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Dresden wird multimobil

Dresden soll multimobil werden. Dazu plant die Stadt ein neues Standortsystem für Leihfahrräder und Teilautos – und eine App für alle.

© Sven Ellger

Von Christoph Springer

Dresden. Die mobile Zukunft hat für Sebastian Hellmann vor fünf Jahren begonnen. Seit 2012 fährt er teilAuto. Immer dann, wenn ein Großeinkauf für die Familie ansteht oder die Verwandten im Umland besucht werden, holt er sich eines der Gemeinschaftsautos. Kurz: Sebastian Hellmann erledigt damit alles das, „was nicht mit dem Fahrrad geht“. Auch, als sich vor wenigen Wochen das zweite Kind der Familie aus Trachenberge ankündigte, setzte er auf ein teilAuto für die schnelle Fahrt ins Krankenhaus. Und er kam rechtzeitig in der Klinik an. Damit hat er den Beweis erbracht, dass Multimodalität kein Hexenwerk ist.

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Willkommen im UnbezahlbarLand
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Die Kampagnen-Motive der Stadt

Mit fünf original Dresdner Gesichtern wirbt die Stadt  für Multimobilität.
Mit fünf original Dresdner Gesichtern wirbt die Stadt für Multimobilität.

Populäre Stromer-Marken in Dresden

In Dresden sind derzeit (Stand 6. Juni) 228 E-Autos zugelassen, viele davon auch auf Firmen und öffentliche Einrichtungen. Nicht berücksichtigt bei den folgenden Zahlen sind Voll- und Plug-in-Hybridfahrzeuge.
In Dresden sind derzeit (Stand 6. Juni) 228 E-Autos zugelassen, viele davon auch auf Firmen und öffentliche Einrichtungen. Nicht berücksichtigt bei den folgenden Zahlen sind Voll- und Plug-in-Hybridfahrzeuge.
Spitzenreiter  ist Volkswagen. 53 Elektroautos des Konzerns sind in Dresden zugelassen. Kein Wunder, schließlich baut VW den eGolf seit diesem Jahr in der Gäsernen Manufaktur.
Spitzenreiter ist Volkswagen. 53 Elektroautos des Konzerns sind in Dresden zugelassen. Kein Wunder, schließlich baut VW den eGolf seit diesem Jahr in der Gäsernen Manufaktur.
Auf Rang 2 folgt Renault. Die Franzosen können 35 Zulassungen von E-Autos in Dresden vorweisen und haben mehrere elektrisch betriebene Fahrzeuge im Portfolio, wie etwa den ZOE.
Auf Rang 2 folgt Renault. Die Franzosen können 35 Zulassungen von E-Autos in Dresden vorweisen und haben mehrere elektrisch betriebene Fahrzeuge im Portfolio, wie etwa den ZOE.
Tesla-Wagen gibt es derzeit 25 in der Stadt. Der US-Elektropionier wirbt zwar mit einer Reichweite von 400 Kilometern, ist aber mit rund 70.000 Euro für die Basisversion nicht ganz billig.
Tesla-Wagen gibt es derzeit 25 in der Stadt. Der US-Elektropionier wirbt zwar mit einer Reichweite von 400 Kilometern, ist aber mit rund 70.000 Euro für die Basisversion nicht ganz billig.
E-Autos von Citroen gibt es bis jetzt 25 in Dresden. Auch diese Marke vertreibt mehrere Modelle, die sich rein elektrisch fortbewegen, etwa den C-Zero (Foto) oder den E-Mehari.
E-Autos von Citroen gibt es bis jetzt 25 in Dresden. Auch diese Marke vertreibt mehrere Modelle, die sich rein elektrisch fortbewegen, etwa den C-Zero (Foto) oder den E-Mehari.
Die Marke Mercedes-Benz ist ebenfalls mit 25 Zulassungen dabei. Meist handelt es sich um Fahrzeuge der B-Klasse.
Die Marke Mercedes-Benz ist ebenfalls mit 25 Zulassungen dabei. Meist handelt es sich um Fahrzeuge der B-Klasse.
Unter den in Dresden zugelassenen E-Autos sind auch 19 Wagen von Nissan. Die Japaner haben mit dem Leaf das weltweit meistverkaufte Elektrofahrzeug im Programm.
Unter den in Dresden zugelassenen E-Autos sind auch 19 Wagen von Nissan. Die Japaner haben mit dem Leaf das weltweit meistverkaufte Elektrofahrzeug im Programm.
Nur acht elektrische Mitsubishi sind in der Stadt zugelassen. In Deutschland bieten die Japaner den i-MiEV an, er heißt aber seit 2014 nur noch schlicht Electric Vehicle.  Mehr davon werden es erstmal nicht, denn laut Mitsubishi ist dieses Elektro-Stadtauto derzeit nicht lieferbar.
Nur acht elektrische Mitsubishi sind in der Stadt zugelassen. In Deutschland bieten die Japaner den i-MiEV an, er heißt aber seit 2014 nur noch schlicht Electric Vehicle. Mehr davon werden es erstmal nicht, denn laut Mitsubishi ist dieses Elektro-Stadtauto derzeit nicht lieferbar.
Fünf E-Autos von General Motors rollen ebenfalls durch Dresden. In der Zulassungsstatistik tauchen diese Autos als   GM/Daewoo auf, es handelt sich daher um in Korea gebaute Chevrolet.  Mehr werden es nicht: Die Amerikaner haben sich mittlerweile weitgehend vom deutschen Markt zurückgezogen.
Fünf E-Autos von General Motors rollen ebenfalls durch Dresden. In der Zulassungsstatistik tauchen diese Autos als GM/Daewoo auf, es handelt sich daher um in Korea gebaute Chevrolet. Mehr werden es nicht: Die Amerikaner haben sich mittlerweile weitgehend vom deutschen Markt zurückgezogen.
Hinzu kommen noch weitere 33 Elektroautos anderer Hersteller, 37 E-Lkw und 45 Fahrzeuge der "Klasse Krad und sonstige Fahrzeuge".  Dazu gehört unter anderem der recht eigenwillig aussehende Renault Twizy, den auch Pizza-Lieferdienste nutzen.
Hinzu kommen noch weitere 33 Elektroautos anderer Hersteller, 37 E-Lkw und 45 Fahrzeuge der "Klasse Krad und sonstige Fahrzeuge". Dazu gehört unter anderem der recht eigenwillig aussehende Renault Twizy, den auch Pizza-Lieferdienste nutzen.

