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Downhill vor dem Aus?

Weil das Geld fehlt, könnte das beliebte Innenstadt-Rennen in Meißen in diesem Jahr ausfallen.

© hübschmann

Von Dominique Bielmeier

Ohne zu bremsen so schnell wie möglich die Strecke zwischen Albrechtsburg und Theaterplatz zurückzulegen – darum geht es seit über fünf Jahren beim Meißner City-Downhill. Jetzt könnte es mit dem Radrennen selbst bergab gehen. Schuld ist fehlendes Geld.

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„Es ist immer eine finanzielle Frage, so eine Veranstaltung durchzuführen und dabei keine Miese zu machen“, erklärt Andreas Krause, Sprecher des Gewerbevereins. Seit 2009 führt der Verein diese und viele andere Meißner Veranstaltungen wie Weinfest und Weihnachtsmarkt durch. Ohne dass sich die Stadt finanziell daran beteiligt, wie Krause sagt. Weil der Downhill aber ein Zuschussgeschäft bleibt, muss der Gewerbeverein jedes Jahr selbst die Finanzen ausgleichen. „Irgendwann muss man sich eben überlegen, ob man das weiter machen will.“

Der Verein habe die Veranstaltung damals ins Leben gerufen, um vor allem der Jugend in Meißen etwas bieten zu können. Und diese nahm den Downhill begeistert an. Im letzten Jahr haben sich knapp 200 Teilnehmer für das Rennen angemeldet. 150 von ihnen durften schließlich an den Start gehen – 30 mehr als ursprünglich geplant. Und auch rund um die Strecke lockt das Event unzählige Besucher an.

Doch das Rennen lief nicht immer unfallfrei ab. Im letzten Jahr verletzte sich ein Teilnehmer bereits beim Training schwer und musste sofort operiert werden. Er war gestürzt und hatte sich den eigenen Fahrradlenker in den Bauch gebohrt.

Solche Unfälle zeigen, wie unerlässlich Sicherheits- und Rettungsdienste vor Ort sind. Doch gerade die sind teurer geworden, weiß Andreas Krause vom Gewerbeverein. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Stadt sieht er deshalb keine Zukunft für das Rennen.

Doch die Verwaltung schweigt bisher zur Zukunft des Downhills. „Zurzeit sind wir noch im Gespräch, da ist es einfach zu zeitig, eine Aussage zu treffen“, erklärt Pressesprecher Jörg Böhme. Am Mittwoch wolle man sich mit dem Gewerbeverein und dem Stadtrat zusammensetzen und über die Finanzierung aller Meißner Feste in diesem Jahr sprechen. „Wir können jetzt schlecht sagen, wir wollen den Downhill erhalten oder nicht“, so Böhme. „Wir wissen, dass es eine tolle Sache für Jugendliche ist, aber wir kennen noch keine Kosten.“ Finanzen sollten laut dem Pressesprecher aber nicht allein eine Rolle bei der Abwägung spielen. „Es geht darum, zu schauen, was wir erhalten wollen, weil es bestimmte Effekte für die Stadt hat“, so Böhme. „Und vielleicht auch, was wir behalten wollen, obwohl ein Effekt auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.“

Sponsoren sollen Downhill retten

Enthusiastischer drückt sich da Martin Bahrmann aus. Der junge FDP-Stadtrat ist seit Jahren Fan des Downhills und hat sich selbst schon als ehrenamtlicher Streckenposten engagiert. Er sieht es als großen Verlust, wenn das Rennen abgeschafft würde. „Durch das Downhill bekommt man viel Leben in die Innenstadt und kann Meißen als junge Stadt darstellen“, sagt Bahrmann. „Dieses Event ist ja auch ein Alleinstellungsmerkmal. In der näheren Umgebung gibt es keinen anderen City-Downhill.“

Aber auch er weiß, dass zu seiner Erhaltung mehr Geld als bisher nötig sein wird: „Aufbau der Strecke, Rettungskräfte, Organisation und Werbung – das kostet natürlich alles.“ Vor allem bei der Sicherheit der Fahrer dürfe nicht gespart werden. „Mit mehr Geld könnten beispielsweise an mehr Stellen Notfalleinsatzteams des Deutschen Roten Kreuzes gebildet werden. Damit lässt sich die gesamte Strecke besser abdecken“, so Bahrmann. „Aber das kann schwerlich der Gewerbeverein alleine schultern.“

Der FDP-Politiker weiß auch, woher dieses Geld am besten kommen sollte: „Man muss sich um weitere Sponsoren bemühen.“ Auf die Frage, wie die Stadt dem Downhill helfen könnte, antwortet er verhalten. „Sie könnte zumindest schauen, ob sie das Rennen organisatorisch noch mehr unterstützen könnte, zum Beispiel durch Verkehrsmaßnahmen wie Straßensperrungen.“ Zu konkreten Finanzhilfen wollte auch Bahrmann sich nicht äußern. Zurzeit sei man mitten in der Haushaltsvorbereitung. „Da ist es zu früh, eine Aussage darüber zu treffen“, sagt er und wiederholt unbewusst die Worte des Pressesprechers. Jetzt müsse der Stadtrat entscheiden, wie es mit dem Downhill weitergeht.

Eine Minute und drei Sekunden hat der letzte Gewinner für die Strecke zwischen Albrechtsburg und Theaterplatz gebraucht. In diesem Jahr könnte es statt einem Gewinner nur Verlierer geben.