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Drei Milliarden Dollar für eine Kopfhörer-Firma

Warum Apple so viel Geld auf einmal ausgibt, statt die Technik einfach selbst zu entwickeln.

© dpa

Cupertino. Auf den ersten Blick sieht das nach Geldverschwendung aus. Apple zahlt drei Milliarden Dollar für die Musik-Firma Beats – für einen Kopfhörer-Hersteller und einen Musik-Abodienst mit gerade einmal 250 000 Nutzern. Drei Milliarden? Dafür kann man die besten Kopfhörer der Welt mit neuesten Technologien bauen, zumal Apple mit seinen weißen Ohrstöpseln ja kein Neuling in dem Bereich ist. Der Konzern könnte sicher auch einen eigenen Abo-Dienst entwickeln – und Beats Music ist im Vergleich zu Apples 800 Millionen iTunes-Kunden noch ein Winzling.

Apple-Chef Tim Cook räumt mit entwaffnender Offenheit ein, dass der iPhone-Konzern auch selber die Ärmel hätte hochkrempeln können. „Wir könnten so ziemlich alles bauen, was Sie sich erträumen können“, sagte er auf eine entsprechende Frage in einem Interview des Blogs „Recode“. Aber den fertigen Beats-Dienst zu kaufen, das sichere Apple einen Vorsprung. „Das gibt uns Leute, die nicht auf Bäumen wachsen. Sie sind kreative Seelen, verwandte Geister.“ Das sind ungewöhnlich wortreiche Begründungen für ein Unternehmen, das seine Zukäufe bisher lieber ganz verschwieg oder einsilbig bestätigte.

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Aber der Kauf von Beats ist ein Sonderfall mit extra Erklärungsbedarf. Schon als die Pläne vor drei Wochen durchsickerten (die SZ berichtete), kratzten sich Branchenexperten und auch wohlwollende Apple-Blogger verwundert den Kopf. Warum ausgerechnet Beats zu diesem exorbitanten Preis? Und was will Apple mit den klobigen Kopfhörern, die optisch nicht so recht zur Eleganz der Apple-Geräte passen?

Bei diesem Deal gehe es nicht um das Hier und Jetzt, sondern um die Zukunft, betonte Cook. Und sie scheint den Streaming-Diensten wie Beats zu gehören, bei denen die Musik direkt aus dem Netz abgespielt wird. Sie machen zwar erst einen Bruchteil des weltweiten Musikmarkts aus. Nach Zahlen des Branchenverbandes IFPI erlösten die Abo-Angebote wie Spotify, Rdio oder Deezer im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Dollar bei insgesamt 28 Millionen Nutzern. Aber es war ein Umsatzsprung von 51 Prozent.

Dagegen geben die Apple-Kunden laut Experten-Schätzungen weniger Geld für Musikkäufe aus. Mit Beats holt sich Apple nun sozusagen die Totengräber seines bisherigen Musik-Geschäftsmodells ins Haus. Und zwar mit einer separaten Marke, um nicht automatisch den Geldfluss von iTunes abzuschneiden.

An die Stelle des Musikalbums treten Playlisten aus einzelnen Songs – und die richtig zusammenzustellen, sei die wahre neue Kunst, betonen Apple und Beats. (dpa)