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Dresden: Mehr Tote im Hitzemonat August

Der Sommer 2018 war besonders heiß. Ältere oder kranke Menschen haben darunter gelitten.

© dpa

Von Christoph Springer

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OSTRALE-Kunst im Goethe-Institut 

In der Ausstellung der OSTRALE Biennale O19 setzen sich verschiedene Künstler mit dem Thema Afrika auseinander. 

Schlimmer hätte der Sommer 2018 kaum sein können. Er war wärmer als der Hitzesommer 2003, es gab mehr Sonnenstunden und weniger Regen. In Dresden hat er damit alle Rekorde geschlagen. Eine Katastrophe für Menschen, die Hitze nur schwer ertragen können. Für sie war der Sommer 2018, der jeden Sonnenanbeter glücklich gemacht hat, eine reine Qual.

Die Statistik der Stadt über die „natürliche Bevölkerungsbewegung“ belegt sogar: In diesem Sommer sind in Dresden deutlich mehr Menschen gestorben als in den Jahren zuvor. In den zehn Jahren zwischen 2008 und 2018 im Juni durchschnittlich 300, 414 im Juli und 406 im August. In diesem Jahr weisen diese drei Monate höhere Zahlen auf. 405 waren es im Juni und 418 im Juli. Der traurige Rekord: Im August 2018 sind in Dresden 517 Menschen gestorben. Etwas mehr als die Hälfte davon waren Frauen.

Die Zahlen stammen aus dem Melderegister, die kommunale Statistikstelle der Stadt hat den Monatsdurchschnitt aus den vergangenen zehn Jahren errechnet. Todesursachen werden in der städtischen Statistik allerdings nicht erfasst.

Die überdurchschnittliche Zahl von Todesfällen im August lässt den Schluss zu, dass dabei die hohen Temperaturen eine Rolle gespielt haben. Nur ganz knapp verfehlte der August 2018 in Dresden den ersten Platz der wärmsten Augustmonate überhaupt. Die durchschnittliche Temperatur lag in diesem Jahr 4,1 Grad über dem Referenzwert, der laut Stadtverwaltung aus den Temperaturen der Jahre 1961 bis 1990 errechnet wird. Den wärmsten August erlebte Dresden demnach im Jahr 2015 mit 4,3 Grad über der durchschnittlichen Temperatur für diesen Monat.

Die Annahme, dass das heiße Wetter die Zahl der Todesfälle beeinflusst hat, bestätigen Mediziner nur indirekt. Der Begriff Hitzetote sei kein Fachwort, sagt Viviane Piffczyk, die Sprecherin des Städtischen Klinikums Dresden. „Ein Patient stirbt meistens nicht an der Hitze, sondern an einer Grunderkrankung, die ihn schwächt.“ Dann könne der Körper auf Extremtemperaturen schlechter reagieren. Sie räumt ein: „Es gibt sicherlich den Einzelfall, bei dem die Austrocknung ursächlich ist für das Sterben.“ Aber meistens hätten solche Patienten eben bereits eine Krankheit, deren Folgen dann verstärkt werden könnten. Es sei „unmöglich, wissenschaftlich zu belegen, dass Hitze eine Todesursache ist.“ Es hätten sich auch nicht mehr Patienten in den Notaufnahmen gemeldet, sagt Piffczyk. „Die Menschen haben sich gut auf die Hitze eingestellt“.

In der Uniklinik war das anders. Bereits Anfang August stellte Simone von Bonin, Fachärztin für Innere Medizin, fest, dass es einen „hitzebedingten Zuwachs an Patienten in der Notaufnahme“ gibt. Sie fügte allerdings hinzu, dies seien nicht unbedingt Menschen, die an einem Sonnenstich leiden. „Die meisten dieser Patienten sind ältere Leute mit einem Infekt, der unter der hohen Hitze körperlich schlechter verkraftet wird.“

Die zwei Dresdner Pflegeheime der Volkssolidarität (VS) melden keine gestiegenen Sterbezahlen. „Wir haben eine Lüftungsvereinbarung“, sagt Reiner Gräf, Sozialarbeiter im VS-Pflegeheim Gorbitz. Der Nachtdienst müsse nachts alle Fenster öffnen, um zu lüften, der Frühdienst schließt sie wieder. So sorgen die Mitarbeiter für erträgliche Temperaturen an heißen Tagen.

Auch der Arbeiter-Samariter-Bund registrierte in seinem Pflegeheim in Gorbitz in diesem Jahr keine höheren Sterbezahlen als im Sommer 2017. Dort nutzen die Mitarbeiter die Infoangebote des Deutschen Wetterdienstes (DWD), um sich auf besonders heiße Tage vorzubereiten. Die Meteorologen verstehen Extremtemperaturen durchaus als Gesundheitsgefahr. Das DWD-Zentrum für Medizinisch-Meteorologische Forschung in Freiburg veröffentlicht regelmäßig vier wetterabhängige Gefahrenindizes. Dazu gehört auch der „Thermische Gefahrenindex“. Bei Temperaturänderungen seien „Anpassungsreaktionen des Organismus erforderlich“, erklären die Verantwortlichen aus Freiburg. Sie bieten einen Newsletter mit Hinweisen auf temperaturabhängige Gesundheitsgefahren an. Er wird täglich um 10 Uhr verschickt. Welche Dresdner Einrichtungen diesen Service nutzen, sagte der DWD nicht und begründete das mit dem Datenschutz.