Der Zweck entscheidet bei der Wahl des Fortbewegungsmittels.

Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit einem Auto oder mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kann man seine Wege in Dresden erledigen. Wer multimodal unterwegs ist, wählt wie Sebastian Hellmann jeweils das passende Verkehrsmittel aus, das er für einen Weg braucht. Zum Beispiel ein Auto für den Großeinkauf und das Fahrrad oder Bus und Bahn für den Weg zur Arbeit. Genauso machen es die meisten Dresdner längst bei Urlaubsreisen. Für besonders lange Strecken nehmen sie das Flugzeug, ansonsten stehen unter anderem die Eisenbahn, Fernbusse oder ein Pkw für den Weg zum Urlaubsziel zur Wahl. Selbst via Internet gebuchte Mitfahrgelegenheiten bieten sich dafür an.

Dresden hat schon alle nötigen Voraussetzungen für Multimodalität.

Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) findet, dass die Landeshauptstadt gut gerüstet ist. „Hier gibt es eine sehr große potenzielle Nutzergruppe, hier gibt es eine große Aufgeschlossenheit für solche Themen, und wir haben alle Grundlagen: ein Carsharing-System, ein Fahrradverleihsystem und einen sehr guten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)“, sagt der Ressorchef aus dem Rathaus. „Grundsätzlich muss man festhalten, dass das Thema Multimobilität in Ballungsräumen wesentlich einfacher ist als auf dem Land“, ist er überzeugt. Allerdings werden die vorhandenen Angebote zu wenig genutzt. Um sie mehr in den Blick der Dresdner zu rücken, startet die Stadt eine Kampagne mit dem Titel „Multimobil. Für Dich. Für Dresden.“ Die mehrwöchige Aktion soll dazu animieren, solche Angebote stärker zu nutzen..

Viele Dresdner beherrschen bereits den Umgang mit Teilautos und Leihrädern.

270 Autos und 500 Fahrräder stehen in Dresden fürs Teilen bereit. Bei beiden Systemen muss man registriert sein, um sich ein Fahrzeug leihen zu können. Das funktioniert bei teilAuto und SZ-Bike, einem Unternehmen der DDV-Mediengruppe, telefonisch oder per Handy-App. Danach muss man nur noch ein Fahrzeug auswählen. Auch das funktioniert bei beiden Systemen ähnlich: Auf interaktiven Stadtplänen im Internet sind die Auto- und Fahrradstandorte eingetragen. Man kann sich anzeigen lassen, wieviele Fahrzeuge am Wunschort frei sind. Auf der Seite des Fahrradverleihs werden auch einzeln stehende Fahrräder angezeigt. Bei teilAuto kann man das Fahrzeug direkt auf der Karte buchen. Rund 8 500 Menschen sind bei dem Auto-Mietsystem angemeldet, bei dem man vom Kleinwagen bis zum Kleinbus auswählen kann. Auch drei Elektro-Pkws gehören zur Flotte. Bei SZ-Bike sind knapp 9 000 Personen angemeldet. Alle Fahrräder sind gleich und mit Zahlenschlössern gesichert, deren Code man per Handy abfragen kann. Sonderkonditionen gibt es bei beiden Verleihsystemen unter anderem für Nutzer, die ein Fahrkartenabo bei den Dresdner Verkehrsbetrieben haben.

Der Zugang zu diesen Angeboten soll einfacher werden.

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Der Stadtrat hat beschlossen, dass in Dresden 75 sogenannte Mobilitätspunkte eingerichtet werden sollen. Dort werden künftig Carsharing, Radverleih und ÖPNV verknüpft, auch Lademöglichkeiten für Elektroautos sind vorgesehen. Die ersten Standorte sollen der Bahnhof Neustadt und der Hauptbahnhof sein, weitere elf zentrale Stellen sind im Gespräch. Weitere 62 wohnortnahe Mobilitätspunkte sollen je nach Bedarf ausgestattet werden und wohnortnah entstehen. Die Stadt rechnet mit nicht viel mehr als 2 000 Euro Investitionskosten pro Mobilitätspunkt. Schmidt-Lamontain glaubt, dass keine technisch aufwendigen Einrichtungen nötig sind, sondern das Handy als Ausleihcomputer und Bezahlterminal verwendet werden kann. Deshalb kann man sich teure Stelent Computerbildschirme sparen, ist er überzeugt. „Optimal wäre am Ende, wenn ich auf meinem mobilen Endgerät nur noch eine einzige App habe.“ Eine für alle möglichen Mobilitätsvarianten.