen Erklärungen an, die Zuschauer, vom Präsidenten als "großartige Patrioten" bezeichnet, sind begeistert, immer wieder sind "USA, USA"-Rufe zu hören.

Flugzeuge der Luftwaffe fliegen während Trumps Rede über das Lincoln Memorial hinweg.  © Alex Brandon/AP/dpa

Für jemanden, der sich wegen eines Fersensporns vom Kriegsdienst in Vietnam hat befreien lassen, zeigt Trump eine auffällig große Liebe zum Militär und stellt dies in den Mittelpunkt seines "Salute to America", wie er seine Veranstaltung nennt. "Mit dieser sehr besonderen Ehrenbezeugung für Amerika kommen wir heute als eine Nation zusammen", sagt er. "Wir feiern unsere Geschichte, unser Volk und die Helden, die stolz unsere Flagge verteidigen - die tapferen Männer und Frauen des Militärs der Vereinigten Staaten." Die US-Truppen seien "die besten Soldaten auf der Erde", junge Amerikaner sollen sich am besten sofort den Streitkräften anschließen.

Demonstriert wird in sicherer Entfernung

So viel er aber auch von Einheit und Zusammenkommen spricht: Das Land wirkt an diesem Tag gespalten wie lange nicht. Vor allem Trump-Anhänger, unter ihnen einige mit roten "Make America Great Again"-Mützen und Trump-T-Shirts, verfolgen seine Veranstaltung. Sie füllen die vorgesehene Fläche voll aus. Stolz wird Trump später ein Bild retweeten.

Die anderen, die den Präsidenten und seine Politik kritisch sehen, protestieren in sicherer Entfernung auf der Mall, der kilometerlangen Promenade zwischen dem Lincoln Memorial und dem Kapitol. Ein mitgebrachter sechs Meter große Baby-Trump-Ballon muss allerdings wegen der schlechten Wetterverhältnisse am Boden bleiben. Und kurz, nachdem die Trump-Show um halb acht zu Ende gegangen ist, beginnt am anderen Ende der Mall vor dem Kapitol das traditionelle Familienkonzert zum 4. Juli. MAGA-Mützen sind hier kaum noch zu sehen.

Eine Stunde später leuchtet die Stadt dann an allen Enden, auch wenn Rauchschwaden ein bisschen den Blick trüben. Das Feuerwerk ist in diesem Jahr noch bombastischer. Auch dafür hat Donald Trump gesorgt.

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