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Krebs: Irakerin könnte nun geholfen werden

In wenigen Tagen läuft die Versicherung der schwer erkrankten Reem Mahdi aus. Viele Dresdner haben Ideen – oder bieten ihr sogar einen Job an.

Reem Mahdi aus dem Irak hat Brustkrebs und müsste sofort behandelt werden. Aber ihre Krankenversicherung läuft diesen Monat aus und wird nicht verlängert.
Reem Mahdi aus dem Irak hat Brustkrebs und müsste sofort behandelt werden. Aber ihre Krankenversicherung läuft diesen Monat aus und wird nicht verlängert. © Marion Doering

Es bleibt nur noch eine Woche. Dann endet die Krankenversicherung der Irakerin Reem Mahdi, die vor fünf Jahren nach Deutschland kam, hier Medientechnik studierte und sich nun in Dresden eine Arbeit suchen wollte. Eine Brustkrebs-Diagnose warf sie aber aus der Bahn.

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Ohne Versicherung müsste sie die nötigen Chemotherapien an der Uniklinik selbst zahlen, was schlicht unmöglich ist. Ein Sächsische.de-Bericht über ihre Notlage traf in Dresden auf ein großes Echo. Viele Leser meldeten sich, wollten helfen, Geld spenden, beten oder nannten ganz konkrete mögliche Auswege für die lebensbedrohliche Situation der Frau.

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Stadt verspricht, eine Lösung zu finden

Andere wiederum gaben Reem Mahdi selbst die Schuld an ihrer Lage. Hätte sie sich von von Anfang an in Deutschland integriert und die deutsche Sprache gelernt, hätte sie sicher schon längst Arbeit gefunden, argumentieren sie. „Mein Mitleid hält sich deshalb in Grenzen“, schrieb einer von ihnen. Dass ihr Studium auf Englisch war, die 44-Jährige auch zwischenzeitlich längere Zeit krank war und ihr das Bundesamt für Migration daher einen Aufschub für die Sprachkurse gewährte, wurde von keinem der Kritiker erwähnt.

Ihr Fall ist deswegen besonders dramatisch, weil Reem Mahdi mit einem Studentenvisum nach Deutschland gekommen ist und damals schon über 30 Jahre alt war. Deswegen musste sie privat eine Art Reisekrankenversicherung abschließen, die allerdings nur maximal fünf Jahr gilt und nicht verlängert werden kann. Private Krankenversicherungen nehmen sie nach ihrer Krebsdiagnose nun natürlich nicht mehr auf und in die gesetzliche Versicherung führte für sie bislang kein Weg rein.

Die Stadt versprach am Mittwoch auf Sächsische.de-Anfrage, eine Lösung für den so dramatischen wie ungewöhnlichen Fall zu finden. Bislang hatten sich Sozialamt, Jobcenter und Ausländerbehörde den Ball ein wenig hilflos hin- und hergespielt. Die Familie fühlte sich deswegen im Stich gelassen, obwohl sie bislang in fünf Jahren keinerlei Unterstützung von Stadt und Land in Anspruch genommen habe.

Womöglich kann nun ja einer der Hinweise oder eines der Angebote der Sächsische.de-Leser helfen. Unter anderem haben ein Rechtsanwalt und eine Ärztin aus Dresden über die Sächsische Zeitung Kontakt zu Reem Mahdi aufgenommen. Eine Praxisgemeinschaft, ein Umzugsunternehmen und ein Hostel haben ihr sogar einen konkreten Job als Teilzeitkraft in Aussicht gestellt. Alternativ könnte ihr Bruder sie womöglich auch als Haushaltshilfe beschäftigen, doch die juristischen Regularien auf diesem Gebiet sind äußerst komplex.

„Wir sind überwältigt“

Auch eine Anfrage bei der Stiftung von SAP-Gründer Dietmar Hopp könnte einen Versuch wert sein, glaubt eine Leserin. „Vielleicht stellt sie SAP ja unter diesen Umständen auch gleich ein.“ Als Adressen für andere Initiativbewerbungen wurden unter anderem Radiosender, die Deutsche Telekom, das Hygiene-Museum und Saxonia Systems genannt. Eine örtliche Krankenversicherung lud Reem Mahdi zu einer fachlichen Beratung ein.

Doch was ist, wenn sich alle Möglichkeiten auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zerschlagen sollten? Einige Leser empfahlen der Familie, einen Antrag auf Asyl zu stellen, um über das Asylbewerberleistungsgesetz ihre nicht aufschiebbare medizinische Behandlung finanzieren zu können. „Das wäre für uns zwar mit großen Nachteilen verbunden, aber natürlich wollen wir keine Möglichkeit ausschließen“, sagt Ali Mahdi, der Bruder der Irakerin, der an der TU als Informatiker beschäftigt ist.

Weiterhin wurde der Frau von Sächsische.de-Lesern empfohlen, sich an Migrationsberatungsstellen zu wenden, zum Beispiel bei der Arbeiterwohlfahrt oder dem Deutschen Roten Kreuz. Auch die Deutsche Krebshilfe könnte ein geeigneter Ansprechpartner sein.

Auch wenn der Weg womöglich noch weit ist, mit so viel Zuspruch hat die Familie nach ihrem mutigen Schritt in die Öffentlichkeit nicht gerechnet. „Wir sind überwältigt von der Anteilnahme“, sagt Reem Mahdi. „Ich glaube, die meisten Menschen verstehen, dass ich niemandem zur Last fallen möchte. Ich will nur weiterleben.“ Den zahlreichen Hinweisen will sie nun folgen und hofft, dass möglicherweise einer zum Ziel führt. Die Zeit wird knapp. Am Donnerstag hat sie einen Termin bei der Ausländerbehörde.

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