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Dresden royal

Die Spielhalle lebt. Oder: Casino trivial in der Landeshauptstadt – Vier gewinnt für (ohne) Arme.

© Symbolfoto: dpa

Von Andreas Weller

Bis vor wenigen Jahren wäre man wahrscheinlich ausgelacht worden, wenn jemand einem hätte weismachen wollen, dass das Café Prag zur Spielhölle wird. Auch jetzt mögen es noch viele Dresdner für einen schlechten Scherz halten.

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Das ist ungefähr so als würde die Stadt den Tunnel am Neustädter Markt zuschütten. Oder als würde man noch Geld dafür bekommen, wenn man in einer Stadt Wohnungen abreißt, um sich später ein Förderprogramm auszudenken, wie man nun an günstige Unterkünfte kommt. Hauptsache unser schönes Steuergeld wird möglichst mit vollen Händen rausgehauen.

Sie werden denken: Aufhören, das ist ja unvorstellbar dämlich! Da könnte man ja gleich den Multifunktionssaal des Kulturpalastes abreißen, den Schlager daraus verdammen und aus einer einst beliebten Stadthalle einen elitären Orchestersaal machen. Und überhaupt möglichst alle Zeugnisse, die irgendwie mit der DDR in dieser Stadt zu tun haben, schnell vernichten. Gerade so, als hätte es das alles nie gegeben.

Um dem Einhalt zu gebieten, fordern Politiker nun sogar die klassische Platte unter Denkmalschutz zu stellen. Das geht nun doch vielleicht ein wenig zu weit, mögen manche denken. Aber bevor alles vernichtet ist, wäre das vielleicht ein Weg, Dinge wenigstens so lange zu sichern, bis man sich mal grundsätzlich Gedanken gemacht hat, was erhaltenswert ist und was nicht. Dann wird es allerdings schwierig, den Denkmalschützern zu sagen: Das ist doch keine Kunst, kann weg.

Was das alles mit dem Kasino im Café Prag zu tun hat? Nun ja, es ist halt so – alles passiert, kein ausgedachter Irrsinn, sondern Realsatire in Dresdens Politik, oder so. Deshalb wird das auch mit der Spielbank an der Seestraße wahr. Sonnabend ist es so weit. Ein wenig royales Flair für Dresden, sozusagen. Also, irgendwie. Der Chef will gleich ein Kasino wie im James-Bond-Film. Würde ja auch gut passen, in die Residenzstadt früherer Zeiten.

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Aber erst einmal genügen an die 100 Automaten, die pingen, rattern, blinken, brummen, sprechen und viel mehr Geräusche machen. Ein Genuss mit einarmigen Banditen und simplen Spielen in gewöhnungsbedürftiger Atmosphäre. Ist irgendwie leider doch nur Casino trivial geworden, weniger royal. Was nun besser zu Dresden passt, käme auf den Versuch an...