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Corona: Zusammenhalten im Altenheim

Barbara Fleck leitet ein Altenpflegeheim in Dresden. Wie sie den Bewohner trotz Krise ein Lächeln ins Gesicht bringt, und was ihr momentan dringend fehlt.

Barbara Fleck, Heimleiterin beim Deutschen Roten Kreuz.
Barbara Fleck, Heimleiterin beim Deutschen Roten Kreuz. © Anne Schönharting / Ostkreuz

Dresden. Normalerweise herrscht im Pflegeheim in Pieschen ein bunter Trubel aus vielen Angeboten für die Bewohner und regem Besuchsbetrieb. Kinder und Enkel bringen Blumen und Geschenke vorbei, holen ihre Eltern oder Großeltern zum Spazieren ab oder schauen auf eine Tasse Kaffee vorbei. Doch in diesen Tagen ist es, wie überall in der Stadt, sehr ruhig. Im Zuge der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt ein Besuchsverbot in der Pieschener Einrichtung. So wie in allen anderen Pflegeheimen in der Stadt. 

"Unsere Bewohner sind natürlich traurig, dass sie keinen Besuch von ihren Angehörigen bekommen dürfen, aber wir probieren das Beste daraus zu machen", erzählt Barbara Fleck, Heimleiterin im Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes in Pieschen. Ihre Mitarbeiter helfen den Bewohnern beim Telefonieren mit Kindern oder Enkeln, wählen die Nummer oder halten bei Bedarf das Telefon ans Ohr. "Es hilft sehr, wenn unsere Senioren wenigstens die Stimme ihrer Lieben hören können", so Fleck. 

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70 Bewohner leben in dem Heim, viele von ihnen sind dement. Ihnen zu erklären, wie die aktuelle Lage in Deutschland und in Dresden ist, sei sehr schwer, sagt die Heimchefin. Auch die Demenzkranken spüren die Unsicherheit, die gerade viele Dresdner angesichts der Krise empfinden. "Viele von unseren alten Leutchen fragen immer wieder, warum sie keiner besuchen kommt. Ihnen erläutern wir das Besuchsverbot immer wieder", sagt sie. 

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Neben den Telefonaten mit den Angehörigen lassen sich Fleck und ihre Altenpfleger auch andere liebevolle Kleinigkeiten einfallen, um den fehlenden Kontakt mit der Familie zu kompensieren. "Wir schicken Bilder oder bunte Karten und wir haben auch Ehrenamtler, die unseren Bewohnern bunte Postkarten per Brief schicken. Darüber freuen sich unsere Senioren immer sehr", erzählt Barbara Fleck, die seit 2002 in dem Pieschener Heim arbeitet.  

Alle Veranstaltungen und Feste in dem Heim musste sie erst einmal absagen. Die Unterhaltungsangebote für alle Bewohner schrumpfte sie auf kleine Gruppen zusammen. "Wir basteln oder rätseln natürlich mal in Zweiergruppen zusammen, damit die Bewohner ein wenig Kontakt untereinander haben", sagt sie. Von der Versorgung ist das Heim nicht abgeschnitten und alles läuft wie gewohnt weiter. "Wir haben eine eigene Küche und Wäscherei, das hilft uns bei den gewohnten Abläufen sehr gut weiter", erzählt die Heimleiterin.

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Ein großes Problem hat Barbara Fleck allerdings: Materialen wie Mundschutz und Desinfektionsmittel werden immer knapper. "Wir kommen immer schlechter an Nachschub", erzählt sie. Auch der gesamte Kreisverband Rotes Kreuz Dresden hat das Problem. "Unser Pflegepersonal in den DRK-Seniorenheimen benötigt Mundschutz. Der reguläre ist aufgebraucht und Nachschub nicht in Sicht", schreibt der Verband. 

Daher die Bitte: "An allen fleißigen Näher in Dresden: Wer StoffrestE und Gummiband übrig hat, bitte näht Mundschutz für uns. Wichtig, der Mundschutz muss bis 60 Grad waschbar sein." Geeignet seien demnach kochfeste und fest verwebte Baumwollstoffe wie Bettlaken oder Geschirrtücher. Die fertigen Teile können von Montag bis Freitag bis 15 Uhr beim Kreisverband auf der Klingerstraße 20 abgegeben oder per Post geschickt werden.

Für Barbara Fleck und ihre 60 Mitarbeiter ist es eine aufregende Zeit, die an den Nerven zerrt, aber die auch Kraft schöpfen lässt aus dem Gemeinschaftsgefühl. "Zusammen packen wir das, es gibt eine große Solidarität untereinander und jeder steht für jeden ein und übernimmt auch mal andere Dienste", sagt sie. Ein kleine Freude für ihr Personal: Der Pizzadienst um die Ecke liefert ab und zu kostenlose Pizza für die Heim-Besatzung. 

Die 61-Jährige ist selbst jeden Tag im Einsatz. Von früh sechs Uhr bis Nachmittag um fünf, auch zuhause ist sie per Telefon erreichbar, koordiniert Dienste, beantwortet Fragen und hört einfach nur zu. "Gerade unsere jungen Mitarbeiter haben viele Fragen, viele machen sich große Sorgen, wie es weitergeht", erzählt sie. "Ihnen fehlt es sehr, Freunde zu treffen oder mal in eine Bar zu gehen", so Fleck. Sie selbst hat jede Menge Lebens- und Berufserfahrung, schon die Flut 2002 hat sie in diesem Heim überstanden. 

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