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Drei Zicklein und ein schwarzes Lamm

Im Wildpark Osterzgebirge tut sich was. Das konnte ein junger Mann hautnah erleben.

© SZ/Maik Brückner

Von Maik Brückner

Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Geising. Diesen Tag wird Stefan Goro so schnell nicht vergessen. Eigentlich sollte der junge Mann aus Friedrichswalde-Ottendorf nur das Ziegengehege im Wildpark Osterzgebirge säubern. Dabei fiel ihm zwar auf, dass sich eines der Tiere merkwürdig verhielt. Doch zunächst dachte sich der 22-Jährige nichts dabei. Dann aber ging alles sehr schnell. Die Ziege gebar ein Zicklein. Stefan Gora, der seit Oktober ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Wildpark absolviert, eilte zu den Tierpflegern, um Hilfe zu holen.

Tierpflegerin Maika Naß mit „ihrem schwarzen Schaf“.
Tierpflegerin Maika Naß mit „ihrem schwarzen Schaf“. © SZ/Maik Brückner
Die anderen Kamerun-Schafe sehen ihren Müttern ähnlich.
Die anderen Kamerun-Schafe sehen ihren Müttern ähnlich. © SZ/Maik Brückner

Maika Naß war schnell zu Stelle. Gemeinsam trockneten sie das Zicklein und trugen es in den warmen Stall. Dorthin wurde auch die Mutter gebracht. Als Stefan Gora ihr Wasser geben wollte, gebar die Ziege in kurzen Abständen noch zwei weitere Zicklein. Maika Naß und Stefan Gora kümmerten sich auch um diese beiden. „Alles ist gut verlaufen“, sagt die Tierpflegerin und lobt ihren Helfer. „Stefan hat sehr gut mitgeholfen. Er hat seine Feuertaufe bestanden.“ Der junge Mann hört das gern. Letztlich ist es auch eine Bestätigung, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Nach dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) möchte er Tierpfleger werden.

Das sei nichts Ungewöhnliches, sagt Wildparkleiter Frank Gössel. Seit 2012 lädt seine Anlage junge Leute ein, diese Art des Praktikums zu machen. Partner ist die Grüne Liga in Freiberg, die sich um die bürokratische Abwicklung und die Seminare kümmert, die im Rahmen dieses Praktikums stattfinden. Viele, die das FÖJ absolviert haben, sind Tierpfleger geworden, eine junge Frau hat Tiermedizin studiert, erzählt Frank Gössel. Er habe bisher gute Erfahrungen mit den FÖJlern gemacht. „Die jungen Leute, die in der Vergangenheit das FÖJ gemacht haben, kamen motiviert in den Wildpark.“ Sie hätten Interesse mitgebracht, möglichst viel zu lernen.

So ist es auch bei Stefan Gora, der gern mit Tieren arbeitet. Zuhause kümmert er sich um einen Hund und zwei Katzen. Hier im Wildpark sei die Arbeit schon abwechslungsreicher, sagt er. Und das liegt auch daran, dass immer wieder mal neue Tiere dazukommen. Denn nicht nur die Ziege, der er bei der Geburt geholfen hat, hat Nachwuchs bekommen. Auch eine bekannte Mitbewohnerin ist Mutter geworden. Diese wurde im Sommer 2015 von Bundespolizisten an der Autobahn A 17 aufgelesen und dem Wildpark übergeben. Kurz danach hat sie als Autobahnziege Schlagzeilen gemacht. Ihr jüngstes „Baby“ war so groß, dass der Tierarzt bei der Geburt helfen musste. Unproblematischer ging es bei den Kamerun-Schafen zu, die sich in den letzten 14 Tagen auch über Nachwuchs freuen konnten. Darunter ist auch ein besonderes Lamm, sagt Tierpflegerin Maika Naß. Während die anderen drei Jungtiere ein braunes Fell wie ihre Mütter haben, fällt das vierte aus der Rolle. Es hat ein schwarzes Fell. „Na ja, überall gibt es ein schwarzes Schaf“, sagt Maika Naß mit einem Lächeln.