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Wie Mundschutz das Näh-Café gerettet hat

Die Kurse im Malu in der Dresdner Neustadt waren äußerst beliebt, bis das Coronavirus kam. Doch dann fand Silke Großmann einen neuen Bestseller.

Silke Großmann (r.) näht im Malu Nähcafé Gesichtsmasken mit ihren Kolleginnen.
Silke Großmann (r.) näht im Malu Nähcafé Gesichtsmasken mit ihren Kolleginnen. © Sven Ellger

Dresden. Es hatte sich richtig gut entwickelt. Silke Großmanns Idee, einen Treffpunkt anzubieten, an dem man gleichzeitig seinem Hobby Nähen nachgehen und miteinander ins Gespräch kommen kann, fand viele Freundinnen. Im Malu, ihrem Nähcafé auf der Louisenstraße 72, gab es nicht nur unzählige Kurse, sondern dort nähten ihre Kundinnen, darunter auch Kinder,  die unterschiedlichsten Dinge, je nach Kenntnisstand. Zudem fertigten die zwei festangestellten Teilzeit-Mitarbeiterinnen von Silke Großmann mit ihr Kinderbekleidung und vieles mehr an.   

Bis zum Tag der Schließungsverfügung. "Dann wurde für uns alles anders. Ich musste das Malu zumachen und alle Kurse absagen", erinnert sich Silke Großmann. Für sie brach eine Welt zusammen, denn ein zweites Standbein im Onlinegeschäft hatte sie nicht. Bis dahin war es nicht nötig. "Unsere Kunden, die bei uns auch Stoff kaufen, kommen alle aus der Nachbarschaft", sagt sie. 

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Doch es dauerte nur wenige Tage, bis eine Kundin, deren Mann in der Uniklinik arbeitet,  sie auf die rettende Idee brachte: Gesichtsmasken nähen. "Es ging dann auch ganz schnell, dass viele Leute wissen wollten, welcher Stoff sich dafür eignet und welche Schnittformen geeignet sind", sagt die 48-jährige Geschäftsinhaberin. 

Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen hat sie ausprobiert, welche Stoffe und Gummis kochfest sind. Schnell hat sie sich auf zwei Maskenmodelle festgelegt: eine, die man mit Gummiband hinter den Ohren befestigen kann und eine zum binden. Eine hat eine Kellerfalte, die andere nicht. Beide kosten jeweils 12,50 Euro.

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Für ihren Mundschutz verwendet sie vor allem biozertifizierte Stoffe. Verwendbar sind die Masken mehrfach, weil bei 100 Grad waschbar. Für zwischendurch hat Silke Großmann einen guten Tipp: einfach heiß bügeln, das tötet auch alles ab."

Silke Großmann (r.) näht im Malu Nähcafé Gesichtsmasken mit ihren Kolleginnen. Das sind die Masken.
Silke Großmann (r.) näht im Malu Nähcafé Gesichtsmasken mit ihren Kolleginnen. Das sind die Masken. © Sven Ellger

Dann begann für Silke Großmann die organisatorische Vorbereitung, die viel Zeit gefressen hat. Zunächst musste sie ihre Masken und Stoffe mit Preisen ins Internet stellen, sich bei Facebook und Instagram anmelden. Dort hat sie auch Nähanleitungen für die Masken reingestellt. "Dann musste ich klären, ob ich es überhaupt noch versenden kann." Vor allem die vielen Nachfragen in den sozialen Medien zum eigenen Maskennähen waren anfangs für mich problematisch, ich brauchte die Zeit ja für unsere Produktion."

Und die ging gleich von Null auf 100. Nicht nur, dass die Mundschutz-Kunden vor der Nähcafé-Tür standen. Es kamen auch Anfragen aus ganz Deutschland. "Ich bekam Anrufe aus Arztpraxen, Kliniken und von Privatpersonen aus Dresden, aber auch aus dem Rest der Republik", sagt Silke Großmann. Rund 80 Masken versendet sie täglich.   

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"Für uns ist es ein Segen. Ohne die Maskennäherei hätten wir keine Einnahmen und müssten in Kurzarbeit gehen, ohne zu wissen, wie es weitergeht", sagt die Geschäftsinhaberin. Denn Ausgaben wie Miete und Sozialversicherung fielen weiterhin an. "Ich kann noch nicht einschätzen, wie viel Prozent wir durch den Mundschutz ausgleichen können, aber es motiviert auch, so gefragte Produkte herstellen zu können", sagt sie. Deshalb ist sie dankbar, dass so viele Menschen bereit sind, Geld für die Masken auszugeben.  

Auch die Ostend-Apotheke auf der Bautzner Straße hat ihren Mundschutz im Angebot. "Das ist für uns super, weil ältere Leute sie dort direkt kaufen können, ohne mit uns Kontakt aufnehmen zu müssen." Inzwischen hat Silke Großmann viele Rückmeldungen von dankbaren Kunden, die ihr schreiben, wie froh sie sind, eine ihrer Masken bekommen zu haben.

www.malu-naehcafe.de

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