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Dresden

Ein Schweizer entwirft das Hochhausleitbild

Dresdner Architekten haben auch genug Erfahrung dafür, sagt ein Kritiker. Doch mitwirken können sogar die Bürger.

Die Hochhäuser Florian-Geyer-Straße in Dresden.
Die Hochhäuser Florian-Geyer-Straße in Dresden. © Sven Ellger

Ein Schweizer soll das Dresdner Hochhausleitbild entwerfen: Christian Blum aus dem Büro Eckhaus AG Städtebau Raumplanung in Zürich wurde von der Stadtverwaltung damit beauftragt. Seit 1. Mai arbeitet er daran, unterstützt durch den Architekturhistoriker Christoph Schläppi. Im kommenden Jahr soll das Leitbild fertig sein. 

Doch warum ist eigentlich kein Dresdner Büros damit beauftragt worden, fragt der Dresdner Architekt Kurt Singer. Habe der Baubürgermeister vielleicht Verbindungen nach Zürich? 

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Schmidt-Lamontain weist das auf SZ-Anfrage zurück. Er selbst habe überhaupt keinen Einfluss auf die Auswahlentscheidung genommen, sagt seine persönliche Referentin Doris Oser. Für das Hochhausleitbild seien fünf freie Planungsbüros nach Abgabe ihres Angebots zu Bieter-Gesprächen eingeladen worden. „Darin legten die Eingeladenen ihren Ansatz zur Lösung der Aufgabe dar und zeigten ihre Herangehensweise anhand von Referenzprojekten auf. Kriterien waren auch die Höhe des angebotenen Honorars, die Zusicherung, den Auftrag innerhalb der von der Stadtverwaltung beabsichtigten Zeit zu bewältigen sowie sich in öffentlichen Veranstaltungen den Fragen der Bürger zu stellen“, sagt Oser. Die Auswahl des Büros Eckhaus aus Zürich sei aufgrund der fachlichen Eignung erfolgt. Es hat zudem die Hochhaus-Leitbilder der Schweizerischen Städte Aarau Regio und Langenthal erarbeitet, die in Inhalt und Methodik der Aufgabenstellung für das Hochhausleitbild Dresden ziemlich nahekamen.

Benjamin Grill, der die Kammergruppe Dresden der Sächsischen Architektenkammer leitet, findet es nicht problematisch, dass ein Schweizer Büro den Auftrag erhalten hat. „Grundsätzlich sollte die Stadt aber transparent arbeiten und bekannt machen, wen sie einlädt“, sagt er. Das Hochhausleitbild soll in drei Schritten entstehen. Zunächst soll die Stadt genau analysiert werden. Im zweiten Schritt sollen Punkte herausgearbeitet werden, wo Hochhäuser auf keinen Fall entstehen sollen und wo sie möglich sind. Ein Ausschlusskriterium ist vor allem, wenn geplante Projekte die Blickbeziehung in die Altstadt stören. Im letzten Schritt wird ein Qualifizierungshandbuch erarbeitet. Es soll dem Stadtplanungsamt Kriterien an die Hand geben, mit denen Hochausprojekte beurteilt und qualifiziert werden. Jeder dieser Arbeitsschritte wird durch eine Dialogveranstaltung begleitet, die öffentlich ist.

Die Dresdner sollen in jeden dieser Schritte durch öffentliche Diskussionsveranstaltungen einbezogen werden. Derzeit sind elf Hochhausprojekte geplant oder sogar schon in Arbeit sind.

Derzeit gibt es in Dresden etwa 350 Gebäude, die höher als 22 Meter sind und damit nach sächsischer Bauordnung als Hochhaus bezeichnet werden. Rund 230 dieser Gebäude haben zehn, 33 sogar 17 Geschosse - so wie die beiden Studentenwohnheime am Lennéplatz.

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