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Gelungene Rettungsaktion an der Elbe

Eine Frau war in Laubegast ins Wasser geraten. Ein Fährmann hilft, sie zu retten. Die 72-Jährige wurde im Stadtzentrum vermisst.

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© André Wirsig

Von Kay Haufe und Juliane Richter

Am Sonnabend kurz nach 18 Uhr legt Reinhard Oelschläger zu einer der letzten Fahrten in Niederpoyritz ab. Dutzende Male hat der Fährmann am Sonnabend schon die Elbe gequert. Doch als er diesmal am Laubegaster Anleger ankommt, erwartet ihn eine aufgeregte Gruppe. „Sie riefen mir zu, dass sie eine Person im Wasser gesehen haben, und dass ich suchen soll“, sagt Reinhard Oelschläger. Sofort richtet der Fährmann den Suchscheinwerfer auf das Wasser und leuchtet die Elbe Stück für Stück ab. Leicht ist das nicht, denn auf dem Wasser erscheint der Lichtkegel nur als matte, runde Fläche. „Doch dann sah ich eine Person nahe dem Laugebaster Ufer im Wasser, die sich noch bewegte“, sagt der Fährmann. Sie war schon dicht an den Fähranleger herangetrieben. Gemeinsam mit zwei Männern aus der Gruppe rennt Oelschläger zum Anleger. Weil die Frau nicht ansprechbar ist, können sie keinen Rettungsring verwenden, sondern arbeiten mit Staken. Damit halten sie den Körper fest. Oelschläger kniet auf dem Ponton und zieht die Frau, deren dicke Wintersachen sich voll Wasser gesogen haben, nach oben. „Das war wirklich schwer. Wir haben das zu dritt gerade so geschafft“, erinnert er sich. Gemeinsam tragen sie die Hilflose auf die Sitzbank der Fähre und wickeln sie in Rettungsdecken ein. Eine Familie hilft ihnen mit einer Decke aus dem Kinderwagen. Das Elbwasser war nur zwei Grad Celsius warm.

„Dann kamen die Rettungssanitäter sowie Polizei und Wasserschutzpolizei, die von den Frauen der Gruppe sofort informiert worden sind“, sagt der 59-Jährige. Doch statt sich auszuruhen, setzt er gleich nach seiner Aussage wieder nach Niederpoyritz über. „Schließlich mussten die Leute warten. Da ist doch klar, dass ich fahre“, sagt er. Den Dienst beendet er wie jeden Abend. Erst zu Hause in Königstein laufen die Ereignisse noch einmal in seinem Kopf ab. „Was für ein Riesenglück, dass die Leute die Frau bemerkt haben. Ich hätte sie von Niederpoyritz aus nicht gesehen, denn es war schon dunkel“, sagt Oelschläger.

Laut Polizeisprecher Matthias Noack hatten Beamte noch am Sonnabend die Stelle in Laubegast gefunden, an der die Frau ins Wasser gegangen war. Ob das aus Versehen oder absichtlich geschehen war, ist noch unklar. Die 72-Jährige war am Sonnabend aufgrund ihrer Unterkühlung nicht aussagefähig.

Nach ihrer Rettung aus dem Wasser wurde die Seniorin sofort auf der Intensivstation des Dresdner Uniklinikums eingeliefert. Nähere Auskünfte zu ihrem Zustand wollten die Ärzte nicht geben. Allgemein gilt jedoch, dass unterkühlte Personen langsam wieder erwärmt werden, zum Beispiel mit warmen Infusionen und Wärmedecken. Ist die Unterkühlung besonders stark, kann im Nachgang eine Lungenentzündung erschwerend hinzukommen. Entsprechend länger dauert die Genesung.

Nach Auskunft der Polizei lebt die Frau normalerweise im Stadtzentrum und befindet sich in häuslicher Pflege. Der zuständige Pfleger hatte sich am Sonnabend gegen 19.40 Uhr bei der Polizei gemeldet, um zu erklären, dass die Seniorin verschwunden ist. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Vermisste jedoch schon im Uniklinikum und wurde behandelt.