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Doppeldecker im siebten Himmel

Die Dreharbeiten für den Kinofilm „Grüner wird’s nicht“ haben dem Kultflieger neue Aufmerksamkeit beschert.

© Kristin Richter

Von Catharina Karlshaus

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Großenhain. An diesem Vormittag hat er das Schlimmste schon überstanden. Waschen, putzen und nicht zu vergessen das Herumgefriemel am notwendigen Innenleben: Der Doppeldecker ist zurückgekehrt aus seiner winterlichen Generalüberholung in Kamenz und strahlt gewissermaßen bis in die letzte Ritze seines roten Lackes. „Wir nutzen in jedem Jahr die Pause bis zum Frühling dazu, die Flugzeuge zu warten und zu reinigen“, erklärt Jan Meißner. Wie der Inhaber der Flugschule „Born2fly“ betont, hätte es sein prominentester Schützling dieses Mal besonders notwendig gehabt. Immerhin: allein 2 600 Kilometer hat der Doppeldecker im vergangenen Jahr im Laufe der Dreharbeiten für den Kinofilm „Grüner wird’s nicht“ zurücklegen müssen. Gut 70 Stunden war das Flugzeug – eines von in Deutschland nur noch sechs flugfähigen Modellen seiner Art – unterwegs. Eingedenk der Stopps auf 20 Flugplätzen wurde es von Jan Meißner selbst von Großenhain über Diesbar-Seußlitz, das Moseltal und den Nürburgring bis hinauf nach Amrum, Sylt und schließlich nach Norderney geflogen.

Großer Aufwand: Der oscar-prämierte Regisseur Florian Gallenberger scheute am Filmset keine Mühen.
Großer Aufwand: Der oscar-prämierte Regisseur Florian Gallenberger scheute am Filmset keine Mühen. © privat
Hauptdarsteller Elmar Wepper alias „Schorsch“ im Großenhainer Doppeldecker.
Hauptdarsteller Elmar Wepper alias „Schorsch“ im Großenhainer Doppeldecker. © privat
Eine Außenkamera macht es möglich: der Großenhainer Jan Meißner über den Wolken.
Eine Außenkamera macht es möglich: der Großenhainer Jan Meißner über den Wolken. © privat

Ein unvergessliches Erlebnis an der Seite einer namhaften Filmcrew um den oscar-prämierten Regisseur Florian Gallenberger und den Hauptdarsteller Elmar Wepper. Dass er den beliebten Schauspieler in luftiger Höhe mit Lederkappe auf dem Kopf in allen Szenen doubeln durfte, sei ihm heute noch eine große Ehre. Und nicht nur das: „Die Dreharbeiten haben unserer Flugschule und natürlich dem Doppeldecker wirklich einige Aufmerksamkeit beschert! In allen Teilen Deutschlands haben ja verschiedene Zeitungen und Fernsehsender darüber berichtet“, erinnert Jan Meißner. Auch wenn die Premiere des Kinostreifens erst für den 18. Oktober avisiert ist, sei das Interesse am Großenhainer Kultflieger groß. Die Kurse in seiner Flugschule wären zumindest momentan bis auf den letzten Platz besetzt und auch der Verkauf von Gutscheinen habe zugenommen.

Überhaupt erfreue sich das Fliegen wieder größerer Beliebtheit. Gegenwärtig 16 Männer und zwei Frauen aus ganz Sachsen machten sich bei „Born2fly“ in Theorie und Praxis mit dieser Art der modernen Fortbewegung vertraut. Besonders begehrt natürlich: einmal selbst im Cockpit des roten Doppeldeckers zu sitzen! Einer, dem die fliegende Hauptrolle im Übrigen zu einer nagelneuen schwarzen Lederabdeckung und einer Tasche im Innenbereich verholfen hat. Der passionierte Hobbyflieger „Schorsch“ – gespielt eben von Elmar Wepper – habe eine solche nämlich gebraucht und deshalb sei sie kurzerhand in das 1989 gebaute Flugzeug nachgerüstet worden.

Auch wenn der Doppeldecker laut Jan Meißner in jedem Jahr gut unterwegs sei. Allein die traditionellen Ausflüge der Schule bringen den bekannten Röderstädter nach Italien oder auf die Hochseeinsel Helgoland – das 2017er Pensum hatte es schon in sich. Schon deshalb wäre die Runderneuerung notwendig gewesen: Der Vierzylinder- Boxermotor, welcher bereits seit sieben Jahren getreulich seine Dienste verrichte und mit 80 PS einiges unter der Haube aufzubieten habe, sei generalüberholt worden. Einzelne Steuerteile hätten ausgetauscht werden müssen und auch neue Reifen bekam Großenhains Exportschlager.

Früh genug, bevor im März die Flugsaison offiziell eröffnet werde. Und gerade noch rechtzeitig vor der Teilnahme an der AERO, der internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt in Friedrichshafen. Denn wenn sich vom 18. bis 21. April gut 600 Aussteller aus aller Welt präsentieren, werden auch Jan Meißner und seine Mitstreiter darunter sein. Nicht verwunderlich, haben die sechs fachlich einiges zu bieten und dank „Grüner wird‘s nicht“ viel zu erzählen. Zum Start des Films hat Jan Meißner extra einen ganzen Kinosaal gemietet. Bis jetzt nur in Gröditz. Aber wer weiß? Vielleicht nutzen ja auch die Großenhainer noch ihre Chance und machen sich die wachsende Popularität des roten Doppeldeckers um Jan Meißner zunutze.