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„Dorffest-Zuschüsse werden nicht angefasst“

Die Debatte zum Priestewitzer Haushaltsplan hat zu einer Irritation geführt. Die SZ sprach mit der Bürgermeisterin.

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© Andreas Weihs

Frau Frentzen, wie die letzte Gemeinderatssitzung gezeigt hat, fragen sich einige Gemeinderäte, ob die Dorffeste in diesem Jahr finanziell unterstützt werden oder nicht. Wie sieht es aus?

Susann Frentzen ist seit 2010 Bürgermeisterin der Gemeinde Priestewitz. Die 36-Jährige will die hiesigen Dorffeste weiter unterstützen.
Susann Frentzen ist seit 2010 Bürgermeisterin der Gemeinde Priestewitz. Die 36-Jährige will die hiesigen Dorffeste weiter unterstützen. © Andreas Weihs

Die Zuschüsse für die Dorffeste werden nicht angefasst. Sie sind nach wie vor im Gemeindehaushalt eingestellt. Und es steht überhaupt nicht zur Disposition, sie in irgendeiner Art und Weise zu streichen, sonst hätten wir vorher im Gemeinderat auch schon darüber gesprochen.

Wie kam es dann zu diesen Irritationen im Gemeinderat?

Wie es dazu kam, kann ich nicht sagen. Vielleicht hat sich der eine oder andere Gemeinderat den Haushaltsentwurf nicht richtig angesehen. Es ist ein umfangreiches Zahlenwerk. Aber ich glaube eher, dass es ein Stück weit Polemik eines Einzelnen war, über die Zuschüsse für die Dorffeste zu diskutieren. Dabei standen die nie zur Debatte. Im Gegenteil. Die Dorffeste sind die Gelegenheit für uns als Gemeinde, uns daran zu beteiligen und unseren Leuten etwas zurückzugeben. Deshalb kommt eine Streichung überhaupt nicht infrage.

Wie viele Dorffeste gibt es eigentlich in der Gemeinde Priestewitz?

Wir haben eine ganze Menge Dorffeste. Es sind mindestens sieben und sonstige Feiern. Die Zuschüsse berechnen sich nach den Einwohnern der Dörfer, die sich am Fest beteiligen. Für jeden Einwohner zahlt die Gemeinde 1,50 Euro. Das ist, denke ich, auch eine kleine finanzielle Hilfe, womit unsere Vereine rechnen können. Aber sie gibt es eben erst, wie unserer Kämmerer Michael Martin im Gemeinderat gesagt hat, nachdem der Landkreis den Haushalt genehmigt hat. Vorher können wir diese freiwillige Bezuschussung nicht ausgeben.

Auf der Gemeinderatsitzung sprachen Sie vom dritten Quartal.

Das dritte Quartel gibt der Verwaltung erste Hochrechnungen wieder. Wenn es keine Auflagen gibt, rechnen wir mit der Freigabe des Haushaltes Ende Mai/Anfang Juni.

Also noch vor den meisten Dorffesten.

Überwiegend. Wenn keine Auflagen kommen. Im Moment gibt es keine Rückmeldungen, und wir sind guter Dinge, dass der Etatentwurf durchgeht. Aber wir können immer erst etwas auszahlen, vor allem für freiwillige Leistungen wie den Dorffesten, wenn wir einen bestätigten Haushalt haben. Doch wir haben ihn nicht, weil es immer Änderungen gab, die wir einarbeiten mussten. Aber wir sind ja nicht die einzige Gemeinde im Landkreis Meißen, die so spät dran ist. Das betrifft die anderen auch.

Und was ist mit den Dorffesten, die bisher schon stattgefunden haben?

Die bekommen den Zuschuss nachträglich. Wir wissen aus den Vorjahren, wer sich an den Dorffesten beteiligt. Und da haben wir eine bestimmte Summe eingeplant.

Wie ist es denn prinzipiell um die Gemeinde Priestewitz finanziell bestellt?

Wie in allen anderen Gemeinden auch: Der Haushalt ist eng gestrickt. Das ist einfach so. Was man daraus macht und wie er sich entwickelt, wird sich erst nach Baumaßnahmen und Verwaltungsausgaben zeigen. Denn das sind die Stellschrauben, die man wenigstens hat. Deshalb sieht man erst im dritten Quartal, wie sich der Haushalt entwickelt hat. Eher ist es schwer möglich.

Ist Priestewitz in der Lage, freiwillige Aufgaben zu unterstützen?

Ja, und das wollen wir auch bewusst umsetzen, solange es möglich ist. Irgendwas sollten wir unseren Leuten auch zurückgeben.

Muss Priestewitz noch an der großen Sparschraube drehen? Oder könnte man sie mal lockerer lassen?

Ganz klar: nein! Grundsätzlich halten der Kämmerer und ich es für notwendig, jeden Cent zweimal umzudrehen, bevor er ausgegeben wird. Das macht eigentlich auch jeder im Privaten so: Dann wird am Ende des Monats geguckt, was man übrig hat. Und dann kann ich das Geld zur Seite legen oder für etwas anderes nutzen. Das ist gesunder Menschenverstand. Im Nachgang sind doch alle froh, wenn zum Beispiel die Jugendfeuerwehr etwas bekommt, die Feuerwehr oder die Vereine. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir übers Jahr konsequent eisern bleiben und gut wirtschaften.

Wann ist Priestewitz schuldenfrei?

Rechnerisch wird es 2017 sein. Unser internes Verwaltungsziel ist aber vorzeitig 2016.

Gespräch: Jörg Richter