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Streit um ein Foto führte vor Gericht

Ein Busfahrer mit mehreren Vorstrafen flippte aus, als er von einem ÖPNV-Fan in Dresden geknipst wurde. Aber hatte er auch das Recht dazu?

Von Alexander Schneider
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Durfte ein Bus-Fan ohne zu fragen ein Foto eines Fahrers machen? Das wurde am Mittwoch vor dem Amtsgericht Dresden verhandelt.
Durfte ein Bus-Fan ohne zu fragen ein Foto eines Fahrers machen? Das wurde am Mittwoch vor dem Amtsgericht Dresden verhandelt. © dpa

Ein einziges Foto genügt, um Sebastian A. auf die Palme zu bringen. Der 31-Jährige ist Busfahrer eines Lausitzer Regionalverkehrsanbieters und hatte an jenem Abend gerade an der Haltestelle Glacisstraße gestoppt. Es war eine besondere Fahrt, erstmals hatten Busse aus Ostsachsen während der „Nacht der Theater“ in Dresden Fahrgäste befördert.

Dario W. (27) und Tobias M. (26), der eine Student, der andere Verkehrsingenieur, jobben bei den Dresdner Verkehrsbetrieben als Straßenbahnfahrer und interessieren sich auch in ihrer Freizeit brennend für alles, was mit öffentlichem Personennahverkehr zu tun hat. 

An jenem 30. März 2019 hatten sie sich gegen 22 Uhr an der Haltestelle Glacisstraße positioniert – aber nicht etwa, um im „Kleinen Haus“ eine Theateraufführung zu besuchen, sie wollten den Lausitzer Bus persönlich erleben. W. machte mit seinem Handy Fotos, wie immer, wenn dem angehenden Verkehrsingenieur etwas Besonderes vor die Linse kommt.

Sebastian A. jedoch scheint an einer ausgeprägten Foto-Allergie zu leiden. Er stürzte sofort aus seinem Bus und maulte den Studenten an, das Foto zu löschen. Soweit ist die Sache unstrittig. Am Mittwoch fand das Nachspiel jener Nacht vor dem Amtsgericht Dresden statt, A. gab den Angeklagten, dem eine versuchte Nötigung vorgeworfen wurde. Eine Geldstrafe über 2.000 Euro, die der Deutsche per Strafbefehl erhalten hatte, akzeptierte er nicht.

Sechs Vorstrafen

Laut Anklage hat der erregte Busfahrer den Studenten angefasst und festgehalten, ihm mit „Es klatscht gleich“ gedroht, um W. zum Löschen seiner Fotos anzuhalten. Der Angeklagte räumte ein, sich möglicherweise im Ton vergriffen zu haben. Es sei jedoch sein Recht, sich nicht fotografieren lassen zu müssen. Er habe den Studenten daher festgehalten, damit die Polizei sich seiner annehmen könne. Er habe flüchten wollen.

Der Student und sein Kumpel, als Straßenbahnfahrer sind die Zeugen gewissermaßen Kollegen des Busfahrers, berichteten, wie sich die Nacht aus ihrer Sicht zugetragen habe. „Lösch' das Scheiß-Foto!“, soll A. gesagt haben, den 27-Jährigen mehrfach gepackt und gegen den Bus gedrückt haben. Die Zeugen sagten, sie hätten den Ort nicht verlassen sondern im Gegenteil sogar die Verkehrsbetriebe informiert.

Richter Ullrich Stein war zwar anzumerken, dass er mit ihrem Hobby, Busse zu fotografieren, eher wenig anfangen konnte. Beide Seiten, der Angeklagte und die beiden Freunde, seien der Meinung gewesen, im Recht gewesen zu sein. Er verurteilte den Busfahrer zu einer Verwarnung mit Strafvorbehalt in Höhe von 2.500 Euro. Das ist praktisch eine Geldstrafe auf Bewährung. Bleibt A. ein Jahr lang sauber, hat sich die Geldstrafe für ihn erledigt. 

Darüber muss A. jedoch tatsächlich eine Geldauflage von 500 Euro zahlen. "Sie sollen spüren, dass sie verurteilt wurden", so Stein. Als Busfahrer müsse es sich A. gefallen lassen, im öffentlichen Raum fotografiert zu werden. Der 31-Jährige habe kein Recht gehabt, den Studenten anzufassen oder festzuhalten. Die Geldstrafe sei höher, weil im Strafbefehl ein Geständnis unterstellt worden war. Strafschärfend berücksichtigte der Richter auch die sechs Vorstrafen des Berufskraftfahrers.

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