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Drähte, Batterie und weißes Pulver

Eine Paketbombe wurde gestern in der Kieler Staatskanzlei entschärft.

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Von Margret Kiosz,Kiel

Helle Aufregung im Kieler Regierungsviertel: Nach dem Eingang eines verdächtigen Päckchens ist gestern in der Staatskanzlei für anderthalb Stunden Bombenalarm ausgelöst worden. Gegen 12.30 Uhr kam die Entwarnung.

Die in der Staatskanzlei entdeckte „Bombe“ entpuppte sich als gut gemachte Attrappe. Ausgelöst hatte den Alarm ein aufmerksamer Mitarbeiter in der Poststelle des Regierungsviertels. Ihm war gegen 10.45 Uhr ein sonderbares, an Ministerpräsidentin Heide Simonis adressiertes Paket aufgefallen. Als er es vorsichtshalber unter ein Röntgengerät legte, wurden Drähte und elektronische Bauteile sichtbar. Bei einer ersten vorsichtigen Inspektion stieß er zudem auf weißes Pulver. Daraufhin wurden die 250 Mitarbeiter der Staatskanzlei und des im gleichen Gebäude untergebrachten Finanzministeriums evakuiert, Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und der Munitionsräumdienst alarmiert.

Verdächtige Substanzen

Nach kurzer Zeit war das Regierungsviertel an der Förde abgesperrt. Beamte durchsuchten das Gelände und Sprengstoffhunde schnüffelten nach verdächtigen Substanzen. Schleswig-Holsteins oberster Bombenentschärfer Elmer Wartmann sagte nach einem ersten Blick auf das ominöse Paket: „Das sieht kriminell aus, da sind Drähte, weißes Pulver und eine Batterie drin.“ Während im Inneren des Gebäudes die Sicherheitskräfte auf Hochtouren arbeiten, froren draußen die 250 Mitarbeiter, darunter auch Finanzminister Ralf Stegner und sein Staatssekretär. Das sei „krank im Kopf“, lautete sein Kommentar. Ministerpräsidentin Heide Simonis war nicht betroffen. Ihre Amtszimmer sind im Nachbarhaus.

Schließlich gab Wartenberg Entwarnung: Die vermeintliche Bombe war eine gut gemachte Attrappe. Das Paket und der Inhalt wurden von Kriminaltechnikern des Landeskriminalamtes Kiel untersucht.

Seit es vor wenigen Tagen Drohungen gegen die Politikerin Anke Spoorendonk des dänisch orientierten Südschleswigschen Wählerverbands (SSW) gegeben hatte, seien in Kiel die Sicherheitsvorschriften in Landtag und Ministerien verschärft worden, bestätigte Dieter Wenz, Sicherheitsbeauftragter des Landtages. Am Freitag vergangener Woche hatten sich SPD und Grüne in Kiel auf eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition in Schleswig-Holstein unter Tolerierung durch den SSW geeinigt. Das Modell war auf heftige Kritik gestoßen. (AP)