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Draghis Geldschwemme spült Sorgen hoch

Nach dem Paukenschlag der EZB mahnen Verbraucherschützer, an Bankkunden zu denken.

© dpa

Berlin/Frankfurt. Nach der historischen Zinsentscheidung von Europas Währungshütern wächst bei Verbraucherschützern die Sorge vor weiteren negativen Folgen zulasten der Bankkunden. Bundesbankpräsident Jens Weidmann verteidigte unterdessen die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Bild-Zeitung sagte Weidmann: „Wenn die Inflationsrate zu lange zu niedrig bleibt, kann eine Entwicklung drohen, welche die Wirtschaft lähmt und uns allen schadet. Deshalb haben wir gehandelt.“ Allerdings sei um den einstimmigen Beschluss im EZB-Rat, dessen Mitglied Weidmanns ist, hart gerungen worden: „Es war sicher keine leichte Entscheidung.“

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Die EZB hatte am Donnerstag ihren Krisenkurs verschärft und den Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt. Außerdem müssen Banken erstmals Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken, statt Kredite zu vergeben. Zugleich wollen die Währungshüter mit neuen Milliardenspritzen für das Bankensystem die Kreditvergabe ankurbeln. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zudem betont: „Wir sind hiermit nicht am Ende.“

Nach der Leitzinssenkung dringen nun die Grünen auf gesetzliche Obergrenzen, um Dispozinsen für die Kunden zu reduzieren. Hilflose Appelle an die Banken, diese zu senken, reichten nicht aus, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch. Verbraucher-Staatssekretär Gerd Billen hatte die Kreditwirtschaft aufgefordert, die Dispozinsen fürs Konto-Überziehen zu senken. Sie liegen oft bei mehr als zehn Prozent. Die Herabsetzung des Leitzinses zeige, dass die Institute sich noch lange Zeit sehr billig Geld leihen könnten. „Wenn Banken gleichzeitig für die Inanspruchnahme von Dispo-Krediten völlig überzogene Zinsen nehmen, ist das aus Sicht der Verbraucher unverständlich.“

Sparer und Bankkunden dürften die EZB-Beschlüsse nach Experteneinschätzung nicht unbedingt unmittelbar zu spüren bekommen. „Bei Tagesgeldkonten liegen die Zinsen derzeit im Durchschnitt bei 0,67 Prozent“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. Dieses Niveau werde sich voraussichtlich in etwa halten. „Allerdings wird der Zins bei den guten Angeboten sinken.“

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon versicherte, dass die beschlossenen Strafzinsen für Banken nicht an Kunden weitergegeben würden. Tatsache sei aber, dass die niedrigen Zinsen zunehmend das Geschäft der Sparkassen belasteten. (dpa)