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Doppelter Einbruch

Zweimal innerhalb von vier Tagen ist Jens Jankowskis Laden in Zittau heimgesucht worden. Der Fahrradhändler ist nun ratlos.

Von Mario Heinke

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Spanplatten von innen und außen sollen es erst einmal richten. Jens Jankowski hockt mit dem Schrauber in der Hand am völlig zerstörten Schaufenster in seinem Fahrradladen „JJ Bikes“ am Ottokarplatz und befestigt die Platten. Der Fahrradhändler ist völlig übermüdet und ratlos, denn innerhalb von wenigen Tagen wurde zweimal in seinem Geschäft eingebrochen.

Beim ersten Einbruch am Freitag vergangener Woche gegen 2 Uhr zerstörten der oder die Täter die Scheibe eines Sprossenfensters und drangen in den Laden ein. Die Alarmanlage wurde ausgelöst. Trotzdem blieb den Langfingern genügend Zeit, 300 Euro Bargeld aus der Kasse zu stehlen, eine Geldkassette, einen Laptop und Fahrradbrillen mitgehen zu lassen. Der Gesamtschaden liegt bei rund 2 500 Euro, auch weil ein bestelltes Kundenfahrrad, das offensichtlich im Weg stand, schwer beschädigt wurde.

Die einzigen Spuren nach dem ersten Bruch: Ein Schuhabdruck im Innern und ein Zugticket aus Hradek nad Nisou (Grottau), das zwischen den Scherben auf dem Gehweg lag. Ob dieses Ticket schon vorher dort lag, weiß auch die Spurensicherung der Polizei nicht. Trotzdem ist Jankowski über Dreistigkeit der Täter erstaunt, denn der Laden ist sogar vom Stadtring aus gut sichtbar, liegt geradezu wie auf einem Präsentierteller. Im Haus Reichenberger Straße 56 – so die Postanschrift des Tatorts – wohnen zudem viele Studenten. „Die kenne ich alle, leider hat keiner etwas mitbekommen“, sagt der Zittauer frustriert.

Nach dem Einbruch rüstete Jens Jankowski auf, ließ das Signal der Alarmanlage auf sein Smartphone leiten. Seither schläft er, immer in Alarmbereitschaft, mit Smartphone, Papieren und Autoschlüssel am Bett. Am Montag war es dann soweit. Um 4.03 Uhr riss ihn der Alarm aus dem Schlaf. Jankowski sprang aus dem Bett, spurtete zum Auto und raste zum Geschäft. Nur wenige Minuten später war er am Tatort. Die Langfinger waren allerdings schon über alle Berge. „Die haben wohl mein Auto gehört und sind getürmt“, vermutet er. Jankowski fährt noch eine Zeit lang durch die Nacht, in der Umgebung herum und hofft, die flüchtenden Täter noch irgendwo zu entdecken. Ohne Erfolg, außer einem alten Autofahrer aus Meißen, der den Stadtring entgegen der Fahrtrichtung befuhr, findet er nichts und niemanden. Als die Polizei am Tatort ankommt, schickt sie den Jäger erst einmal nach Hause, weil der völlig durchgefroren, bei drei Grad Außentemperatur nur mit einer Jogginghose und T-Shirt bekleidet war. Am Morgen fand die Spurensicherung dann verwertbare Spuren, verrät der Fahrradhändler.

In den vergangenen Tagen blieb das Geschäft wegen Aufräum- und Sicherungsarbeiten zeitweise geschlossen. Jetzt denkt der 32-Jährige darüber nach, wie er den Laden sichert. Fakt ist: Die alten Holzfenster sind kein wirkliches Hindernis für Diebe. Türen und Fenster zu vergittern, wäre wohl das Einfachste. Ob das an dem denkmalgeschützten Gebäude zulässig ist, weiß der Mountainbiker nicht. Er will in den nächsten Tagen mit dem Grundstücksbesitzer, der Wohnbaugesellschaft Zittau über die mangelnde Sicherung des Gewerberaums sprechen.

Mit Einbrüchen hat er schon Erfahrung. Im Juni 2013 eröffnete er seinen ersten Laden in einer alten Werkhalle am ehemaligen BMW-Autohaus in Pethau. Drei Monate nach der Eröffnung räumten Diebe die Halle aus. Zehn Fahrräder im Wert zwischen 600 und 8 000 Euro, teures Zubehör und Spezialwerkzeuge verschwanden damals. Im Mai 2016 eröffnete Jankowski seit aktuelles Domizil, den 80 Quadratmeter großen Laden am Ottokarplatz. Im selben Jahr gewann der Tüftler und studierte Physiker mit seiner Marke „Whitestone“ den „Eurobike Award“, eine Art Fahrrad-Oscar in Friedrichshafen bei der weltweit größten Leitmesse im Fahrradsektor. Individuell angefertigte Räder vertreibt der Zittauer nicht nur im Laden, sondern auch über den eigenen Onlineshop.