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Dresden bekommt Zentrum für neue Krebsmedizin

Dort werden radioaktive Medikamente entwickelt, die Tumorzellen sichtbar machen und gezielt zerstören sollen.

© NCT Dresden/Philip Benjamin

Von Stephan Schön

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Dresden. Mit einer Millioneninvestition wird die Dresdner Krebsforschung weiter ausgebaut. Ein weltweit in dieser Art einzigartiges Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung geht jetzt in Betrieb.

60 Mitarbeiter werden in dem neuen Institutsgebäude am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) radioaktive Medikamente entwickeln und herstellen. Das sagt Jörg Steinbach, Institutsdirektor am HZDR und Chef des neuen Zentrums. Geliefert werden diese schwach radioaktiven Stoffe vor allem an das Dresdner Universitäts-Klinikum. 35 Millionen Euro haben Bund und Land in das neue Zentrum investiert. Vor zehn Jahren hatten die Planungen für dieses Großprojekt begonnen. Jetzt ist es fertiggestellt und mit allen Genehmigungen ausgestattet. Diese reichen vom Strahlenschutz über die Genetik bis hin zur Tierhaltung.

„Wir sind europaweit das größte und auch das modernste Zentrum dieser Art“, sagt Jörg Steinbach vom HZDR. Martin Bornhäuser, Arzt und Direktor des Dresdner Universitäts-Krebszentrums, hofft auf die schnelle Einführung neuester Therapien in seiner Klinik. „Wir haben hier eine einmalige Chance. Denn hier arbeitet der Strahlenphysiker unmittelbar mit dem Mediziner zusammen.“ Mit einem neuen Zyklotron, einer tonnenschweren Strahlenquelle, stellt Rossendorf jene schwach radioaktiven Substanzen her, die Patienten dann meist am Tropf oder als Spritze erhalten. Diese Radiopharmaka werden durch den Zerfall binnen weniger Stunden wieder inaktiv. Davor aber reichern sie sich in den Krebszellen an. Erst dadurch werden Tumore und Metastasen bei einer Tomografie sichtbar. Je besser diese Radiopharmaka wirken, desto präziser sind die Daten und Bilder aus dem Körper. Auf diese Art lässt sich beispielsweise eine Krebs-OP planen und auch deren Erfolg kontrollieren. Neuartige Radiopharmaka können inzwischen sogar die Aktivität von Tumorzellen zeigen. Eine wichtige Hilfe für die Entscheidung, ob überhaupt eine Krebsbehandlung nötig ist und wenn, welche. „Etwa 50 Prozent aller Tumore werden inzwischen mittels Strahlentherapie behandelt“, sagt Physiker Jörg Steinbach. Mit herkömmlicher Strahlentherapie. Die lasse sich bisher so zwar für große Tumore anwenden, aber nicht für die oft viel kleineren Metastasen. Hierfür bleibt oftmals nur die Chemotherapie.

HZDR und Uniklinik arbeiten daher verstärkt an neuen Therapien. Biologische Prozesse sollen winzige radioaktive Partikel als Mini-Strahlungsquellen direkt in die Tumorzellen bringen – und nur dorthin. Den Tumor gezielter zu zerstören und so die Nebenwirkungen für die Patienten zu verringern, sind zwei große Ziele des neuen Forschungszentrums.