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Dresden ist auf dem Trockenen

Das fehlende Wasser in der Elbe macht den Schiffen zu schaffen. Manche fahren gar nicht mehr.

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© Sven Ellger

Von Andreas Weller

Die Sächsische Dampfschiffahrt streicht Fahrten, der Berufsverkehr auf der Elbe liegt komplett lahm, nur die Fähren wechseln noch regelmäßig die Ufer. „Irgendwann kommen aber auch wir an unsere Grenzen“, sagt Anja Ehrhardt, Sprecherin der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Das Niedrigwasser in der Elbe macht ihnen zu schaffen. Am Donnerstag ist der Pegel auf 68 Zentimeter gesunken, normal sind im Durchschnitt 1,84 Meter Wasserstand. Die Auswirkungen sind gravierend.

Dampfer reduzieren Gewicht, nehmen weniger Passagiere und Ballast mit.

Die Sächsische Dampfschiffahrt steuert wegen des spätsommerlichen Wetters derzeit in eher trübem Wasser. In den letzten Wochen sind wegen der Trockenheit etliche Fahrten ausgefallen, sagt Marketingchef Robert Rausch. Bei dem aktuellen Wasserstand könnten eigentlich nur noch die Raddampfer Diesbar, Leipzig und Pillnitz fahren. Derzeit sind aber fast alle Schiffe der Flotte im Einsatz. Der Trick: An Bord wird nur noch knapp die Hälfte der Passagiere gelassen, die eigentlich auf die Dampfer passen. Auch auf unnötigen Ballast wie Reserve-Proviant wird verzichtet. Damit tauchen die Schiffe nicht mehr so tief ein. Dazu fällt die Diesbar wegen eines Brandschadens derzeit aus.

In den Häfen liegen 50 000 Tonnen Güter, die auf Schiffe warten.

Besonders hart trifft die Trockenheit den Güterverkehr. „Die Berufsschifffahrt ist komplett eingestellt“, so Heike Roloff, Chef der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe. Normalerweise fahren 300 bis 400 Transportschiffe jedes Jahr entlang der Elbe. „Ausgerechnet in der Erntezeit, die Güter müssen raus“, so Roloff. Deshalb wird versucht, alles auf Züge und Laster zu verteilen. „Es bleibt nichts liegen, aber natürlich ist das teuer, und langsam bekommen wir Probleme, Frachtraum zu bekommen“, erklärt Roloff. Güter, die nicht sofort transportiert werden müssen, bleiben in den Häfen. Dort stapeln sich etwa 50 000 Tonnen Ware. Existenziell seien Schwergüter wie Turbinen oder große Maschinenteile. Aber man verfalle noch nicht in Panik, so Roloff. „Wir hoffen auf Regen, schauen jeden Tag in den Wetterbericht. Wir brauchen Niederschlag im Riesengebirge, damit bei uns das Wasser ankommt.“

Elbfähren haben kein Problem, solange die Stege an die Schiffe reichen.

68 Zentimeter Pegel stellen die DVB noch nicht vor Herausforderungen. Alle Fähren können fahren. „Bei Niedrigwasser werden die Stege versetzt, allerdings ist das endlich“, so Sprecherin Ehrhardt. Bis 50 Zentimeter Wassertiefe können diese fahren. Im vergangenen Jahr musste der Fährverkehr Mitte August eingestellt werden.

Für private Schiffe und Boote gilt: Generell entscheiden die jeweiligen Reedereien und Bootseigner. Für Niedrigwasser gibt es keine Regelung. Anders ist das bei Hochwasser. Ab einem Pegel von fünf Metern dürfen gar keine Schiffe mehr fahren.

Fische ziehen sich in die Fahrrinne zurück, Pflanzen überleben.

Fische suchen sich in diesen Tagen ihren benötigten Sauerstoff in der Fahrrinne. „Dort ist das Wasser ausreichend tief und die Strömung so stark, dass ausreichend Sauerstoff vorhanden ist“, erklärt Anne Matthies-Umhau vom Umweltamt. „Für Fische besteht keine akute Lebensgefahr.“ Hoch- und Niedrigwasserphasen seien natürliche Gegebenheiten. Die Flora und Fauna der Flüsse passt sich diesen Gegebenheiten an. Bei kleineren Flüssen können im Einzelfall aber die Quellbereiche austrocknen. Wasserpflanzen überleben einige Tage in ausgetrockneten Bereichen.

Auf Entspannungwird dringend gewartet.

Der Deutsche Wetterdienst rechnet am Sonnabend mit Regen, allerdings dürften selbst mehrere Regentage nicht viel am Wasserstand ändern. Ob aus Tschechien Abhilfe in Sicht ist, bleibt abzuwarten. Normalerweise können die Talsperren Wasser ablassen, um den Elbpegel für die Schifffahrt zu stabilisieren. Doch die Hochwasserbecken sind derzeit leer. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis der Pegel hier steigt. Der stand 1952 übrigens mit 21 Zentimetern am bisher tiefsten. (mit SZ/two)