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Dresden

Streit um Kochliste führte vor Gericht

Ein 25-jähriger Gefangener hat sich in der Haft mit einem Wachtmeister angelegt. Der fühlte sich bedroht und zeigte den Häftling an.

© dpa

Ein alter Bekannter war nun wieder im Amtsgericht Dresden geladen. Mohamed S., ein 25-jähriger Tunesier, der derzeit noch eine Freiheitsstrafe wegen räuberischen Diebstahls absitzen muss. Er hatte mehrfach an Haltestellen Leuten das Portemonnaie aus der Hosentasche gestohlen. Wenn er dabei bemerkt wurde, fuchtelte er vor seinen Opfern mit einem Messer herum. Am Landgericht Dresden erhielt S. dafür bereits im Februar 2019 eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Im Sommer könnte er entlassen werden, jedenfalls wenn keine neuen Straftaten mehr dazukommen.

Am Donnerstag musste sich Mohamed S. wegen versuchter Nötigung erneut vor Gericht verantworten. Im April vergangenen Jahres soll er einen Justizobersekretär in der Torgauer Justizvollzugsanstalt bedroht haben, wo er seine Haftstrafe absitzt. Offenbar ging es um einen Bagatellstreit, der sich aber hochgeschaukelt hatte.

Gefangene tragen sich immer sonntags in eine Kochliste ein. Darin ist geregelt, wer wann die Küche auf der Abteilung nutzen kann. Mohamed S. forderte von dem Justizbediensteten einen Platz auf der Liste und dafür einen Mitgefangenen zu streichen. 

Nachdem der Wachtmeister dem Angeklagten erklärt hatte, dass es Donnerstag sei und die Liste vom Sonntag nachträglich nicht geändert werden könne, wurde S. patzig. „Ich kenne dich. Ich weiß, wo du wohnst“, soll er zu Thomas K. gesagt haben. Der Beamte hat sich davon derart unter Druck gesetzt gefühlt, dass er den Gefangenen anzeigte.

„Mein Mandant wird ohnehin bald abgeschoben“

Verteidigerin Katja Reichel sagte, ihr Mandant räume den Vorwurf ein. Es sei jedoch so, dass es regelmäßig Probleme unter Bediensteten und Gefangenen gebe. Der Vorwurf sei daher „aufgebauscht, ohne dass ich das nun bagatellisieren möchte“. Sie regte an, das Verfahren im Hinblick auf die laufendende Freiheitsstrafe einzustellen: „Mein Mandant wird ohnehin bald abgeschoben.“ Dazu zeigte sie ein Schreiben der Staatsanwaltschaft. Das jedoch sei keine Abschiebeverfügung, entgegnete der Richter. Da auch die Staatsanwaltschaft eine Einstellung ablehnte, lehnte er Reichelts Vorschlag ab.

Nach dem Geständnis brauchten auch keine Zeugen mehr gehört zu werden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 250 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte 500, Verteidigerin Katja Reichel 150 Euro gefordert. Mohamed S. soll nun monatlich 50 Euro zahlen, entschied der Richter.

Fraglich ist, ob der Angeklagte überhaupt nach Tunesien abgeschoben werden kann. Er hat angeblich keinen Pass. Der Mann ist geübt darin, die Behörden zu beschäftigen. Seit 2016 wurde er nun zum siebten Mal verurteilt – Diebstahl, Raub, gefährliche Körperverletzung, Drogengeschichten. Zwei Freiheitsstrafen musste er absitzen. Zwischenzeitlich war S. in die Schweiz abgetaucht, als er sich für die Portemonnaie-Diebstähle verantworten sollte. Verhaftet wurde er dann, als er von Lörrach in der Schweiz mit der Straßenbahn nach Deutschland fuhr, um diesseits der Grenze einzukaufen.

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