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Dresden

BMW wie eine Waffe genutzt

Wieder hat sich ein Dresdner Anhänger der KMN-Gang gegenüber der Polizei unmöglich verhalten. Nun in einem Poser-BMW.

Am Amtsgericht Dresden musste sich nun wieder ein Anhänger der berüchtigten KMN-Gang verantworten. Er hatte Polizisten beleidigt - und gefährdet.
Am Amtsgericht Dresden musste sich nun wieder ein Anhänger der berüchtigten KMN-Gang verantworten. Er hatte Polizisten beleidigt - und gefährdet. © dpa/David-Wolfgang Ebener (Symbolfoto)

Dresden. Waffen, Drogen, schnelle Autos, Frauen – wenn Mustafa K. unterwegs ist, arbeitet er sämtliche Klischees ab, könnte man mit einem Blick ins Vorstrafenregister des 25-jährigen Irakers glauben. Zuletzt stand er im Herbst vergangenen Jahres vor Gericht, weil er sich mit einem ehemaligen Berufsboxer angelegt hatte, der zwei Köpfe größer als K. ist und sicher auch 30 Kilo schwerer. Angeblich ging es um Revierstreitigkeiten, K. habe eine Shisha-Bar eröffnen wollen, was dem Boxer, selbst Inhaber einer solchen Bar und eines Cafés in der St.-Petersburger Straße nicht passte.

Die Auseinandersetzung endete für K. im August 2018 zwar mit schwersten Verletzungen in einer Klinik, dennoch wurde er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt, wenn auch noch nicht rechtskräftig. Das Verfahren gegen Boxer Samir N. steht angeblich noch aus.

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Röhrender Zwölfzylinder mit mehr als 600 PS

Mustafa K. gehört zum Umfeld der KMN-Gang, einer erfolgreichen und ziemlich bekannten Rapper-Gruppe. Und als solcher hat der 25-Jährige immer wieder mit der Polizei zu tun. Unter anderem wurde er im Juni 2019 nach einem mehrmonatigen Prozess, in dem auch Sänger Nash auf der Anklagebank des Landgerichts Dresden saß, zu neun Monaten verurteilt, die er bereits in Untersuchungshaft verbüßt hatte – wegen Waffen- und Drogengeschichten, Widerstands gegen Beamte und Beleidigung. Nash wurde freigesprochen.

Am Dienstag stand K. wieder vor dem Amtsgericht Dresden. Laut Anklage hatte er im Mai vergangenen Jahres Polizisten beleidigt, die ihn einer Verkehrskontrolle unterzogen hatten. Warum? Weil K. in einem BMW M 760, einer Luxuslimousine mit zwölf Zylindern und mehr als 600 PS, in der Tiefgarage der Altmarktgalerie vor seiner Beifahrerin herumgeprotzt hatte. Die Beamten, die vor der Ausfahrt einen Unfall aufnahmen, hatten den BMW schon lange gehört ehe sie ihn sahen.

"Verpisst euch!"

Zunächst soll K. schnell auf den Beamten mit der Anhaltekelle zugefahren sein und erst im letzten Moment gebremst haben – so dass der Polizist zur Seite springen und auch K. das Steuer im letzten Moment rumreißen musste. Dann soll der Iraker den Beamten dämlich gekommen sein, als sie ihn auf das Getöse ansprachen, das er mit dem Auto in der Tiefgarage veranstaltet hatte. 

Als der Beamte ihn verwarnte und ein Bußgeld von 10 Euro verhängte, gab ihm K. einen 20er: "Hier hast du 20 Euro. Du hast es nötig!", habe er gesagt. Dann ging die Kontrolle weiter und die Beamten stellten fest, dass K. ohne Brille am Steuer saß. Nun erhielt K. ein 25-Euro-Knöllchen – und er warf den Uniformierten 50 Euro hin mit den Worten: "Hier, macht euch einen schönen Abend und verpisst euch!"

Das bestätigten nun zwei Polizisten als Zeugen. "Er hat auf dicke Hose gemacht", sagte einer. K.s Vorwurf, er sei kontrolliert worden, weil er Ausländer sei, ließen die Uniformierten nicht gelten. Sie hätten doch nicht gewusst, wer am Steuer sitzt, als sie sich zur Kontrolle entschlossen hatten. K. selbst äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Seine Verteidigerin Katja R., sie war auch zum Tatort in der Wallstraße geeilt, um K. zu beruhigen, forderte einen Freispruch. K. habe doch nichts gemacht.

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Das sah das Gericht jedoch entschieden anders. Der Richter verurteile K. wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Beleidigung und wegen Bestechung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten auf Bewährung und einer Geldauflage von 2.000 Euro. Gerade so, wie es der Staatsanwalt gefordert hatte. K. habe den BMW wie eine Waffe genutzt, als er auf den Beamten zugerast sei. 

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