merken

Drei Prognosen für den Arbeitsmarkt

Seit vier Wochen gilt der Mindestlohn. Gibt es deshalb am Donnerstag überraschende Zahlen für die Oberlausitz?

© dpa

Tilo Berger

Anzeige
Das haben die Filmnächte zu bieten

Deutschlands größtes Freilicht-Kino ist zurück! In der 29. Saison finden vor der schönen Kulisse Dresdens zahlreiche Veranstaltungen für Jung und Alt statt. 

Es wird so sein wie immer und doch ganz anders. Wie jeden Monat einmal tritt der Bautzener Arbeitsagentur-Chef Thomas Berndt am Donnerstagvormittag mit den neuesten Zahlen vor die Presse. Er kommentiert die Zahlen, ordnet sie ein in die wirtschaftliche Situation der Oberlausitz, gibt einen Ausblick.

Und doch ist diesmal etwas ganz anders als sonst. Es sind die ersten Arbeitsmarkt-Zahlen seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde. Für eine Zwischenbilanz, wie sich der Mindestlohn gerade auf kleine und mittlere Firmen auswirkt, ist es wahrscheinlich noch zu früh. Eine erste Standortbestimmung indes wird Berndt wagen. Im November, kurz nach seinem Amtsantritt, gab er diese Prognose ab: „Wir können nicht erwarten, dass er gar keine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben wird. Aber ich rechne weder für bestimmte Branchen noch für bestimmte Orte mit einem hohen Anstieg der Arbeitslosenzahlen.“

Kündigungen und weniger Praktika

Seitdem wurde in einigen Görlitzer Kindertagesstätten das tägliche Mittagessen um 20 Cent teurer, weil die Auslieferer der Mahlzeiten jetzt Mindestlohn bekommen. Das Bischofswerdaer Hotel „Evabrunnen“ hat zwei Mitarbeitern gekündigt und die Öffnungszeiten reduziert. In der Lausitzhalle Hoyerswerda haben 16 Teilzeitbeschäftigte jetzt einen neuen Arbeitgeber. Eine Dienstleistungsfirma kann den Garderobenfrauen und technischen Mitarbeitern die 8,50 Euro zahlen, die Lausitzhalle selbst könnte das nicht. Im Naturschutz-Tierpark Görlitz wurde zum Jahresende vier geringfügig Beschäftigten gekündigt, drei arbeiten jetzt verkürzt. Tierpark-Chef Sven Hammer ist darüber nicht glücklich: „Sicher ist, dass wir deutlich weniger Pflege- und Unterhaltsmaßnahmen durchführen können, was sicher dem einen oder anderen Besucher auffallen wird.“

Jede dritte Firma denkt über Personalreduzierung nach

Zwei Kündigungen im Bischofswerdaer Hotel, vier im Görlitzer Tierpark – und sicher sind es noch einige mehr in der Oberlausitz. Etwa jede dritte Firma zieht in Betracht, als Folge des Mindestlohns Personal zu reduzieren. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass sie das auch tut. Die Zahl stammt aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden, deren Ergebnisse am Mittwoch vorgestellt wurden. 14 Prozent der Firmen erwägen, künftig weniger Plätze für Praktika zur Verfügung zu stellen. Dresdens IHK-Präsident Günter Bruntsch hält es aber für verfrüht, schon ein Fazit zu den Auswirkungen des Mindestlohns ziehen zu wollen. Das sei erst in ein bis zwei Jahren möglich.

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg will sich noch nicht festlegen. Das Institut der Bundesarbeitsagentur gibt für den Arbeitsagenturbezirk Bautzen drei mögliche Prognosen für 2015 ab. Der günstigsten zufolge sinkt die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt von zuletzt 29 900 auf 25 700. Im schlechtesten Fall gäbe es 31 800 Arbeitslose, deutlich mehr als 2014. Wahrscheinlich aber dürfte sich laut dritter IAB-Prognose die Arbeitslosenzahl bei durchschnittlich 28 700 einpegeln, das wären etwa 1 200 weniger als im vergangenen Jahr.

Gewerkschafter auf der Hut

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) berichtet von zahlreichen Anfragen zum Thema Mindestlohn – einmal an der zentralen DGB-Hotline 0391 4088003, aber auch hier vor Ort. Der Bautzener DGB-Kreisvorsitzende Stephan Hennig berichtet: „Da geht es vor allem um die Überprüfung des Mindestlohnes; einige Betriebe sind auch hier wieder erfinderisch und rechnen auch den Händedruck des Geschäftsführers ein.“

Der DGB will zusammen mit den Gewerkschaften und der DGB Rechtsschutz GmbH (Büro Bautzen) Ende Februar, Anfang März im Bautzener Gewerkschaftshaus zusätzliche Beratungen anbieten. Dort bekommen Arbeitnehmer die Möglichkeit, ihre Verdienstabrechnung auf Richtigkeit prüfen zu lassen.

Zusätzliche Beratungsmöglichkeiten im DGB-Haus in Bautzen, Dr.-Maria-Grollmuß-Straße: 21. Februar von 13 bis 18 Uhr; 22. Februar von 9 bis 13 Uhr; 6. März von 13 bis 18 Uhr; 7. März von 9 bis 13 Uhr.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special