Merken

Drei Einbrüche in einer Nacht bei Eisenbahnfreunden

Zwei Unbekannte dringen in das Löbauer Maschinenhaus und den Modellbahnhof ein. Osef-Chef Alfred Simm glaubt an Insider als Täter.

Teilen
Folgen
© R. Sampedro

Von Markus van Appeldorn

Löbau. Die Einbrecher hatten wahrscheinlich bloß darauf gewartet, dass Alfred Simm das Depot vom Maschinenhaus verlässt. „Weil 21 Vereinsmitglieder am Sonnabend mit einem Sonderzug nach Zwickau unterwegs waren, habe ich die Räume geheizt und den Ofen versorgt, damit sie bei ihrer Rückkehr warmes Wasser haben“, erzählt der Chef der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde (Osef) der SZ. „Um 20.15 Uhr habe ich dann hier abgesperrt.“

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Dann schlugen die Einbrecher zu. Oder besser: Sie traten zu. Mit einem kräftigen Fußtritt öffneten sie die Außentür zu dem kleinen Verwaltungsgebäude auf dem Gelände und auf die gleiche Weise eine Tür im Inneren. So gelangten sie in ein Büro und einen Raum, in dem der Verein historische Fahrkarten-Automaten ausstellt und Getränke gelagert hat. Als der Sonderzug um 21.35 Uhr wieder zurückkehrt, bemerken die Vereinsmitglieder den Einbruch. Ohne die Räume zu betreten, alarmieren sie die Polizei. Nachdem die Beamten die Einbruchsspuren gesichert hatten, nahmen die Eisenbahner das ganze Ausmaß des Schadens in Augenschein. „Der ganze Raum war verwüstet“, erzählt Alfred Simm, „aber Alkohol trinken die Einbrecher anscheinend nicht. Das Bier haben sie stehen lassen und stattdessen eine Dose mit Gummibärchen geplündert.“ Allerdings konnten die Eisenbahnfreunde nicht feststellen, dass irgendetwas fehlte. „Wir haben einen Schreiner im Verein, der die Türen noch in der Nacht provisorisch gesichert hat“, erzählt Simm. Gegen Mitternacht hätten die letzten Eisenbahnfreunde dann das Gelände verlassen.

Doch damit war der Einbruch noch nicht beendet. Denn wie sich zeigte, hatten die Täter doch etwas mitgehen lassen: Schlüssel zur Halle der Modellbahnausstellung des Vereins auf der anderen Seite der Gleise. „Wegen Arbeitstagen im Modellbahnhof schlief in dieser Nacht ein Mitarbeiter dort“, erzählt Simm. Und der wurde um 1.35 Uhr wach und stand auf, weil er Geräusche an der Tür und in den Räumen hörte. Das Vereinsmitglied machte auf sich aufmerksam, rief, ob da jemand sei. In der Kantine sah er dann ein geöffnetes Fenster. „Er hat zwei Männer über die Gleise flüchten sehen“, sagt Alfred Simm, „die Täter müssen ziemlich sportlich sein. Das Fenster ist etwa zwei Meter hoch, da springt man nicht so einfach runter.“

Wie sich später aufgrund der Spuren im Schnee herausstellte, liefen die Täter noch mal zum Maschinenhaus. Möglicherweise wollten sie Werkzeug abholen, das sie bei ihrem Verschwinden dort zurückgelassen haben. Jedenfalls wollten sie erneut die geflickte Außentür eintreten. „Unser Schreiner hat die so gesichert, dass die nicht mehr mit einem Tritt zu öffnen ist. Wir gehen davon aus, dass der Tritt gegen die Tür wehgetan hat“, erzählt Alfred Simm.

Aufgrund des Vorgehens und weiterer Indizien hat er einen klaren Verdacht: „Das waren Täter mit Ortskenntnis. Womöglich haben die mal hier gearbeitet, in welchem Verhältnis auch immer.“ Simm vermutet, dass mindestens einer der Täter mal gerichtlich angeordnete Sozialstunden bei den Eisenbahnfreunden ableisten musste. Es sei nicht der erste Einbruch in das Maschinenhaus, bei dem die Täter Ortskenntnis bewiesen. „Einmal haben Einbrecher ganz gezielt einen bestimmten Mitarbeiter-Spind aufgebrochen, in dem auch die Kaffeekasse aufbewahrt wird“, erinnert sich Simm. Ein weiteres Indiz bei dem aktuellen Einbruch weist für Simm auf gewisses Experten-Wissen hin: „Ein vergittertes Fenster in dem Verwaltungsgebäude war von innen geöffnet“, sagt er. Er geht deshalb davon aus, dass die Täter auch wegen der vielen auf dem Gelände geparkten Autos wussten, dass ein Zug des Vereins kommen würde. „Die haben das Fenster geöffnet, um den einfahrenden Zug besser zu hören“, sagt Simm.

Die Stimmung im Verein ist wegen des aktuellen Einbruchs schlecht. „Der Trend geht dahin, dass Mitglieder wünschen, keine Leute mehr zu beschäftigen, die Sozialstunden leisten müssen“, sagt Simm. Er erklärt, wie teuer den Verein der erneute Einbruch zu stehen kommt. Die Polizei beziffert in ihrem Bericht über den Einbruch den entstandenen Sachschaden zwar nur auf rund 250 Euro – aber Alfred Simm kennt die wahren Folgekosten: „Viel mehr als die Reparaturen an den Türen werden die nun notwendigen Sicherheitsmaßnahmen kosten“, sagt er. Der Verein will nun weitere Türen mit Gittern gegen Einbruch sichern. „Über 10 000 Euro wird das kosten“, sagt Simm. Geld, das dem Verein für andere notwendige Ausgaben zum Erhalt der historischen Fahrzeuge fehlt. Er hofft nun, dass die Eisenbahnfreunde bei der Vereinsvoting-Aktion der Löbauer Stadtwerke (bis 31. März) auf einen Rang mit Siegprämie kommen.

https://www.sw-l.de/index.php/umfrage