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Dresden fordert Ausschluss für Frankfurt

© Jan Huebner

Die Hessen haben 1,5 Millionen Euro Schulden. Die Monarchs schlagen deshalb vor, den Klub für die Play-offs zu sperren.

Von Alexander Hiller

Eigentlich verrichtet Jörg Dreßler seine Arbeit am liebsten dort, wo es kaum einer sieht. Der Geschäftsführer des Football-Erstligisten Dresden Monarchs wirkt gern im Hintergrund. Nach Spielen des Tabellenführers taucht der ehemalige Runningback erst nach knapp zehn Minuten auf dem Rasen auf, wenn sich die größte öffentliche Neugier gelegt hat.

Jetzt hat der Mann mit den raspelkurz geschorenen Haaren dennoch für Aufsehen gesorgt: mit einem Interview auf MNRX TV, dem vereinseigenen Youtube-Kanal. Er nahm dort Stellung zur gegenwärtig unübersichtlichen Situation beim deutschen Spitzenklub Frankfurt Universe. Die Hessen haben durch Misswirtschaft, einen überproportional breit und gut besetzten Kader und ein zu großes Stadion in den vergangenen anderthalb Jahren einen enormen Schuldenberg angehäuft.

Der Stammverein AFC Universe Frankfurt hat als 100-prozentiger Gesellschafter und Lizenzinhaber der hoch verschuldeten Spielbetriebs GmbH FUB die Zusammenarbeit aufgekündigt – und das bereits vor Beginn der Saison. Dennoch durfte der Halbfinalist des Vorjahres antreten, offenbar mit Zustimmung der anderen Klubs aus der Süd-Staffel der zweigleisigen German Football League (GFL). Nun wurde am 2. Juli das Insolvenzverfahren eingeleitet. Laut Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister stehen die Footballer bei rund 500 Gläubigern mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro in der Kreide. Zum Vergleich: Der Saisonetat der Dresdner liegt bei 450 000 Euro. Den benötigen die Monarchs vor allem für drei hauptamtlich besetzte Stellen – den Geschäftsführer und zwei Trainer –, die Stadionmiete, das Salär für die Importspieler und den Betrieb des Trainingszentrums.

Bislang hat die Frankfurter Insolvenz jedoch keine Auswirkungen auf die laufende Saison. Aber mit Dreßler fordert erstmals ein führender Funktionär eines Erstliga-Konkurrenten öffentlich schwerwiegende Sanktionen, auch, weil der Traditionsverein trotz der existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation weiterhin Spieler verpflichtet. Wegen der Verletzung des etatmäßigen Quarterbacks Steve Cluley holten die Frankfurter den US-Amerikaner Andrew Elffers und hatten dafür die Zustimmung des Insolvenzverwalters. „Wie es passieren kann, dass ein Verein in der Pleite neue Spieler verpflichtet, obwohl es andere Athleten gibt, die die fragliche Position ausfüllen, ist mir ein Rätsel“, sagte Dreßler. In Frankfurt ist Sonny Weishaupt, Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft, nun wieder zweite Wahl.

Im Vorjahr waren die Dresdner im Play-off-Viertelfinale pikanterweise mit 16:26 in Frankfurt gescheitert. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Wichtig ist, dass der Standort Frankfurt erhalten bleibt“, sagt Dreßler und setzt ein dickes Aber dahinter: „Die Frankfurter Mannschaft, wie sie auf dem Papier steht und sich auf dem Feld bewegt, ist derzeit mit Abstand die Top-Mannschaft in Deutschland.“ An einem guten Tag sei sie von keinem anderen Team zu schlagen. „Von daher ist es ein Stück weit unverständlich, wie man einen so großen Kader bestehen lassen kann, obwohl man kein Geld hat“, kritisiert der 43-Jährige.

Auch, dass die Liga sowie der deutsche Verband offiziell bislang keine Stellung zu diesem Thema beziehen, stört ihn Dreßler gewaltig. „Die Informationspolitik ist dünn, was einerseits verständlich ist, aufgrund des schwebenden Verfahrens“, meint er. „Andererseits wäre es schon angenehmer für alle GFL-Vereine, einfach zu wissen, woran man ist.“ Der Mann, der seit 20 Jahren die Geschäfte der Monarchs führt, bringt deshalb selbst die seiner Meinung nach wirksamste Sanktion ins Spiel: einen Punktabzug für den Tabellenzweiten der Südstaffel. „Ich denke, das ist ein mögliches und legitimes Mittel, das dem Verband zur Verfügung steht. Der Punktabzug muss so groß sein, dass Frankfurt nicht an den Play-offs teilnehmen kann. Das liegt jetzt am Verband beziehungsweise an der Lizenzkommission“, erklärt Dreßler.

Präsident Sören Glöckner springt ihm auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung zur Seite. „Wenn man uns vor der Saison gefragt hätte, ob wir für eine Teilnahme von Frankfurt sind, hätten wir uns dagegen entschieden, aber offenbar wurden nur die Vereine der Süd-Staffel angefragt. Die Informationspolitik ist sehr dürftig“, unterstreicht er. „Ich persönlich würde erwarten, dass der Verband ein Zeichen setzt, dass er eine solche Politik nicht unterstützt“, sagt Glöckner.

Spätestens bis zum Start der Play-offs Anfang September müsste eine Entscheidung gefallen sein. „Ich vermute aber“, beklagt der Chef des Tabellenführers der Nord-Staffel, „dass das nicht stattfindet. Vielmehr befürchte ich, dass in diesem Jahr eine Mannschaft deutscher Meister wird, die in dieser Zusammenstellung gar nicht existieren dürfte.“ Dreßler stellt abschließend fest: „Das, was passiert ist, darf nicht passieren. Das ist schädlich für den gesamten deutschen Football.“