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Doppelhochzeit der Schwarzwaldmädel

Bretschneiders und Ziemanns sind unzertrennlich – und feiern nun auch die goldene Hochzeit gemeinsam.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Kmehlen. Es war doch ganz zweckmäßig“, sagt Joachim Bretschneider und schaut seine Mitstreiter selbstbewusst an. Am 10. Februar 1968 feierten die beiden Paare in Kmehlen Doppelhochzeit. Angelika und Rudolf Ziemann wollen damals sowieso heirateten, sie waren 19 und 20 Jahre alt. Elvira – Angelikas Schwester – war erst 18, ihr Joachim 19. Doch die Mutter sagte: Wenn, dann machen wir`s in einem Aufwasch.

Ein Bild von der Hochzeit.
Ein Bild von der Hochzeit. © privat

Was seinerzeit vor 50 Jahren begann, hat durch alle Zeiten gehalten. Doch nicht nur die beiden Ehen, sondern auch die Freundschaften der Paare. Ihre Silberhochzeit feierten sie 1993 gemeinsam, und die goldene Hochzeit an diesem Wochenende wird auch ein Fest für alle. „Wir vertragen uns, das macht uns unzertrennlich“, witzeln die Bretschneiders und Ziemanns. Im Sommer wird oft gemeinsam gegrillt.

Vielleicht wurzelt diese besondere Einigkeit aus dem Lebensweg der beiden Schwestern Elvira und Angelika. „Wir sind 1947 in Freiburg im Schwarzwald geboren“, erzählen die heute 70-Jährigen. Ihr Vater stammte aus Großenhain, war in Westdeutschland in französischer Kriegsgefangenschaft. Vor dem Mauerbau kam er mit seiner Familie zurück in den Osten.


In Kmehlen fanden sie ihre Heimat. Gemeinsam gingen die Schwestern später mit ihren Freunden zum Tanz nach Böhla oder Beiersdorf. „Ich durfte anfangs nicht mit, weil ich noch zu jung war“, erinnert sich Elvira Bretschneider. Doch ihre Schwester hatte einen Hausschlüssel. Und so fiel auch ihr Wegbleiben nicht auf.

Der Polterabend der vier jungen Leute fand in der elterlichen Wohnstube, bei Familie Wolf, statt. „Wir haben sogar die Schrankwand rausgeräumt, 60 Gäste waren da, auch Arbeitskollegen und Freunde“, erinnert sich Angelika Ziemann freudestrahlend. Für die Hochzeit kauften die Schwestern das gleiche Kleid im Dresdner Brautausstatter. „Kurz war damals modern.“ Joachim begleitete die Frauen – Rudolf Ziemann war noch bei der Armee.

Bald darauf stellte sich bei Bretschneiders Nachwuchs ein. Im Kmehlener Altneubau wurde eine Wohnung frei. „Wir hatten Glück, wir waren ja getraut“, blickt Joachim Bretschneider zurück. Eine Zwei-Raumwohnung erhielten dort auch die Ziemanns – mit Balkon im selben Aufgang.

Alle vier waren sie in der Landwirtschaft beschäftigt, in den neuen Schweineställen. So sah man sich auch auf Arbeit. Ziemanns gingen 1975 auf Haussuche. Weil sie in der LPG arbeiteten, bekamen sie eine Neubauernstelle in Porschütz. Dort wohnen Angelika und Rudolf noch heute. Die Bretschneiders zogen nach der Wende nach Großenhain. Elvira, die von allen nur Monika gerufen wird – ihr zweiter Vorname – war bis zur Rente Verkäuferin im Kaufhaus Quaas auf dem Frauenmarkt.

Auch wenn mal der Haussegen bei den einen oder anderen schief hing – von ihrer gemeinsamen Zukunft ließen sich die beiden Paare nicht abhalten. „Wir hatten ja was vor: Kinder, Auto, Haus“, sagt Rudolf Ziemann und schaut verschmitzt zu seiner Angelika. „Als Mann muss man immer mal nicken.“ So hält das Glück auch im Alltag.

Mittlerweile haben beide Paare jeweils sechs Enkel. Auch die Kinder der Familien verstehen sich gut, heißt es, und einige sehen sich öfter. Die Enkel gehen gemeinsam in die Schule. Nur eine Sache haben die Jubelpaare ihrem Nachwuchs krummgenommen. „Zu unserer gemeinsamen Silberhochzeit in Kmehlen in der ehemaligen Gaststätte Hohle wurde gefilmt, doch irgendwer hat das später leider gelöscht“, sagt Joachim Bretschneider. Was soll`s.


Nun feiern alle gemeinsam an diesem Wochenende doppelte goldene Hochzeit im Gasthaus Talhaus in Golk. In Stauda war am Donnerstag der Polterabend – genau wie vor der Silberhochzeit. 55 Gäste werden erwartet – die beiden Schwestern haben noch zahlreiche Geschwister mit ihren Familien. Ein Profi-Fotograf ist auch bestellt, damit nichts mehr schiefgeht. Vielleicht ist den Bretschneiders und Ziemanns auch eine eiserne Hochzeit vergönnt. Wenn, dann natürlich nur im Doppelpack.