merken
Dresden

Offenes Palais: "Ich schaue nur nach vorn"

Seit 20 Jahren öffnet Thomas Friedlaender regelmäßig das Palais im Großen Garten in Dresden für Kulturfreunde. Nach einem schmerzhaften Einschnitt hat er viel vor.

Für Thomas Friedlaender ist das Palais im Großen Garten längst zum zweiten Zuhause geworden.
Für Thomas Friedlaender ist das Palais im Großen Garten längst zum zweiten Zuhause geworden. © Marion Doering

Dresden. So oft er auch schon hier gewesen sein mag - dieses Gebäude lässt Thomas Friedlaender doch bei jedem Besuch für einen Moment ehrfurchtsvoll innehalten. "Es ruft: 'Ich bin ein Festhaus! Seid behutsam mit mir'", sagt der 54-Jährige.

Das barocke Palais im Großen Garten stammt aus dem 17. Jahrhundert. Nachdem es im Februar 1945 komplett ausbrannte, wurde zu DDR-Zeiten nur - aber immerhin - die äußere Hülle instandgesetzt. Innen blieb dagegen bis heute der Charme des Unfertigen erhalten und geht es nach Friedlaender, dann sollte das auch noch lange so bleiben.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Gerade dieser Charme trage nämlich viel dazu bei, dass seine Veranstaltungsreihe "Offenes Palais" seit 20 Jahren kulturinteressierte Menschen anlockt. In bislang 217 Ausgaben sollen es insgesamt um die 20.000 Besucher gewesen sein. Sie erlebten eine ziemlich einzigartige Verbindung aus Musik und Kulturgeschichte, kombiniert mit dezenter Gastronomie. 

Das Konzept dazu entwickelten Friedlaender und sein Kreativpartner Marius Winzeler ab Ende der 90er-Jahre. Als 16-Jähriger war Friedlaender aus Magdeburg nach Dresden gekommen und hatte hier Trompete studiert. Bis heute hat sich der Musiker außerdem auf historische Instrumente wie den Zink spezialisiert.

"Wir waren damals schön naiv und haben einfach drauf los gemacht", erinnert sich Friedlaender an die Anfangszeit des "Offenen Palais'". "Die Leute haben uns von Anfang an überrannt." Noch heute bekomme er sofort Gänsehaut, wenn er daran denke.

Als Veranstalter fungierte zunächst der Schlösserbetrieb, später viele Jahre lang der Förderverein Palais Großer Garten. Genauer gesagt hielt diese fruchtbare und erfolgreiche Liaison bis Ende 2019. 

"Keine vertrauensvolle Grundlage mehr"

Der dann folgende Bruch hätte härter kaum sein können. Allein aus Selbstschutz will Friedlaender aber heute keine schmutzige Wäsche mehr waschen. Im offiziellen Sprachgebrauch ist daher nur von einem "schmerzhaften Trägerwechsel" die Rede. "Es gab einfach keine vertrauensvolle Arbeitsgrundlage mehr." 

Friedlaender schaut nach vorn. Seit Jahresbeginn bildet der Verein "Erkenne Dich selbst im Fremden" den strukturellen Unterbau für das "Offene Palais". Um das fehlende Budget auszugleichen, das bislang der Förderverein beisteuerte, wechselte man vom traditionellen Dienstag auf den Freitag. Die Zeiten blieben dieselben: Jeweils 14.30 Uhr und 19.30 Uhr starten die Programme.

Allerdings wurde die Veranstaltungsreihe in diesem Jahr schon nach drei Ausgaben jäh durch die Corona-Krise ausgebremst. Passend dazu erlitt Friedlaender im März auch noch einen Bandscheibenvorfall. Erst im Juni konnte es mit dem "Offenen Palais" weitergehen - der zweite Neustart innerhalb weniger Monate.

An diesem Freitag steht nun die 218. Ausgabe an und nach langer Zeit wird auch Thomas Friedlaender selbst wieder als Musiker mitmischen, gemeinsam mit Andreas Arend an der Laute. Gespielt werden unter anderem Werke von Josquin des Près, Ludwig Senfl, Orlando di Lasso und Jaques Arcadelt.

Am 12. September soll dann eine Veranstaltung aus der neuen Reihe "Offenes Palais unterwegs" folgen. Im Kirchhof der Christophoruskirche in Wilschdorf erleben die Besucher Werke aus Mittelalter, Renaissance und Frühbarock - und vernehmen zudem das älteste Dresdner Glockengeläut. 

Weitere Informationen und das Programm für die kommenden Monate gibt es online unter www.offenes-palais.de.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden