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Drehkreuz dreht Abschiedsrunden

Der Münzautomat des Aussichtsturms am Berzdorfer See ist außer Betrieb. Aber das Drehkreuz bekommt eine neue Aufgabe.

© Matthias Weber

Von Susanne Sodan

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Welch ein Leben! Immer von schöner Natur umgeben, immer ein super Blick auf den Berzdorfer See – über seinen Standort kann sich das Drehkreuz am Fuß des Aussichtsturms an der Neuberzdorfer Höhe nicht beschweren. Und wenn Besucher kommen, kann das Kreuz jedes Mal ungestraft durchdrehen. Aber seit einiger Zeit ist es arbeitslos. Früher war es so eine Art Türsteher, hielt die Besucher auf, die ihren Eintritts-Euro nicht gezahlt hatten. Wegen technischer Schwierigkeiten, vor allem aber, weil Turm und Bezahlsystem immer wieder das Ziel von Zerstörungswut wurden, setzte die Gemeinde Schönau-Berzdorf es außer Betrieb. Man kann kostenlos auf den Turm. Das Drehkreuz hängt jetzt, ohne Job, nur noch rum. Aber ein Zittauer Unternehmer ist auf das Drehkreuz aufmerksam geworden – und will es der Gemeinde abkaufen. Bald wird es wieder Arbeit haben.

Seit vergangenem Frühjahr ist das Bezahlsystem außer Betrieb.
Seit vergangenem Frühjahr ist das Bezahlsystem außer Betrieb. © Matthias Weber

Im vergangenen Gemeinderat von Schönau-Berzdorf stand der Drehkreuz-Verkauf auf der Tagesordnung. Wie in der Sitzung zu entnehmen war, will es ein Zittauer Unternehmer eines Industriebetriebes kaufen und es wohl für einen Betriebsparkplatz nutzen. Ein zurückhaltender Mann, der sich gegenüber der SZ nicht gerne äußern wollte. In der Gemeinderatssitzung erzählte Bürgermeister Christian Hänel, der Firmeninhaber sei wohl bei einem privaten Besuch auf der Neuberzdorfer Höhe darauf aufmerksam geworden, dass das Drehkreuz am Fuß des Aussichtsturmes gar nicht mehr in Nutzung ist und habe sich bei der Gemeinde danach erkundigt. „Wir brauchen es nicht mehr und müssen es ohnehin abbauen“, sagt Hänel. Bevor es im Bauhof verstaubt, könne man es auch für eine neue, sinnvolle Nutzung verkaufen. Für 2 000 Euro soll es jetzt nach Zittau gehen.

Das Geld soll nach den ersten Überlegungen für Arbeiten am Turm genutzt werden. „Ein bisschen Farbe könnte der mal wieder vertragen“, sagte Gemeinderat Norman Möhle. In den Turm hat die Gemeinde in den vergangenen Jahren viel Geld gesteckt. Vor knapp 10 Jahren wurde er gebaut, kostete insgesamt rund 330 000 Euro. Zehn Prozent musste die Gemeinde als Eigenmittel zahlen. Etwa 10 000 konnten über Spenden ausgeglichen werden, blieben rund 23 000 Euro, die die Gemeinde aufbringen musste. Sie hoffte, dass das Geld auch über den Turm-Eintritt wieder reinkommen würde. Von Anfang an war am Fuß des Turms ein Bezahlsystem mit Kassenautomat und Drehkreuz installiert. Das brachte aber auch Probleme. Manchmal schien das Drehkreuz seine Arbeit einfach zu ernst zu nehmen – und ließ auch Leute nicht durch, die ihren Euro gezahlt hatten. Es war aber nicht sein Fehler, der lag woanders, vermutlich beim Mechanismus, der Münzautomat und Drehkreuz koordinierte. Eine andere Vermutung war, dass es im Winter an der Solar-Stromversorgung liegen könnte.

Das Hauptproblem lag aber woanders: Zerstörungswut. „Das Kreuz selber ist zwar immer heil geblieben“, sagte Norman Möhle. Der Münzautomat nebenan war dafür umso öfter das Ziel. Wie oft es Einbruchsversuche an dem Automaten gegeben hat, wie oft Leute versuchten, mit Unterlegscheiben statt Geld zu zahlen, wie oft über Nacht Graffiti am Turm auftauchten, wie oft die Lampen des Turmes zerschlagen wurden – der Überblick ist schlicht verloren gegangen. Die Einnahmen auf der einen Seite und die Ausgaben für Reparatur- und Sicherungsarbeiten auf der anderen Seite sollen zum Schluss in keinem Verhältnis mehr gestanden haben. Im März 2017 nahm die Gemeinde das Bezahlsystem außer Betrieb und die Beleuchtung ab. Die Bezahlanlage mit Drehkreuz hatte die Gemeinde zunächst stehen lassen, in nächster Zukunft sollte sie aber ohnehin abgebaut werden.

Ein bisschen Wehmut schwingt bei dem Thema mit. „Früher haben wir mal ganz anders über den Turm gesprochen“, erinnerte Andreas Klonz in der Gemeinderatssitzung. Der Turm war in den vergangenen Jahren durchaus ein Posten bei den Einnahmen der Gemeinde, von dem man anfangs hoffte, ihn länger als zehn Jahre halten zu können.

Norman Möhle sieht die Sache mit Pragmatismus. Man sei damals mit Euphorie rangegangen, räumt er ein. „Aber der Turm hat ja auch gut Geld gebracht.“ Wie Christian Hänel vergangenes Jahr erzählte, konnten der Eigenanteil vom Bau des Turmes durch die Eintrittsgelder tatsächlich refinanziert werden. „Wir hatten aber viel mit Vandalismus zu kämpfen“, so Möhle. Im Gemeinderat hatte er gesagt: „Das Drehkreuz ist jetzt ohne Funktion. Wenn es noch beschädigt wird, können wir es wegwerfen.“ Auf zu neuen Ufern – oder auch zu neuen Parkplätzen –, auf nach Zittau.