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Dorfjugend setzt auf Moped-Fleppen mit 15

Jugendliche und Fahrlehrer sind froh über die Verlängerung des Modellprojektes. Doch in der Führerscheinstelle hakt es.

© André Braun

Von Tina Soltysiak

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Döbeln. In einigen mittelsächsischen Kinderzimmern dürfte die Freude riesengroß sein: Das Modellprojekt Mopedführerschein mit 15 wird in Sachsen um zwei Jahre verlängert. Das ist bei der Zielgruppe sehr gefragt, wie die Zahlen der Zulassungsbehörde des Landkreises Mittelsachsen zeigen: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 463 Führerscheine der Klasse AM 15 ausgestellt, zum Start des Modellprojekts 2013 waren es 87. Im Folgejahr hatte sich die Zahl bereits mehr als verdreifacht auf 275 Stück.

Noch bis zum Montagmittag stand auf der Kippe, ob das Projekt verlängert wird. Die Führerscheinstellen und die hiesigen Fahrschulen standen vor dem Problem, dass die Frist zum 30. April 2018 endete. „Ich war mit meiner Mutter auf der Fahrerlaubnisbehörde, um mir einen Prüflingsschein zu holen, damit ich zur Prüfung zugelassen werde. Den habe ich nicht bekommen, weil ich erst am 19. Mai 15 Jahre alt werde“, schilderte Luka Hofmann aus Roßwein am Freitag dem DA. Das habe ihn zu diesem Zeitpunkt sehr geärgert. Nun ist er froh, dass das Bundesverkehrsministerium eingelenkt hat, wie er am Dienstag sagte. Den Prüflingsschein bekommt er in Döbeln aber trotzdem noch nicht ausgehändigt, wie Fahrlehrer Ralph Hoffmann sagte: „Die Behörde stellt die Scheine noch nicht aus.“ Warum, das erklärte Kreissprecher André Kaiser auf DA-Anfrage nicht. Er teilte mit: „Das Antragsverfahren zur AM 15 wird zunächst über den April hinaus fortgeführt. Eine entsprechende schriftliche Regelung liegt dem Landkreis aber noch nicht vor.“

Mehr Sicherheit dank Fahrpraxis

Bei den hiesigen Fahrschulen gingen trotz der ungewissen Situation in den vergangenen Tagen und Wochen immer noch Anfragen zum Führerschein AM 15 ein. „Ich habe noch ein paar Schüler im Kurs sitzen, die diesen Führerschein machen möchten. Sie hatten schon gebangt, ob wir es schaffen, die Prüfung bis zum Stichtag 30. April in Theorie und Praxis abzulegen. Denn aufgrund der Witterung führen wir von November bis Februar keine Zweiradausbildung durch. Von allen anderen Interessenten hatte ich erst einmal unter Vorbehalt die Kontaktdaten aufgenommen“, schilderte Ralph Hoffmann, Fahrschullehrer aus Döbeln. Er betreibt auch eine Außenstelle in Hartha. Der Mopedführerschein ab 15 sei sehr gut nachgefragt. Tendenz steigend. Zudem sei die Quote derjenigen, die die Prüfung auf Anhieb bestehen, etwas höher als bei den 16-Jährigen, die den Kleinkraftradführerschein haben möchten. „Die Motivation scheint noch etwas größer zu sein, durch das Moped unabhängiger von den Eltern zu sein“, so Hoffmanns Erfahrung.

Der Vorsitzende des Kreisverbandes Döbeln der Sächsischen Fahrlehrer fände es gut, wenn das Angebot dauerhaft aufrechterhalten und zu einem bundesweit geltenden Gesetz werden würde. „So haben die Jugendlichen bereits Fahrpraxis und können sich im Straßenverkehr orientieren, wenn sie den Autoführerschein machen“, meint er. Sollte es nicht so kommen, drohe aus seiner Sicht folgendes Szenario: „Ich könnte mir vorstellen, die Jugendlichen verzichten dann auf den Mopedführerschein ab 16, sondern starten stattdessen den Kurs für das begleitete Autofahren ab 17.“ Der Autoführerschein berechtigt sie auch zum Mopedfahren. „Nur haben sie dann vielleicht vorher noch nie auf einem Moped oder Roller gesessen. Ihnen fehlt die Fahrpraxis. Da sehe ich eine deutlich größere Unfallgefahr“, sagte Ralph Hoffmann. Denn die Bremskraft auf einem Zweirad sei zum Beispiel eine völlig andere und werde von den Jugendlichen oft unterschätzt.

Das Modellprojekt ist auch deshalb in Sachsen nur um zwei Jahre verlängert worden, weil projektbegleitende Studien zur Verkehrssicherheit und zum Mobilitätsverhalten nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums bislang noch keine eindeutigen Ergebnisse geliefert hätten. Ralph Hoffmann kennt aus eigenem Erleben folgendes Grundproblem: Bei der Aufnahme von Unfällen mit Mopeds werde vonseiten der Polizei nicht erfasst, ob der Fahrer – sofern er mindestens 17 beziehungsweise 18 Jahre alt ist – vorher einen extra AM-Führerschein gemacht hat oder ob er das Moped dank seines B-Führerscheins lenkt. Ob und warum dies so ist, und wie viele Unfälle mit minderjährigen Mopedfahrern seit 2013 in Mittelsachsen registriert wurden, konnte die Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz auf DA-Anfrage bis zum Redaktionsschluss nicht beantworten.

Unabhängigkeit von den Eltern

Der Waldheimer Fahrlehrer Ousmane Pechstein ist auch nicht glücklich gewesen mit der ungewissen Situation. „Wir konnten unsere Kunden diesbezüglich nicht so gut beraten, wie wir es gern hätten“, sagte er. Auch er bescheinigte eine steigende Nachfrage. „Es ist dabei völlig unabhängig, ob die Fahrschüler in der Stadt Waldheim oder auf den umliegenden Dörfern wohnen. Die Motivation ist bei allen dieselbe: Unabhängigkeit von den Eltern, den öffentlichen Verkehrsmitteln, mehr Selbstständigkeit“, so Pechstein.

Genau aus diesem Grund hat auch Florian Großmann aus Ottewig mit 15 seinen Moped-Führerschein gemacht. „Ich wohne auf dem Dorf. Hier fährt nur selten ein Bus. So bin ich flexibler, wenn ich zum Fußballtraining nach Zschaitz muss, oder mich mit meinen Kumpels treffen will. Ich muss nicht jedes Mal meine Eltern fragen“, sagte der 18-Jährige.

Der Döbelner Fahrlehrer Reinhard Fichtner schätzt, dass er seit 2013 etwa 25 Jugendlichen zu einem Führerschein mit 15 verholfen hat. Die Resonanz sei positiv. „Auch für die Eltern bedeutet dies einen Zeitgewinn“, meint er. Grit Hofmann, die Mutter von Luka aus Roßwein, kann das nur bestätigen. Sie hofft nun, dass auch bald auf der Führerscheinstelle Klarheit herrscht, damit sich ihr Sprössling für den nächstmöglichen Ferienkurs anmelden kann. „Das Moped steht schon seit der Jugendweihe zuhause“, sagte sie.