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Drei Baustellen sind schon vergeben

Investor Wolfgang Bothur drängt auf baldigen Baustart. Doch im Hintergrund wird noch um eine Sache gepokert.

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© Anne Hübschmann

Von Jörg Richter

Strießen. Die Atmosphäre scheint entspannt. Die Priestewitzer Bürgermeisterin Susann Frentzen, Investor Wolfgang Bothur und Immobilienmakler Jörg Heller duzen sich. Immerhin haben sie ein gemeinsames Ziel: die neue Eigenheimsiedlung Strießen-Süd. Für Bothur bedeutet das Arbeit für seine Tiefbauer, für Heller springt eine gut bezahlte Provision heraus, und Bürgermeisterin Frentzen kann auf rund 50 neue Einwohner hoffen. Letztere bringen jedes Jahr rund 1000 Euro Schlüsselzuweisungen vom Land – pro Kopf! „Damit kann man schon ein paar Gehwege bauen“, sagt Susann Frentzen. Zum Beispiel das fehlende Stück Gehweg in der Mitte der Strießener Dorfstraße. Da klafft zurzeit noch eine Lücke. Sie soll im Zuge der Neuansiedlungen geschlossen werden.

15 Eigenheime sollen hier gebaut werden. Drei Baustellen sind schon vergeben. Heller frohlockt. Schon vor Beginn der Erschließungsarbeiten ein Fünftel der Parzellen verkauft zu haben, stimme ihn optimistisch, dass Strießen-Süd ein Erfolg wird.

Nur Bothur stimmt noch nicht in die Jubel-Arie ein. „Wir müssen bis April mit der Erschließung fertig werden“, sagt er. Die ersten Käufer wollen dann mit dem Bauen beginnen und er sich nicht Ärger mit deren Banken einhandeln.

Bothur drängt darauf, dass der Priestewitzer Gemeinderat endlich die letzten notwendigen Beschlüsse für den ersten Spatenstich in Strießen-Süd fasst. Am besten sofort, damit seine Leute noch vor Wintereinbruch anfangen können.

Doch im Hintergrund wird um eine Sache gepokert: Wie wird die Birnenallee befestigt, und wer bezahlt das?

Das Duo Bothur und Heller hat der Gemeindeverwaltung angeboten, die Birnenallee mit einer zweifachen Spritzasphaltdecke zu versehen. Die beiden Investoren sehen das als großes Entgegenkommen ihrerseits, denn die Birnenallee gehöre schließlich nicht zu ihrer Eigenheimsiedlung. Doch um im neuen Wohngebiet einen Wendehammer zu vermeiden, der wertvolle Baufläche verschlingt, sei Investor Bothur zu diesem Kompromiss bereit.

Allerdings gibt es im Priestewitzer Gemeinderat große Bedenken, dass diese dünne Asphaltschicht lange hält. „Ohne einen ordentlichen Unterbau auf der Birnenallee bringt das gar nichts“, sagte Gemeinderat Manfred Apitz in der letzten Gemeinderatssitzung im Oktober. Er ist selbst Bauplaner und weiß, wovon er spricht. Man müsse kein großer Hellseher sein, um vorauszusagen, dass der Spritzasphalt nach wenigen Jahren brechen wird. „Für mich ist dieser Punkt noch nicht geklärt“, so Apitz.

Laut Bürgermeisterin Frentzen sei der grundhafte Ausbau der Birnenallee Teil des Vertrages mit Bothur. Heller dementiert. Es gebe nur eine Vereinbarung über den zweilagigen Spritzasphalt.

In der nächsten Sitzung am 23. November soll der Gemeinderat den Bebauungsplan zur Eigenheimsiedlung Strießen-Süd beschließen. Stimmen die Räte zu, können Bothurs Bagger und Lkw anrollen. – Doch was, wenn nicht?