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Feuilleton

Doris Day ist tot

Sie erhielt nie einen Oscar und war doch der Liebling des amerikanischen Films: Mit 97 Jahren ist Doris Day gestorben.

Doris Day in ihrer Rolle als Patricia Fowler in der Spionage-Komödie "Caprice" aus dem Jahre 1966. © dpa

Von Barbara Munker

Lange Zeit hat sich Doris Day ein bisschen jünger gemacht. Erst kurz vor ihrem Geburtstag im März 2017 war herausgekommen, dass sie nicht 93 Jahre alt wurde, sondern schon 95. Diese kleine Lüge haben die Fans der Schauspielerin und Sängerin bestimmt verziehen. Nun trauert die Filmwelt um Hollywoods blonden Star. Doris Day starb am Montag im Alter von 97 Jahren.

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In den kleinen kalifornischen Küstenort Carmel hatte sich Day Ende der 1970er-Jahre zurückgezogen. Dort engagierte sich der Star, dem einst Hollywoodgrößen wie Cary Grant, Rock Hudson und Frank Sinatra zu Füßen lagen, bis ins hohe Alter als leidenschaftliche Tierschützerin.

Als Doris Mary Ann Kappelhoff wurde sie 1922 im US-Bundesstaat Ohio geboren, ihre Eltern waren Kinder deutscher Einwanderer. „Ich bin stolz auf meine deutsche Herkunft“, sagte sie 2017. Doch als Frau Kappelhoff hätte sie es im amerikanischen Showbusiness vermutlich nicht so weit gebracht. Als Doris Day – den Namen borgte sie sich von ihrem Hit-Song „Day by Day“ – eroberte das blonde Multitalent in den 40er- und 50er-Jahren die Hitparaden und als „America’s Sweetheart“ die Herzen der Kinofans.

Als Teenager im US-Staat Ohio hatte sie ihren Traum von einer Tanzkarriere nach einem schweren Autounfall aufgeben müssen. Sie nahm Gesangsunterricht, tourte mit Jazz-Bands und machte Songs wie „Sentimental Journey“ und „Que Sera, Sera“ zu Hits. Regisseur Michael Curtiz entdeckte ihr Schauspieltalent, und Warner Bros. stellte die Sängerin 1948 für „Zaubernächte in Rio“ erstmals vor die Kamera. Dutzende Filme folgten. In Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ und später in dem Thriller „Mitternachtsspitzen“ von David Miller bewies sie ihr Talent als Charakterdarstellerin. Doch Hollywood nahm Day mit Musicals und leichten Komödien in Beschlag. Ende der 50er-Jahre wurden Day und Rock Hudson nach „Bettgeflüster“ als Leinwand-Traumpaar gefeiert. Mit der harmlosen Sex-Komödie verdiente sich Day ihre einzige Oscar-Nominierung.

Mit sauberem Sex-Appeal setzte die Blondine ihre Verführungskünste auch in den Filmen „Ein Hauch von Nerz“ und „Spion in Spitzenhöschen“ ein. Im richtigen Leben hatte Day mit Männern weniger Glück. Mit 19 bekam sie ein Kind, wenig später kam die erste Scheidung, mit 29 Jahren der dritte Ehemann. In ihren Memoiren sagte die Schauspielerin später, dass ihr Mann und Manager Marty Melcher ihr Vermögen weitgehend durchbrachte. 1981 wurde sie vom vierten Ehemann geschieden. 2004 erlitt sie einen Schicksalsschlag, als ihr einziger Sohn Terry Melcher an Krebs starb.

Vom Verband der Auslandspresse, der die Golden-Globe-Trophäen verleiht, erhielt Day 1989 einen Sonderpreis für ihr Lebenswerk. 2004 ehrte US-Präsident George W. Bush die „amerikanische Ikone und Bereicherung der Kultur“ mit der Freiheitsmedaille, dem höchsten zivilen US-Orden. 2008 kam eine Grammy-Trophäe als Auszeichnung für ihre musikalischen Verdienste hinzu. Mit 89 Jahren stürmt Day noch einmal die Charts. Das Album „My Heart“ mit bis dahin unveröffentlichten Titeln aus früheren Jahrzehnten schaffte auf Anhieb den Sprung in die Top Ten der britischen Charts. (dpa)