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30 Millionen für Dresdner Plattenbauten

Die Sächsische Wohnungsgenossenschaft nimmt in der Coronazeit Geld in die Hand - und hat Pläne für die Fläche des abgerissenen Hochhauses nahe des WTC.

Das Micktener Plattenbauviertel an der Lommatzscher Straße wird schöner. Die Vorstände Mathias Schulze (l.) und Torsten Munk freuen sich, dass ihre Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden schon den ersten Block saniert hat.
Das Micktener Plattenbauviertel an der Lommatzscher Straße wird schöner. Die Vorstände Mathias Schulze (l.) und Torsten Munk freuen sich, dass ihre Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden schon den ersten Block saniert hat. © Sven Ellger

Dresden. Die Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWGD) hat schon viel geschafft. Jahr für Jahr werden zwischen 20 und 25 Millionen Euro in die Sanierung ihrer 250 Häuser mit 9.591 Wohnungen investiert. Im Frühjahr 2019 wurde der erste Neubau seit der politischen Wende auf der Struvestraße im Gebiet an der Bürgerwiese übergeben.

Jetzt wird ein weiterer Neubau auf der Fläche des abgerissenen Hochhauses an der Ammonstraße 68 folgen. Insgesamt investiert die SWGD dieses Jahr rund 26 Millionen Euro. Die Vorstände Mathias Schulze und Torsten Munk freuen sich zwar über den Trend. Dennoch hat die Coronakrise auch Schwierigkeiten gebracht.

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Der Trend: Einzimmer-Wohnungen in Hochhäusern leer

Standen 2002 noch 800 Wohnungen leer, so sind es heute 300. Das entspricht 3,1 Prozent, erklärt Vorstand Schulze. Vor der Coronakrise waren es aber noch weniger. „Der Leerstand ist gestiegen, weil die Nachfrage bei Einraum-Wohnungen gesunken ist“, erläutert Vorstand Schulze. Da Studenten und Azubis online unterrichtet werden und nicht mehr vor Ort sind, stehen solche Wohnungen leer. Die sind in den vier SWGD-Hochhäusern im Zentrum. „Für uns ist das zwar keine riesige finanzielle Frage.“ Aber eine deutliche Veränderung bei den sonst sehr gefragten Einraum-Wohnungen sei das schon.

Wohnungen anderer Größe würden hingegen kaum leer stehen, nur beim Wechsel von Mietern oder bei Sanierungen. Die Durchschnittsmiete liegt bei 5,88 Euro je Quadratmeter. In Plattenbauten zahlen die Bewohner teilweise nur 4,90 Euro, beispielsweise bei teilsanierten Wohnungen in Klotzsche. Im Neubau an der Struvestraße zahlen Mieter hingegen bis zu 10,50 Euro. „Wir können alle Wünsche für verschiedene Wohnungsgrößen und auch Mietpreise erfüllen“, sagt Schulze.

Das Großprojekt: Erster Wohnblock schon saniert

Die Genossenschaft setzt auch ihre Strategie fort, ganze Wohngebiete zu modernisieren und die Häuser mit einer besonderen Fassade zu gestalten. Das hat im vergangenen Jahr im Micktener Wohngebiet an der Lommatzscher Straße gegenüber vom Elbepark begonnen. Zum Gebiet gehören die Häuser Lommatzscher Straße 55-119 mit 413 Wohnungen. Dafür investiert die SWGD bis 2024 rund 30 Millionen Euro.

Zum Auftakt wurde im vergangenen Jahr der Wohnblock Lommatzscher Straße 55-61 saniert. „Die Häuser haben eine vorgehangene, wärmegedämmte Fassade bekommen, die das Quartier optisch aufwerte“, sagt Munk. Die Oberfläche ist aus Aluminium. „Da es die Einfallstraße für Dresden an der Autobahnzufahrt ist, muss die Fassade ein Blickfang sein, der auch zum Elbepark passt", fügt Vorstand Schulze hinzu.

Die Balkons haben neue Kunststoff-Brüstungen und zudem Pflanzkübel erhalten, sodass sich Kletterpflanzen an der Fassade emporranken können. Jeder zweite Hausaufgang hat einen Außen-Aufzug bekommen. Die Miete von 4,90 Euro je Quadratmeter ist wegen der Modernisierung auf rund 7,50 Euro bei Eingängen mit Aufzug gestiegen, erklärt Schulze. Die anderen Mieter zahlen nur etwa sieben Euro.

