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Geld und Recht

Drei deutsche AdTech-Pioniere 

Die Branche der digitalen Außenwerbung sieht sich aktuell mit festgefahrenen und etablierten Strukturen konfrontiert, von denen vor allem die großen Player auf dem Markt profitieren. 

Antonius Link, Vincent Müller und Fritz Frey in den neuen Räumlichkeiten in Berlin.
Antonius Link, Vincent Müller und Fritz Frey in den neuen Räumlichkeiten in Berlin. © Bildquelle: HYGH

Das junge AdTech-Unternehmen HYGH möchte dieses System mit seinem eigenen Modell aufbrechen und strebt revolutionäre Maßnahmen an.

HYGH: der Kampf David gegen Goliath

Digitale Außenwerbung ist allgegenwärtig und in fester Hand. Branchenriesen prägen mit ihren Werbeflächen und -screens urbane Landschaften und menschliche Ballungszentren wie Bahnhöfe oder Einkaufsstraßen. Über die Jahre hinweg haben sich diese Unternehmen auf dem Markt etabliert und monopolartige Strukturen systematisiert.

Diese Strukturen sind die Antriebskraft für HYGH. Dem zugrunde liegt die aufkeimende Frustration, einen gänzlich anderen Weg einzuschlagen. Die verantwortlichen Personen hinter dem Start-up erlebten vor der Gründung die ernüchternden Gesetze des Marktes, die einen finanziellen Aufwand jenseits von 50.000 Euro für eine Kampagne fordern und keine Flexibilität innerhalb laufender Kampagnen zulassen. Fritz Frey hierzu im Interview: ” Unser Plan war es eine Summe von etwa 50.000€ zu investieren, worin bereits die erste Hürde lag. Man wimmelte uns ab, da 50.000€ nicht ausreichend seien. Nach längeren Diskussionen entschieden wir uns dann eine Woche später, unsere Werbebudget auf 100.000€ zu erhöhen und so war man eher dazu bereit, sich mit uns an einen Tisch zu setzen.”

Meistens bieten Unternehmen diverse Pakete an, die von Werbetreibenden in einem festen Ablauf gebucht werden können. HYGH greift an diesen Punkten an und scheut nicht davor zurück, der eingesessenen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Dabei ist gerade die Flexibilität ein wichtiger Faktor bei HYGH. “Bei den aktuellen Anbietern sind Bildschirme nicht einzeln buchbar, sondern nur als ganze Netzwerke und die Designs muss man mindesten drei Monate im Voraus abgeben. Das war für uns zu unflexibel” ergänzt Antonius Link die persönlichen Erfahrungen der Gründer von damals. 

HYGH: AdTech aus Berlin

Die Mission des Start-ups ist klar definiert. Die bestehenden Strukturen der DOOH-Werbung (Digital-Out-of-Home) sollen durchbrochen werden. Die aktuelle Schwerfälligkeit, Zentralisierung und Inflexibilität sollen überwunden werden und durch ein revolutionäres Modell ersetzt werden. Langfristig soll HYGH der weltweite Standard in der Werbebranche werden.

Die Zukunft der Außenwerbung will das AdTech-Unternehmen mit dem Aufbau eines globalen digitalen Außenwerbenetzwerks mit der neuesten Technologie in diesem Bereich einläuten. Durch eine P2P-Plattform, in denen Werbetreibende und Anbieter digitaler Werbedisplays auf allen Ebenen korrespondieren können, sollen eine Dezentralisierung sowie eine Öffnung des Marktes vonstattengehen.

Das gesamte Content-Management-System lässt sich für beide Parteien simpel und bequem über eine App verwalten. Einzelpersonen, Start-ups, mittelständischen Unternehmen, großen Konzernen und anderen Interessierten wird es, losgelöst von Budget, Ressourcen und Unternehmensgröße, ermöglicht, digitale Außenwerbung zu schalten.

Auf der anderen Seite kann jeder Werbeanbieter ein passives Einkommen generieren, indem er Werbung in seinen Geschäftsräumlichkeiten schaltet, sei es eine Lokalität, ein Restaurant oder ein Hotel. Leichter kann digitale Außenwerbung nicht sein.

HYGH hat seinen Sitz in Berlin und will den DOOH-Markt aufwirbeln. 
HYGH hat seinen Sitz in Berlin und will den DOOH-Markt aufwirbeln.  © Bildquelle: HYGH

Das Konzept im Beispiel

Die Simplifizierung der Branche möchte HYGH durch die Aspekte Echtzeit, Hyperlokalität und Zeitspezifität weiter intensivieren. Kampagnen können in Echtzeit modifiziert werden, um auf aktuelle Geschehnisse zu reagieren.

Ein Dachdeckerunternehmen hat beispielsweise aktuell eine Kampagne auf einem Werbedisplay laufen, das sich in einem lokalen Restaurant befindet. Die Lokalität hat eine große Glasfront, so dass ein freier Blick nach draußen möglich ist. Zur Abendstunde ist das Restaurant sehr gut besucht und über die Zeit setzt ein Hagelsturm ein, der Sachschäden unter anderem an Gebäuden verursacht.

Das Dachdeckerunternehmen kann auf diese Entwicklung in Echtzeit reagieren und ihrer aktuellen Kampagne Nachdruck verleihen. Durch einen prägenden Werbeslogan wie „Schützen Sie ihr Zuhause vor Wind und Wetter“ kann die Situation zum Vorteil genutzt werden und direkt an potenzielle Rezipienten appelliert werden.

Finanzierungsprozess für Jedermann

Für die erfolgreiche Umsetzung der angestrebten Ziele im HYGH-Team sorgen die drei Gründer Fritz Frey (Investor Relations & Mitgründer), Antonius Link (Hardware & Mitgründer) und Vincent Müller (CEO & Mitgründer). Neben der Führungsetage arbeiten für das AdTech-Unternehmen Menschen aus aller Welt, die sich aus einer Gruppe von Innovatoren und Changemakern zusammenstellen. Das technologische Know-how ist zweifelsfrei vorhanden.

Trotz der ambitionierten Ziele steht HYGH noch am Anfang und muss durch Startkapital ins Laufen gebracht werden. Für den Finanzierungsprozess hat sich das Unternehmen für ein Blockchain-Crowdfunding über Security Token Offering (STO) entschieden. Dafür wurde eigens die Kryptowährung HYGH Security Token ins Leben gerufen, die den Bestimmungen der US-amerikanischen Börsenaufsichten sowie den Schweizer Finanzregulatoren unterliegen. Anleger sollen durch diesen Finanzierungsprozess profitieren. Token-Inhaber haben das Anrecht auf neun Prozent vom Gesamtumsatz, der innerhalb des HYGH-Ökosystems durchgeführt wird.

Auf der größten Messe zum Thema Digitalisierung und Werbung, der DMEXCO präsentiert sich HYGH in diesem Jahr dem Fachpublikum und wird beweisen, ob es den großen Ansprüchen gerecht wird. Man ist gespannt und freut sich auf ein wenig Abwechslung im ewig gleichen Anzeigenwald.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin F. Vogelberg.