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Dorfgasthof als Döner-Imbiss?

Ein Unternehmer hat Pläne für das Gebäude an der B 169 in Lichtensee. In der Gemeinde ist man nicht sonderlich begeistert.

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© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Wülknitz. An Kundschaft würde es vielleicht nicht mangeln. Direkt vorm Haus rollen auf der B 169 ständig Autos vorbei. Einen großen Parkplatz gibt es auch. Keine allzu schlechten Bedingungen für eine Gastronomie, dachte sich offenbar ein türkischstämmiger Unternehmer mit Blick auf den leeren Gasthof in Lichtensee.

Vor Kurzem hatte der gegenüber den Wülknitzer Gemeinderäten sein Interesse an der kommunalen Immobilie bekundet. Hinter verschlossenen Türen stellte der Wirt, der bereits einen Döner-Imbiss in Bad Liebenwerda betreibt, den Bürgervertretern seine Pläne für das Haus vor. Die umfassten einen Döner-Imbiss im Gastraum. Hinzu kommen sollten eine Spielhalle und Gästezimmer im Obergeschoss. Platz gibt es in dem Gebäude genug. Zu einer Einigung zwischen der Kommune und dem Unternehmer kam es aber zunächst nicht. Zu viele Fragen waren noch offen.

Auf SZ-Anfrage hat der Gastwirt jetzt allerdings erklärt, kein Interesse mehr an dem Objekt zu haben. Die Reaktion der Gemeinde habe ihm zu lang gedauert, gibt er am Telefon zu verstehen.

„Das ganze Dorf hat mitgeredet“

Er habe außerdem das Gefühl gehabt, dass das ganze Dorf etwas mitzureden hatte bei der Immobilie. Dabei habe er aber eigentlich nur mit einer Person sprechen wollen. Jetzt habe er in Uebigau ein anderes Objekt gefunden. Lichtensee sei für ihn deshalb damit kein Thema mehr.

Bei der Gemeinde Wülknitz wusste man bis Mittwoch davon nichts. Sonderlich überrascht zeigt sich Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) über die Entwicklung jedoch nicht. Es habe zuletzt keinen Kontakt mehr zwischen der Gemeinde und dem Interessenten gegeben. Dass der Gemeinderat bei der kommunalen Immobilie mitzureden habe, gehöre dazu, unterstreicht der Gemeindechef. Da es noch offene Fragen gab, habe die Recherche nach Antworten angedauert. „Wenn das dem Wirt zu lange gedauert hat, dann hat er es auch nicht wirklich gewollt“, sagt der Gemeindechef. Begeistert seien viele Gemeinderatsmitglieder von der Idee des Döner-Imbisses ohnehin nicht gewesen, macht Hannes Clauß deutlich. Gemeinderäte bestätigen das.

Auch wenn die jüngsten Verhandlungen wohl geplatzt sind: Grundsätzlich sei die Gemeinde daran interessiert, den Gasthof zu verpachten, sagt Bürgermeister Clauß. Schließlich habe man zuletzt viel Geld in das Gebäude gesteckt. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Kommune die Fassade erneuern und auch Reparaturen am Dach durchführen lassen. Kostenpunkt: reichlich 75 000 Euro. 2009 hatte es eine größere Innensanierung gegeben.

Genutzt wird das Objekt jedoch nur spärlich. Ab und zu tagen hier Gemeinde-Gremien, die jährliche Seniorenweihnachtsfeier findet hier statt. Privatleute mieten das Objekt hin und wieder für Feten. Einen Gaststättenbetrieb gibt es aber schon gut 15 Jahre nicht mehr, schätzt Ortschaftsrat Jens Kraze.

Die jetzige Situation könne Anlass sein, die Immobilie offensiver zu vermarkten, sagt Bürgermeister Clauß. Wie genau das passieren soll, müsse man jetzt prüfen.