Jetzt beginnen die Arbeiten an den zwei Häusern Lommatzscher Straße 87-105 mit insgesamt 126 Wohnungen mit dem Gerüstbau. Für die Sanierung, die im Dezember abgeschlossen werden soll, investiert die SWGD rund zehn Millionen Euro. Bis 2024 werden dann noch die weiteren Häuser saniert.

Der Neubau: Hochhaus-Sanierung wäre zu teuer

Eine Grube prägt derzeit das Bild an der Ammonstraße 68 direkt neben dem World Trade Center (WTC). Dort stand ein Hochhaus der SWGD. Ursprünglich wollte sie den Zehngeschosser sanieren, der 1966 bezogen wurde. Doch der Zuschnitt der 40 großen Vierraum-Wohnungen sei mit vielen Durchgangszimmern und Bädern im Flur sehr ungünstig. Fünf Wohnungen standen schon seit Jahren leer. Wegen der neuen Richtlinie wäre die Sanierung mit rund sechs Millionen Euro sehr teuer gewesen. Kostet sie im Normalfall etwa 800 Euro je Quadratmeter, so wäre es dort mit rund 1.900 Euro mehr als das Doppelte. „Die Kosten für eine Sanierung wären zu hoch“, sagt Vorstand Munk. Deshalb habe sich die Genossenschaft für den Abbruch und einen Neubau entschieden.

Wo im Herbst vergangenen Jahres noch ein Hochhaus am World Trade Center stand, ist jetzt nur noch diese Grube sichtbar. Hier errichtet die Sächsische Wohnungsgenossenschaft jetzt einen Neubau.
Wo im Herbst vergangenen Jahres noch ein Hochhaus am World Trade Center stand, ist jetzt nur noch diese Grube sichtbar. Hier errichtet die Sächsische Wohnungsgenossenschaft jetzt einen Neubau. © Marion Doering

Am 30. Juni 2020 war der letzte Mieter ausgezogen. Anfang Oktober hatten die ersten Arbeiten begonnen. Ende Februar war der Abbruch beendet. „Am 6. April beginnen die ersten Vorbereitungen für den Neubau“, kündigt Munk an. Den Auftrag hat die Dresdner Niederlassung der Hochbaufirma Rommel bekommen, die viel für Dresdner Wohnungsgenossenschaften baut.

Geplant sind 47 barrierearme Zwei- bis Vierraum-Wohnungen. Die 25 Zweiraum-Wohnungen werden zwischen 47 und 50 Quadratmeter groß, die 14 Dreiraum-Wohnungen zwischen 70 und 75 Quadratmeter und die acht Vierraum-Wohnungen 84 Quadratmeter groß. Außerdem ist eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen und einem Autoaufzug vorgesehen.

Im Februar kommenden Jahres sollen die Arbeiten im Untergrund soweit sein, dass der Bau in die Höhe geht. Geplant ist ein Richtfest im Mai. Ende 2022 soll der Neubau fertig werden. „Das Interesse ist offenkundig da. Schon jetzt haben wir erste Nachfragen“, sagt Munk. Mit der Vermietung soll voraussichtlich Anfang nächsten Jahres begonnen werden. Die Mietpreise orientieren sich an denen am Neubau Struvestraße, wo Mieter bis zu 10,50 Euro zahlen. Für den Neubau investiert die SWGD rund neun Millionen Euro.

So soll der Neubau aussehen. Geplant ist, dass Ende kommenden Jahres die Mieter einziehen können.
So soll der Neubau aussehen. Geplant ist, dass Ende kommenden Jahres die Mieter einziehen können. © Visualisierung: SWGD

Das Klotzscher Projekt: Gasboiler verschwinden.

In Klotzsche hat die Genossenschaft im vergangenen Jahr begonnen, in den 105 Wohnungen der Boltenhagener Straße 57-69 für mehr Sicherheit zu sorgen. Dort sind die alten Gasthermen aus den Wohnungen verschwunden. Das warme Wasser wird jetzt durch Fernwärme aufbereitet. „Das ist eine Frage der Sicherheit“, sagt Munk. In dem Zuge wurden auch die Fassaden saniert. Sie haben eine ordentliche Wärmedämmung bekommen. Dabei wurden auch Nistkästen und Quartiere für Vögel und Fledermäuse angebaut. Außerdem sind die Treppenhäuser instandgesetzt worden.

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In diesem Monat beginnen diese Arbeiten an der Boltenhagener Straße 45-33. Sie sollen im Oktober abgeschlossen werden. Von August bis Dezember werden diese Arbeiten noch am Wohnblock Dörnichtweg 33-41 ausgeführt. Insgesamt investiert die SWGD dafür dieses Jahr rund 3,3 Millionen Euro.

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